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„Ich bin sehr krank, eine Stimme gab mir den Befehl“

Prozess um Mord in Kellenhusen „Ich bin sehr krank, eine Stimme gab mir den Befehl“

Am Donnerstag begann vor dem Landgericht Lübeck der Prozess, bei dem sich Mohamad B. (Name geändert), Flüchtling aus Syrien, verantworten muss. Ihm wird zur Last gelegt, am 13. Juli in Kellenhusen im Zustand der Schuldunfähigkeit seine Mutter erstochen zu haben.

Quelle: Peter Mantik

Lübeck . Es war eine Nacht, die Kellenhusen noch lange anhaften wird. Der 31-Jährige ist nach eigenen Worten der Überzeugung gewesen, seine Mutter habe ihm sein Herz gestohlen und dies nicht zurückgeben wollen. Deshalb habe er es sich wiederholen wollen.

Mohamad B. bestätigte die Tatvorwürfe und beschrieb, was sich in jener Nacht zwischen 23 und 2 Uhr in dem Haus in Kellenhusen abspielte. „Ich war sehr krank, eine Stimme gab mir den Befehl“, sagte B.. Er sei zu seiner Mutter gegangen, habe sie wachgerüttelt und aus dem Bett gerissen. „Ich habe mein Herz zurückhaben wollen“, sagte B.. Seine Mutter sei panisch geworden und hätte ihm im Streit ein Stück der Unterlippe wie auch der Zunge abgebissen. Von diesem Moment an sei er völlig weggetreten gewesen. Er habe zu einem Fleischermesser gegriffen und ihr mit etlichen Stichen ins Gesicht, in den Hals und in die linke Brusthälfte tödliche Verletzungen zugefügt. Als die Mutter reglos auf dem Boden lag, hätte er die Stimme wieder gehört, die ihn gelobt habe.

Während Mohamad B. all dies erzählte, wirkte er wie ein Schüler, der seiner Lehrerin gewissenhaft Antworten auf ihre Fragen geben will. Anschließend sei er aus dem Fenster aufs Dach gestiegen. Dort habe er laut Zeugenaussagen drei Stunden schreiend auf dem Schornstein verbracht, ehe er bewegt werden konnte, sich der Polizei zu stellen. Ein Beamter, der als Zeuge aussagte, erinnerte sich an die Szene. Hinter Mohamad B., so der Zeuge, sei in diesem Moment die Sonne aufgegangen – B. habe mit empor gehobenen Armen geschrien: „Ich bin Gott“.

Wie es zu seiner psychischen Erkrankung kam, ließ sich der Vorsitzende Richter Christian Singelmann von B. schildern. Er sei 1985 in Kuwait geboren worden. Dort habe sein Vater, ein Ingenieur, gearbeitet. Er sei währenddessen mit seinen fünf Geschwistern und der Mutter ab dem siebten Lebensjahr in Damaskus in Syrien aufgewachsen. Die Beziehung seiner Eltern sei über einen langen Zeitraum schwierig gewesen, besonders als der Vater keinen Job mehr hatte und zur Flasche griff. Der Alkohol habe zu häuslicher Gewalt gegen die Mutter geführt. Dennoch sei seine Kindheit sehr glücklich gewesen.

Erste Krankheitssymptome habe er an sich selbst mit 16 oder 17 Jahren festgestellt. „Ich war ein Einzelgänger, war nicht nett zu Menschen und schlug meine Schwestern.“ 2008 habe er in Aleppo eine junge Frau kennengelernt. Eine Verlobung sei geplant gewesen. „Dann aber gab es eine Bombenexplosion. Sie und vier meiner Freunde kamen dabei um. Sie lag vor mir auf der Straße.“ Sein Umfeld und besonders seine Mutter hätten ihn fortan immer krank genannt. Zweimal sei er in Jordanien deshalb in Behandlung gewesen. „Ich hörte Stimmen, dachte sogar, im Radio und Fernsehen wird über mich gesprochen.“ Teilweise hätte B. geglaubt, er sei ein Mädchen oder aber der Mittelpunkt der Welt.

Als Richter Christian Singelmann Mohamad B. fragte, was er jetzt vom Leben erwarte, antwortete der Syrer: „Ich habe große Hoffnung, durch die Behandlung in der Klinik von meiner Krankheit befreit zu werden.“ Er höre auch keine Stimmen mehr. „Die Seele meiner Mutter verbindet uns, das soll auch ein Geschenk für sie sein.“ Er sei unendlich traurig darüber, was er ihr angetan habe.
Sie habe ihr Leben inklusive der Eskapaden des Vaters immer ertragen und dabei nie ihre Liebe für die Familie verloren.

Als die Tatnacht mit Hilfe der Zeugen sowie Sachverständigen rekonstruiert wurde, verzog Mohamad B., dem der Dolmetscher jedes Wort übersetzte, aber keine Miene, wirkte äußerlich gelassen.
Fazit von Christian Singelmann: „Er war umfassend geständig.“

Nächster Prozesstag ist Dienstag, 24. Januar, um 10 Uhr.

Von Peter Mantik

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