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„Ich stehe der Querung kritisch, aber konstruktiv gegenüber“

Eutin/Oldenburg „Ich stehe der Querung kritisch, aber konstruktiv gegenüber“

Die Direktkandidaten im Interview: Heute spricht der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens über die Hinterlandanbindung und Ostholsteins Weg auf die Gewinnerstraße.

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Ingo Gädechens (53) sitzt seit vier Jahren für die CDU im Bundestag. Dem Bau des Belttunnels stand er kritisch gegenüber, will ihn und die Hinterlandanbindung nun aber konstruktiv begleiten.

Quelle: Foto: Holger Marohn

Eutin. LN: Sie vertreten seit vier Jahren im Bundestag den Kreis Ostholstein. Was war das Wichtigste, das Sie in dieser Zeit für die Region erreicht haben?

Gädechens: Das Wichtigste war sicherlich, dass ich die Diskussion um die Hinterlandanbindung versachlichen konnte und nicht nur den Minister, sondern auch die Arbeitsebene im Ministerium für die besonderen Problemlagen in Ostholstein sensibilisieren konnte. Das ist nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages einfach zu kurz gekommen. Bei einem Treffen mit dem Landrat und allen Bürgermeistern aus den betroffenen Kommunen in Berlin ist auch die Idee entstanden, dass jetzt von allen Seiten gelobte Raumordnungsverfahren einzuleiten.

LN: Sie beteiligen sich aktiv an der Gestaltung der Schienenanbindung zur Beltquerung. Auf der anderen Seite leben Sie auf Fehmarn, wo es starken Widerstand gegen die Querung gibt.

Sind Sie schon persönlich angefeindet worden?

Gädechens: Nein. Viele Menschen wissen, dass ich immer eine kritische, aber konstruktive Haltung gegenüber der Beltquerung eingenommen habe. Als Abgeordneter stand ich vor der Entscheidung, bekämpfe ich die Beltquerung oder akzeptiere ich den Staatsvertrag — und ich gehe davon aus, dass Deutschland den Vertrag erfüllen wird. Ich habe meine Arbeit dahingehend ausgerichtet, Risiken zu minimieren, aber gleichzeitig auch Chancen zu erkennen. Wir alle wissen, dass eine erfolgreiche Entwicklung hart erarbeitet werden muss. Gleichzeitig ist es enorm wichtig, die negativen Auswirkungen in Berlin zur Sprache zu bringen.

LN: Eine feste Querung hat Fehmarn ja bereits. Was wäre die Insel eigentlich, wenn vor 50 Jahren der Kleiderbügel nicht gebaut worden wäre?

Gädechens: Das kann man sich nur schwer vorstellen. Aber die positive Entwicklung, die Fehmarn genommen hat, wäre ohne Brücke sicherlich nicht möglich gewesen. Die Sundbrücke ist nicht nur eine architektonische Meisterleistung, sondern auch ein Segen für die Insel.

LN: Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste bundespolitische Thema, das den Kreis betrifft?

Gädechens: Das wichtigste Thema ist die bereits erwähnte Hinterlandanbindung der Beltquerung. Dazu habe ich einen Antrag gestellt, damit Ostholstein eine Modellregion wird, um dieses Großprojekt vernünftig umzusetzen. Ich möchte bewirken, dass nicht nur die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden, sondern auch Schutzmaßnahmen mit der modernsten Technik Anwendung finden.

LN: Gibt es weitere wichtige Themen?

Gädechens: Ja, Ostholstein steht als ländliche Region mit Blick auf den demografischen Wandel vor enormen Herausforderungen. Hier haben wir in den vergangenen vier Jahren ein Konzept entwickelt, wie man möglichst gleiche Lebensverhältnisse im ländlichen Raum und in den Städten erhalten kann. Neben Nahverkehr und schulischer Versorgung geht es auch um so wichtige Themen wie Internet oder die ärztliche Versorgung. Wenn ich mir die Altersstruktur unserer Landärzte ansehe, dann wird uns da etwas wegbrechen. Ein weiteres Thema ist der Tourismus. Wir konnten mittels der EU-Fördergelder nicht nur wichtige touristische Projekte finanzieren, sondern haben auch beim Hochwasserschutz etwas erreicht. Ich kämpfe derzeit dafür, dass auch in der Förderperiode 2014/20 EU-Geld nach Ostholstein fließen kann.

LN: Bürger und Kommunalpolitiker beklagen sich häufig, dass „die da oben in Berlin“, gar nicht mehr wissen, was vor Ort geschieht. Was tun Sie dagegen?

