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Ostholstein Hunderte Ausbildungsstellen im Kreis Ostholstein unbesetzt
Lokales Ostholstein Hunderte Ausbildungsstellen im Kreis Ostholstein unbesetzt
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21:42 30.07.2016
Diese Azubis freuen sich auf ihre Ausbildung bei der Unternehmensgruppe Gollan in Beusloe (Gemeinde Schashagen). Quelle: Gollan (hfr)

620 offene Stellen. 234 unversorgte Bewerber. Die beiden Zahlen (Stand Ende Juli) der Agentur für Arbeit machen klar, dass es im Kreis Ostholstein ausreichend Ausbildungsstellen gibt. Dennoch finden viele Schüler aufgrund von Noten, einer Behinderung oder Migrationshintergrund keine Lehrstelle. Zudem gelten Berufe im Hotel- und Gastgewerbe weiterhin als wenig beliebt. Markus Dusch, Geschäftsführer der Arbeitsagentur, betont, dass auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart am morgigen Montag, 1. August, der Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt erfolgen könne.

Morgen ist offizieller Ausbildungsstart – Agentur für Arbeit meldet 234 Bewerber ohne Stelle – Geschäftsführer Markus Dusch appelliert an Firmen, auf Jugendliche zuzugehen.

„Wer bisher keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, sollte sich schnellstmöglich mit der Berufsberatung in Verbindung setzen“, so Dusch. Ihm sei bewusst, dass die Anforderungen der Stellen und die Wünsche der Bewerber nicht immer zusammen passen würden. „Deshalb ist von Seiten der Jugendlichen – aber auch der Betriebe – Kompromissbereitschaft erforderlich“, betont er. Dass einzelne Berufe zu wenig nachgefragt werden, hat mehrere Gründe. Neben dem Image des Berufes spielen Bezahlung, Arbeitszeiten sowie Unkenntnis über konkrete Berufsinhalte und Zukunftsaussichten eine Rolle. „Alleine in Ostholstein und Lübeck gibt es 140 verschiedene Ausbildungsberufe, bundesweit sind es rund 350. Trotzdem konzentrieren sich rund 41 Prozent der Jungs und 58 Prozent der Mädchen auf die Top 10-Berufe“, erläutert Agentur-Sprecherin Olga Nommensen. Unternehmen, die gute Bedingungen beziehungsweise Zusatzleistungen bieten, würden sicherlich zu den „Gewinnern“ gehören. Andererseits müssten Arbeitgeber sich in puncto Vereinbarkeit von Arbeit und Familie noch weiter bewegen.

Als besonders beliebt gelten wie schon in den Vorjahren Ausbildungen zum Verkäufer, Kaufmann Büromanagement und zum Medizinischen Fachangestellten. Nommensen weist darauf hin, dass das Angebot an Ausbildungsstellen im Agenturbezirk bereits seit 2007 über dem der gemeldeten Jugendlichen liege, die die Ausbildungsstellenvermittlung in Anspruch nehmen. Deshalb gebe es in fast allen Berufen rechnerisch mehr Ausbildungsstellen als gemeldete Bewerber.

Die Gesamtzahl der Ausbildungsstellen im Kreis Ostholstein ist seit 2009/2010 kräftig angestiegen: von 1125 auf 1563. Die Zahl Bewerber hingegen nahm ebenfalls zu, jedoch in einem geringeren Umfang.

Waren es vor sechs Jahren noch 738 Bewerber, wurden im aktuellen Jahr 827 Männer und Frauen bei der Agentur für Arbeit registriert.

Damit der Übergang zwischen Schule und Ausbildung gut gelingt, sollten sich Jugendliche schon frühzeitig mit dem Wechsel beschäftigen. Olga Nommensen rät, dass Eltern ihren Kindern frühzeitig die duale Ausbildung nahebringen sollten. „Wer nächstes Jahr die Schule verlässt, sollte sich bereits jetzt bewerben. Uns liegen schon zahlreiche Ausbildungsstellen für 2017 vor“, betont sie.

Hilfe für Arbeitgeber und angehende Azubis

Die Arbeitsagentur unterstützt Unternehmen mit ausbildungsbegleitenden Hilfen der „Assistierten Ausbildung“ oder Einstiegsqualifizierungen. Ziel ist es unter anderem, schwächere Bewerber zu integrieren und Stellen dennoch adäquat zu besetzen.

Der Arbeitgeber-Service ist unter der Hotline 0800/4555520 erreichbar.

Nächste Ausbildungsmesse im September: Um jungen Menschen die Berufsvielfalt in der Region aufzuzeigen, veranstaltet die Agentur für Arbeit zweimal jährlich eine Messe in Ostholstein; im Frühjahr in Eutin und im Herbst in Oldenburg. Nächster Termin ist der 29. September an der Beruflichen Schule in Oldenburg, Kremsdorfer Weg 31.

Azubis aus Neustadt in Europa im Einsatz

Die Förderung der Europakompetenz ist ein Ziel der Beruflichen Schule in Oldenburg. Einige Auszubildende erhielten über das EU-Programm „Erasmus Plus“ die Möglichkeit, einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland zu absolvieren.

Dass Europa mehr ist als Brüssel und Brexit konnten nun die Auszubildenden zum Koch Lukas Jorczik (Landhausrestaurant Margaretenhof, Fehmarn) und André Grün (DRK Pflegeheim, Eutin) sowie die angehenden Restaurantfachleute Katharina Sachs (Schlossküche Eutin) und Sascha Boye (Seaside Grömitz) bei einem jeweils vierwöchigen Praktikum auf Malta und in Großbritannien erfahren. Sie arbeiteten dort in Restaurants und lebten in Gastfamilien. Die Erfahrung hat die Teilnehmer nachhaltig beeindruckt. Lukas Jorczik wird im Anschluss an seine Ausbildung eine Stelle in seinem Praktikumsbetrieb auf Malta antreten und auch die anderen können sich vorstellen, ihre Karriere im Ausland weiterzuentwickeln.

 Sebastian Rosenkötter

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