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Ostholstein „Ich lebe nicht schlechter als früher“
Lokales Ostholstein „Ich lebe nicht schlechter als früher“
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14:26 12.11.2017
Aufgepasst, liebe Fans deutscher Daily-Soaps: Der Schauspieler Kay Böger kellnert im Café Wichtig. Quelle: Saskia Bücker
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Scharbeutz

Sich als Schauspieler im deutschen Fernsehen finanziell über Wasser zu halten, sei schwierig. „Viele meiner Kollegen von damals sind inzwischen hoch verschuldet“, sagt Böger. Er hingegen habe großes Glück mit seinem Kellnerjob in Scharbeutz. Seit über sechs Jahren arbeitet er im Café Wichtig. Und es komme immer mal wieder vor, dass ihn die Besucher als Serienstar wiedererkennen.

Aufgepasst, liebe Fans deutscher Daily-Soaps: Der Schauspieler Kay Böger kellnert im Café Wichtig. Bis 2003 spielte er den schwulen Arzt Tom Seifert in der ARD-Seifenoper „Verbotene Liebe“. Ein Abstieg? Keineswegs, sagt der heute 46-Jährige. „Das ist wie ein Sechser im Lotto.“

Böger gibt sich zufrieden. „Hier habe ich alles: einen coolen Job, bekannt bin ich immer noch und ich bin schnell in Hamburg.“ Er lebt in Timmendorfer Strand, geht im Sommer viel segeln, düst mit einem Freund auf dem Motorboot übers Wasser. „Im Winter mummel ich mich dann ein, mache Strandspaziergänge, esse Erbsensuppe.“ Böger genieße auch weiterhin sein Single-Leben: „Da muss ich auf niemanden Rücksicht nehmen.“

Schauspieler sei er aber immer noch, auch wenn die Auftragslage derzeit schwierig ist. „Wenn man es einmal studiert hat, bleibt man es ein Leben lang“, sagt Böger. Er kritisiert die Entwicklung der deutschen Serienlandschaft. Formate wie beispielsweise die Reality-Serie „Berlin bei Tag und Nacht“ erinnerten an „Hartz-IV-Fernsehen“. Es gebe kaum neue Rollen für Schauspieler, weil Laien ins Fernsehen geholt werden. „Wir Schauspieler gucken dann dumm aus der Wäsche“, so Böger. Zuletzt sah man ihn bei TV-Formaten wie „Das perfekte Promi-Dinner“, „Schicksale in Gefahr“ und der Reality-Spielshow „Solitary“.

Böger wuchs in Hamburg-Eppendorf auf. In den 1990ern studierte er dort Schauspiel. Schon da haben ihm seine Lehrer gesagt, dass er eher der „Typ Soap“ sei. „Dann ging alles Schlag auf Schlag“, erzählt der 46-Jährige. Mit 23 Jahren hatte er seine erste Rolle in der TV-Serie „Alle zusammen – jeder für sich.“ 1998 wechselte er zur Daily Soap „Unter Uns“ bei RTL. Da er beim Publikum gut ankam, bekam er ein Jahr später eine größere Rolle bei der ARD-Serie „Verbotene Liebe“. Als homosexueller Arzt Tom Seifert spielte er sich in die Herzen der Zuschauer. 2003 dann kam der Ausstieg. „Ich habe aufgehört, weil meine Rolle auserzählt war.“ Dann kam lange nichts. Kay Böger wartete vergeblich auf einen Anruf seines Agenten.

Theater-Engagement ist willkommen

Seine Mutter fand das albern und brachte ihn auf die Idee, sich im Café Wichtig zu bewerben. Das kannte Böger noch aus Kindertagen, weil seine Eltern hier häufig Urlaub gemacht haben. „Mein Chef dachte damals: Der bleibt bestimmt nicht lange.“ Doch Böger blieb. „Es hat mich überrascht. Ich lebe nicht schlechter als früher.“

Fehlt Kay Böger der Glamour von damals? „Die Signierstunden habe ich am Anfang sehr genossen, aber irgendwann wurde es anstrengend.“ Aber er vermisse die Einladungen zu Kino-Premieren. In Zukunft stünde er gerne auf einer Theaterbühne. „Früher ging nur der jugendliche Liebhaber“, sagt er, „aber mit dem Alter habe ich markantere Gesichtszüge bekommen.“

 Von Saskia Bücker

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