Gädechens: Ich war über 20 Jahre Kommunalpolitiker und kenne natürlich diese Argumentation: „Die da oben bestellen die Musik und die Kommunen müssen bezahlen.“ Ich kenne die Probleme der Kommunen und würde einigen Bundestagskollegen wünschen, dass sie auch meine kommunalpolitische Erfahrungen hätten sammeln können. Deshalb bin ich der CDU-Arbeitsgruppe „Kommunalpolitik“

mit dem Ziel beigetreten, die Kommunen auch tatsächlich finanziell zu entlasten. Mit der vollständigen Übernahme der Grundsicherung durch den Bund haben wir die größte finanzielle Entlastung erreicht. Entsetzt bin ich darüber, dass die SPD-geführte Landesregierung durch einen neuen Finanzausgleich diese Gelder dem ländlichen Raum zu Gunsten der kreisfreien Städte wegnehmen will. Die größeren Städte haben oftmals hausgemachte Probleme, aber die Kreise stehen aufgrund des demografischen Wandels vor sehr viel größeren Herausforderungen und benötigen das Geld viel dringender.

LN: Der Kreis Ostholstein gehört zu den strukturschwächsten im Land, vielleicht sogar der Republik. Was können Sie in Berlin tun, damit das besser wird?

Gädechens: Die Strukturschwäche liegt auch darin begründet, dass wir mit unserem Tourismus zu einseitig aufgestellt sind. Bundespolitik kann an dieser Stelle flankierend helfen. Die Ideen müssen aber von den Unternehmern aus der Region kommen, und da gibt es eine ganze Reihe guter Beispiele. Viele Gemeinden und die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (EGOH) bereiten sich mit der Ausweisung interkommunaler Gewerbegebiete an der Achse A1 auf die kommende Entwicklung vor. Unternehmen siedeln sich aber nicht von alleine an. Man muss die Region auch aktiv bewerben. Wir haben hier eine strategisch gute Position, wir haben günstig gelegene Gewerbegebiete und wir haben eine hohe Wohn- und Lebensqualität. Es lohnt sich also nicht nur eine Firma zu gründen, sondern auch hier zu leben. Wenn man das geschickt vermarktet, kann Ostholstein schnell von seiner Strukturschwäche auf die Gewinnerstraße wechseln.

LN: Sie gelten als nicht über die Landesliste abgesichert. Wie groß ist da der Druck, das Direktmandat gewinnen zu müssen?

Gädechens: Der Druck ist schon enorm. Wenn man so wie ich vor vier Jahren als „Neuling“ in den Bundestag gewählt wurde, dann prasseln so viele Dinge auf einen ein, die man zunächst einmal verarbeiten muss. Es waren keine Lehrjahre, aber man benötigt schon eine gewisse Zeit, um den Apparat Bundestag zu begreifen. Diese Lernphase würde im Falle meiner Wiederwahl wegfallen und ich könnte sofort meine Arbeit fortsetzen, um die vielen angeschobenen Dinge weiter zu verfolgen.

LN: Sie sitzen im Verteidigungsausschuss. Ein aktuelles Thema ist der Syrien-Konflikt. Eine Mehrheit der Deutschen hatte nach dem Giftgaseinsatz in Umfragen ein militärisches Eingreifen gefordert, aber eine Mehrheit gleichzeitig eine deutsche Beteiligung abgelehnt. Ist das ein deutsches Problem?

Gädechens: Wenn es um kriegerische Handlungen geht, haben wir nicht nur gegenüber unseren Bündnispartnern eine Pflicht, sondern tragen auch immer eine historische Verantwortung. Und da finde ich es richtig, wenn wir uns wie auch im Fall Libyen zunächst einmal zurückhalten, um uns ein genaueres Bild über die Lage zu verschaffen. Wenn das syrische Volk schon einem Chemiewaffenangriff ausgesetzt war, macht es da wirklich Sinn, wenn man mit Vergeltungsanschlägen diesem Volk noch Bomben auf den Kopf wirft? Ich denke nein. Hier ist einmal mehr gute Diplomatie gefragt

LN: Ein Wunsch zum Abschluss?

Gädechens: Ich würde mir sehr wünschen, dass diese Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter regieren kann. Bei den vielen Herausforderungen, vor denen wir stehen, hoffe ich natürlich sehr, dass ich auch in den kommenden Jahren als CDU-Abgeordneter als starke Stimme für die Menschen aus Ostholstein und Stormarn Nord in Berlin arbeiten darf.

Interview: Holger Marohn



Kandidaten für den Bundestag

Ingo Gädechens — seit über 20 Jahren in der Politik
CDU-Kandidat Ingo Gädechens (53) hat mehr als 20 Jahre politische Erfahrung auf fast allen politischen Ebenen. Auf Fehmarn war er CDU-Fraktionsvorsitzender, im Kreistag bis zum Mai stellvertretender Fraktionschef.


Bei der vergangenen Wahl gewann er den Wahlkreis mit 38,5 Prozent der Erststimmen direkt gegen Bettina Hagedorn (SPD). Er zog damit erstmals in den Bundestag ein. Um auch künftig dort zu sitzen, muss er den Erfolg von 2009 wohl wiederholen. Mit Platz sieben gilt er als nicht über die Landesliste abgesichert.

LN

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