Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Hummeln lieben Grömitzer Erdbeeren
Lokales Ostholstein Hummeln lieben Grömitzer Erdbeeren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:37 10.04.2017
Heinrich Mougin jr. und sein Sohn Heinrich präsentieren eines ihrer Hummel-Hotels. Im 80 Meter langen Tunnel wachsen 2500 Pflanzen. Quelle: Fotos: Rosenkötter

Sie sind klein, dicklich, sehen flauschig aus, summen und sollen in den kommenden Wochen für möglichst viele schmackhafte Erdbeeren sorgen. Der Grömitzer Landwirt Heinrich Mougin jr. setzt in diesem Jahr erstmals auf die Bestäubung durch Hummeln in seinen neuen Tunneln. Die Insekten sollen in den „Gewächshäusern“die Blüten anfliegen und dazu beitragen, den Ertrag zu steigern und witterungsbedingte Gefahren zu minimieren.

Tiere sollen Pflanzen bestäuben – Mougin investiert Zehntausende Euro in 18 riesige Tunnel.

Hummel-Fakten

Die Insekten gehören zur Familie der Bienen.

Sie produzieren keinen Honig. Den Nektar sammeln sie für den Nachwuchs.

Während Bienen noch schlafen und auf wärmeres Wetter warten, sind Hummeln schon aktiv.

Während draußen ein kräftiger Wind weht, das Thermometer gerade einmal elf Grad anzeigt, ist es in den 18 zehn mal 80 Metern langen Tunneln angenehm warm. Mitten drin auf einer kleinen Holzpalette steht ein Karton. Wer genau hinschaut, erkennt mehrere Luftschlitze und zwei Löcher, aus denen die Hummeln ein- und ausfliegen. „Das ist das Hummel-Hotel“, erläutert Mougin. Geliefert wurden die Tiere und ihre Häuschen vor wenigen Tagen. Nun läuft ihre Zeit langsam ab. Bis auf die Königin werden sie kaum älter als ein paar Monate. In dieser Zeit sammeln sie Nektar, versorgen den Nachwuchs und helfen quasi so ganz nebenbei Heinrich Mougin jr. bei seiner Erdbeer- Produktion.

Dass der Mann aus Lenste, dessen Familie seit 1983 Erdbeeren anbaut, auf Hummeln statt Bienen setzt, hat mehrere Gründe. „Bienen sind erst bei 15 bis 20 Grad aktiv. Hummeln hingegen fliegen schon bei acht bis zehn Grad“, so Mougin. Hinzu komme, dass Hummeln in einem kleinen Areal blieben, während Bienen auch längere Entfernungen zurücklegten. Da Mougin die Insekten in seinen mit dicker Plastikfolie umspannten Tunneln benötigt, ist klar, auf welche der Arten er setzt. „Außerdem sind Hummeln nicht aggressiv. Sie sind unsere Freunde und stechen nur, wenn wir ihnen zu nahe kommen“, erläutert er.

Aktuell verteilen sich die Erdbeer-Tunnel auf zwei Hektar und sind von der B 501 zwischen Grömitz und Cismar sichtbar. Insgesamt wachsen die roten Früchte auf 100 Hektar. Aufgrund unterschiedlicher Sorten werden diese nach und nach reif. „Dank der Tunnel können wir zehn Tage eher am Markt sein“, erläutert Mougin. Darüber hinaus schützen die Konstruktionen vor Wind, kräftigen Regenschauern, Hagel und Frost. „Zudem können wir den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich reduzieren“, betont der Landwirt, der Zehntausende Euro in die Anlagen investiert hat.

Nun müssen die Hummeln nur noch ordentlich bestäuben und die Erdbeeren kräftig wachsen. Klappt alles, beginnt die Ernte bereits Anfang Mai.

 Sebastian Rosenkötter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige