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Ostholstein Hospizverein erweitert Trauerarbeit
Lokales Ostholstein Hospizverein erweitert Trauerarbeit
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18:15 09.01.2016
Wohin mit dem Schmerz? Kinder sollen durch das Angebot lernen, dass alle Gefühle da sein dürfen. Quelle: Fotolia

Der Hospizverein „Dasein“ in Ostholstein will mit der Gründung von Trauergruppen für Kinder und Jugendliche eine wichtige Lücke in der Trauerarbeit im Nordkreis schließen. Denn für Kinder und Jugendliche ist der Verlust eines Angehörigen ein besonders einschneidendes Erlebnis. Sie haben noch keine adäquaten Verhaltensweisen entwickelt, um mit dem Tod eines lieb gewonnenen Menschen umzugehen. „Kinder trauern anders“, sagt Birgitt Rathke, Vorsitzende des Vereins „Dasein“.

„Pfützenspringen“ ist ein Begriff aus der Trauerarbeit, der aus ihrer Sicht den Umgang mit der Trauer am besten beschreibt: „Kinder lassen sich leichter ablenken und verfallen selten in ein dauerhaftes Tief.“ Sie haben einen natürlichen Schutz, tauchen immer nur wieder kurz in die Trauer — die „Pfütze“ — ein. Die Kinder sieht sie in einem Zwiespalt: „Zu Hause ist nichts mehr, wie es einmal war. Die Trauer ist hier allgegenwärtig. In der Schule oder im Sportverein habe sich dagegen nichts verändert. Hier wird wie gewohnt gelernt oder trainiert, hier wird gelacht, die Freunde sind da. Die festen Strukturen sind geblieben.“

Für Kinder sei das ein emotionaler Spagat, der sie manchmal überfordere. „In der Familie mögen die Kinder ihre Trauer nicht zeigen, um andere Familienmitglieder nicht zu belasten“, schildert Birgitt Rathke das Dilemma. Es falle ihnen schwer, über ihre eigene Traurigkeit zu sprechen, wenn infolge dessen ein Eltern- oder Geschwisterteil zu weinen anfange. In der Schule oder im Verein fehle dagegen bei den Gleichaltrigen oftmals das Verständnis. Rathke: „Auch Lehrer sind hier überfordert und können eine Begleitung schon aus Zeitgründen nicht leisten.“ Wenn Kinder nicht lernen würden, frühzeitig über die gemachten Erfahrungen zu sprechen, könne sich das im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung negativ auswirken, so Rathke.

Hier will der Hospizverein mit seiner Trauerarbeit ansetzen. Alle zwei Wochen sollen Kinder, die einen nahen Angehörigen verloren haben, in einer Gruppe zusammenkommen. Mit Hilfe kreativer Angebote sollen sie lernen, über das Erlebte mit Gleichaltrigen zu sprechen. Rathke: „Die Kinder sollen lernen, dass alle Gefühle da sein dürfen, dass auch andere Kinder vielleicht nicht nur traurig sondern auch wütend über den Verlust sind.“ Dabei sollen sich die Kinder dem Thema buchstäblich spielerisch nähern: mit Collagen aus Erinnerungsstücken, mit Basteleien, mit Gesellschaftsspielen oder Traumreisen. Auch der Besuch eines Reiterhofes ist geplant. Begleitet werden die Kinder dabei von zwei ausgebildeten Trauerbegleitern. Ein weiterer steht für die Eltern zur Verfügung, die dann separat in einem Nebenraum auf ihre Kinder warten können.

Mindestens schulpflichtig sollen die Kinder in den Gruppen sein. „Wichtig ist, dass die Kinder aufgrund ihres Alters einen ähnlichen Erfahrungshorizont haben“, so Rathke. Falle dann ein Kind altersmäßig aus dem Rahmen, gebe es auch noch die Möglichkeit einer Einzelbetreuung. Die Notwendigkeit für eine Trauergruppe im Norden des Kreises hat sich für den Verein „Dasein“ auch aus Erfahrungen mit seinem Projekt „Hospiz macht Schule“ ergeben. Auch dabei sei man auf Kinder getroffen, die Angehörige verloren hatten oder deren Tod bevorstand, berichtet Rathke. Lernen sollen die Kinder vor allem eines: Erinnerungen sind vielleicht am Anfang schmerzhaft — Erinnerungen können aber auch sehr schön sein.

Gruppen in Neustadt und Heiligenhafen geplant
Die Trauergruppe startet als geschlossene Gruppe im Februar 2016. Alle zwei Wochen kommen die Kinder in Räumen des Kinderschutzbundes in Neustadt zusammen. „Sie fangen gemeinsam an und hören auch gemeinsam auf“, kündigt Birgitt Rathke an. Das Angebot richte sich an schulpflichtige Kinder, die ein Eltern- oder Geschwisterteil oder aber auch Großeltern verloren haben. Bei Bedarf werde eine Gruppe in Heiligenhafen gegründet.



Anmeldungen und weitere Informationen unter ☎ 04504/7149433 oder per E-Mail: kontakt@dasein-ev.de.

Thomas Klatt

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