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Ostholstein Hotel-Boom verdrängt kleine Betriebe
Lokales Ostholstein Hotel-Boom verdrängt kleine Betriebe
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22:12 29.04.2018
Das kleine Hotel „Rigoletto“ in Eutin bietet Gästen eine familiäre Atmosphäre, Natur und spezielle Angebote. Quelle: Foto: Beke Zill
Ostholstein

Nichts ist in den vergangenen Jahren mehr gestiegen als die Anzahl der Hotelbetten – besonders an der Küste werden fleißig große Komplexe gebaut, um den Markt zu bedienen. Die schicken neuen Hotels verdrängen dabei immer mehr die kleinen Häuser mit wenigen Zimmern. Die Bettenkapazität in dieser sogenannten Parahotellerie entwickelte sich laut Statistikamt Nord im Ostseeraum und in der Holsteinischen Schweiz von 2006 bis 2016 zurück. „Die Zahlen der Pensionen sind

Die Zahl der Übernachtungen in Ostholstein steigt. Nach Angaben des Statistikamtes Nord waren es 2017 insgesamt 6,9 Millionen in Hotels mit zehn und mehr Betten. Das sind 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die kleineren Betriebe geraten dabei jedoch in Vergessenheit.

rückläufig. Der Strukturwandel von kleineren zu größeren Hotels ist da“, sagt Katja Lauritzen, Geschäftsführerin des Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT). In den vergangenen Jahren hätten etliche kleinere Hotels sowohl im Binnenland als auch an der Küste nach und nach zugemacht.

Große Konkurrenz und gestiegener Qualitätsanspruch

 In Heiligenhafen, Grömitz, Niendorf und Scharbeutz glänzen beispielsweise die neuen Bauten direkt am Wasser um die Wette. „Es sind viele Hotels entstanden“, bemerkt auch Bianca Lemke, die zusammen mit ihrem Mann Cyrus Yazdani das „Rigoletto“ in Eutin mit acht Zimmern und zwei Appartements betreibt. Das Paar sucht nach 20 Jahren Arbeit in seinem kleinen Hotel einen Nachfolger. Auch das „Kleine Hotel“ in Eutin mit 37 Betten macht dicht, im Haus sollen Wohnungen entstehen. Besonders in den vergangenen fünf Jahren hätten Lemke und Yasdani den Hotel-Boom zu spüren bekommen. „Die großen Hotels haben einen ganz anderen Markt erschlossen“, erklärt Lemke. Matthias Drespling, 1. Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Ostholstein, erlebt viele unterschiedliche Pensionen in Ostholstein, die gegen den Hotelboom ankämpfen. „Der Konkurrenzdruck ist da“, sagt Drespling. Die kleinen Häuser müssen vor allem der veränderten Haltung des Gastes genügen. „Der Qualitätsanspruch hat sich gewandelt“, erklärt Lauritzen. Urlauber kommen zwar wie seit Jahren mit dem gleichen Ziel an die Ostsee – inzwischen erwarten sie jedoch hohe Qualität, ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und bequeme Buchungsmöglichkeiten via Internet. Die Vermarktung auf den Vermittlungsmarkt-Plattformen wie booking.com sei entscheidend, sagt die OHT-Chefin. Wenn die Betriebe nicht online buchbar sind, „dann ist es schwer, sich am Markt zu behaupten“, so Lauritzen. „Marketing ist Thema Nummer eins“, sagt auch Drespling. Dauer der Übernachtungen geht zurück Bianca Lemke findet, dass die großen Portale oft keine idealen Lösungen für ihre Zielgruppe anböten. Sie nennt die Stornierungsmöglichkeiten bis kurz vor Check-in als Beispiel, das sich die kleinen Betriebe nicht leisten können. Zudem könnten Pensionen oft die Schnäppchen-Angebote im Internet nicht mitgehen. Sie müsste einen bestimmten Zimmerpreis nehmen, damit es sich wirtschaftlich überhaupt lohne. Kosten für Reinigung, Wäsche und Personal müssten aufgebracht werden. Wenn es kein Familienbetrieb sei, dann werde es schwierig, sagt Lauritzen mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Den Hauptgrund, warum die großen Hotels die Gewinner sind, sieht Lemke aber in der Dauer des Aufenthaltes der Gäste. Touristen verreisen mehrmals im Jahr, aber dafür kürzer. „Die Übernachtungen pro Gast werden weniger“, erklärt sie die größte Problematik. Wichtig sei deshalb, sich als Betreiber eine Nische zu suchen. „Man muss auf Besonderheiten wie bei uns auf die Natur setzen“, erklärt sie. Im „Rigoletto“ gibt es beispielsweise Fahrrad-Pauschalen, damit Gäste die Holsteinische Schweiz erkunden können. Auch Motorradfahrer sind bei ihnen willkommen. Lauritzen nennt das Reisen mit Hund eine mögliches Alleinstellungsmerkmal. Wer seinen Betrieb für die Zukunft aufstellen möchte, kann eine Betriebsberatung in Anspruch nehmen oder sich im Rahmen des Landes-Tourismus-Clusters Anregungen holen, sagt Lauritzen. Damit alle Beherbungsarten vom Tourismus-Boom profitieren.

 Von Beke Zill

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