Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein „Ich bin ein emotionaler Ermöglicher“
Lokales Ostholstein „Ich bin ein emotionaler Ermöglicher“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:05 08.01.2013
Justus Frantz am Flügel, so soll es am kommenden Sonntag auch in Schloss Weissenhaus in der Reetscheune sein. Quelle: hfr

Lübecker Nachrichten: Liegen Sie Weihnachten müde unter dem geschmückten Tannenbaum?

Justus Frantz (68): Nein, warum fragen Sie?

LN: Weil Sie vor dem Fest täglich Konzerte geben, ob in Peking, Moskau, Berlin oder am 23. Dezember in Schloss Weissenhaus.

Frantz: Nein. Erstens verbringe ich Weihnachten mit der Familie auf Gran Canaria, da gibt es keine Tannenbäume, sondern wahrscheinlich eine Pinie. Und zweitens ist das Musizieren für mich eine Art ganzheitliche Meditation.

LN: Sie spielen sich den Stress also mit Freude von der Seele?

Frantz: Ja, die Freude kann den Stress vertreiben.

LN: In Schloss Weissenhaus sagt Investor Jan Henric Buettner, die Scheune in Weissenhaus sei nichts für Feiglinge. Daher müssten Sie ja sehr tapfer sein. Es ist ihr zweites Konzert dort.

Frantz: Ich weiß nicht, wie er das gemeint hat. Ich komme jedenfalls sehr gern, das ist so etwas wie Heimat. Ich kenne Weissenhaus ja seit 60 Jahren. Damals fuhren wir mit Pferdewagen zum Strand. Heute ist es eine touristische Attraktion.

LN: Sie schwärmten bei der Premiere im Sommer von der hervorragenden Akustik in der Reetscheune. Was hören wir dieses Mal?

Frantz: Weihnachtliches natürlich. Dazu viel Mozart, Sonaten. Der Abend soll die Besucher auf das Fest einstimmen.

LN: Was glauben Sie, kann sich kulturell aus Schloss Weissenhaus entwickeln?

Frantz: Entweder was ganz Eigenständiges oder aber etwas Gemeinsames innerhalb des Schleswig- Holstein Musik-Festivals oder aber mit Gut Hasselburg. Wichtig ist nur: Bitte auf hohem Niveau, denn sonst wird es scheitern.

LN: Was würden Sie dort unternehmen, wenn Sie freie Wahl hätten?

Frantz: Ich würde dort die größten Ensembles hinholen, große russische Opern inszenieren, wie sie die Welt noch nicht gehört hat. Oder acht Jahre Mozart spielen und dafür in der ganzen Welt werben. Das Publikum würde kommen, nicht nur aus Flensburg und Hamburg, aus Tokio und New York.

LN: Wie beurteilen Sie die Kultur in Ostholstein?

Frantz: Es sollte das Herz des Schleswig-Holstein Musik-Festivals sein. Das war es am Anfang auch. Doch wir schafften es nie, auf die Insel Fehmarn zu kommen, was ich sehr bedaure. Auch haben wir Oldenburg außer Acht gelassen, was ein Versäumnis ist.

LN: Was braucht es?

Frantz: Einen Menschen wie mich, der die Gegend liebt, jemanden mit einem Netzwerk, der die Künstler holt und das Geld beschafft.

LN: Ähnlich wie Buettner in Schloss Weissenhaus?

Frantz: Genau. Wir müssen es schaffen, unsere musikalische Identität in Deutschland nicht zu verlieren. Die Perspektive ist insgesamt katastrophal. Sehen Sie nur die Situation in Hamburg mit der Elbphilharmonie. Und der Staat kürzt weiter Fördermittel.

LN: Zurück zu Ihren Konzerten. Sie spielten in Moskau vor Dmitri Anatoljewitsch Medwedew und nun in Weissenhaus vor Otto-Normal-Bürgern.

Frantz: Für mich sind alle Menschen gleich. Ich bin ein Junge aus Tesdorf. Lensahn war in meiner Kindheit wie eine Großstadt. Und ich sage Ihnen was: Heutzutage ist das Interesse für Kultur in kleinen Orten oft größer als in einer Weltstadt. Musik funktioniert bei allen Menschen.

LN: Sie gelten als hervorragender Didaktiker in Sachen Klassik. Was möchten Sie den Menschen noch musikalisch erklären?

Frantz: Das ist mir zu sachlich. Ich sehe mich eher als emotionalen Ermöglicher, als einen Musiker, der den Zuhörern hilft, sich frei zu machen, sich aus dem Alltag zu lösen, um die Emotionen aus der Musik wie Freude, Trauer, Schmerzen, Tod miterleben zu können. Wenn im Publikum geweint oder gelacht wird, haben wir unser Ziel erreicht. Wir müssen in der Musik mehr leisten, als noch vor 20 Jahren.

Chopin in der Reetscheune

Das Konzert von Justus Frantz am kommenden Sonntag, 23. Dezember, beginnt um 17 Uhr in der Reetscheune von Schloss Weissenhaus. Einlass ist ab 16 Uhr.

Am vierten Advent will Frantz unter anderem Werke aus „Chopins Reise nach Mallorca“ spielen. Die Karten kosten ab 38 Euro. Sie sind erhältlich bei der Konzertkasse Haase, Telefon 08 00/233 33 30, oder unter

www.ticketmaster.de. Reservierungen sind außerdem möglich im Restaurant & Beachclub „Bootshaus“, Telefon 043 82/92 62 35 00, sowie im Internet unter www.weissenhaus.net.

Interview: Peter Mantik

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Manfred Breiter, Chef der FDP-Fraktion im Kreistag, geht davon aus, dass die 380-kV-Stromautobahnen von Göhl nach Lübeck und Kiel doch noch in den Netzentwicklungsplan Strom aufgenommen werden.

21.12.2012

Gespendet haben: Ellen Hinz (10 Euro), Klaus-Peter Ninnemann (50 Euro), Ilse Huckfeldt (100 Euro), Werner und Elke Burschberg (50 Euro), Manfred Book (20 Euro), Kerstin Lukas (25 Euro), Georg Rießen (50 Euro), Mike und Dörte Steffens (50 Euro), Rosemarie Duerkop (20 Euro), Lore Bernhard (30 Euro), Frank Weber (111 Euro), Angelika Kohrt (25 Euro), Dieter Langbehn (30 Euro), Inge Glaser (20 Euro), Hans-Otto und Annegret Richter (30 Euro), Elke Irmtraud Wiese (50 Euro), anonym (50 Euro), Klaus Hinrichsen (100 Euro), Willi Baum (50 Euro), Sonja Thiel (50 Euro), Bernd und Renate Österling (20 Euro), Peter und Susanne Holz (30 Euro), Heidemarie Schwegmann (25 Euro), Margot Arlt (50 Euro), Karl-Heinz Holtmann (50 Euro), anonym (50 Euro), Liane Meyer (30 Euro), Wolf- Dieter und Rosemarie Von Waaden (50 Euro), Heike Sach (25 Euro), Edith Quandt (80 Euro), Gisela Dirks (50 Euro), Annelie Stoll-Kemna (50 Euro), Heino Ehrich (25 Euro), Gundula Rüder (20 Euro), Hannelore Evers (20 Euro), Forjahn und Nettersheim (100 Euro), Gabriela Schuldt (50 Euro), Marlies und Christof Hinz (100 Euro), Ursula Benz (30 Euro), Roswitha Karin Westphal (20 Euro), Gerd Modrow (25 Euro), Helga Vocke (50 Euro), Maria Baum-Meine (100 Euro), Herwart Bansemer (50 Euro), Jana Zindler (10 Euro), Kristina Block (25 Euro).

21.12.2012

Das Blasorchester Lensahn hat auch in diesem Jahr wieder seine beliebten vorweihnachtlichen Konzerte gegeben. Neben den zwei Musikabenden in Lensahn gab es auch Auftritte in der Neustädter Stadtkirche und in der Nicolaikirche in Burg auf Fehmarn.

21.12.2012
Anzeige