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„Ich will Ostholsteins erster liberaler Abgeordneter werden“

Ostholstein „Ich will Ostholsteins erster liberaler Abgeordneter werden“

Die Direktkandidaten für den Bundestag im Interview: Heute spricht Bernd Buchholz (FDP) über Infrastruktur, Tourismus und die Gesundheitswirtschaft in der Region.

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FDP-Kandidat Buchholz: „Ich nehme das schon sehr ernst, dass das hier oben mein Wahlkreis ist.“

Quelle: Foto: Holger Marohn

Ostholstein. Lübecker Nachrichten: Herr Buchholz, haben Sie Ihren Wahlkreis inzwischen kennengelernt?

Dr. Bernd Buchholz: Was heißt kennengelernt. Man kann noch sehr viel mehr kennenlernen. Aber ich habe viel kennengelernt und war nicht nur einmal in Heiligenhafen, Oldenburg, auf Fehmarn, in der Holsteinischen Schweiz oder an der Küste. Ich habe dabei viele Menschen, aber auch viele Unternehmen kennengelernt, viele Einrichtungen gesehen und auch mit dem Tourismusverband gesprochen. Ich glaube, ich habe einen guten Eindruck von dem, was hier so los ist.

LN: Was sind denn aus Ihrer Sicht die drei Themen, die bundespolitisch den Kreis besonders betreffen?

Buchholz: Die Themen heißen für mich Infrastruktur, Tourismus und Gesundheitswirtschaft.

LN: Und was kann die Politik da tun?

Buchholz: Bei der Infrastruktur stehen wir vor der Frage, koppeln wir uns von dem Rest der Republik ab oder nehmen wir Chancen wahr. Die feste Fehmarnbeltquerung schafft für die Menschen hier eine riesengroße Chance. Natürlich muss man die Hinterlandanbindung umweltverträglich und nach den neuesten Bedingungen des Lärmschutzes schaffen. Eine zweigleisige Streckenführung durch die Bäderorte wäre eine Katastrophe. Die will auch keiner. Aber auf eine 2+1-Variante — und die mag ein wenig teurer sein — wird sich auch die Bahn einlassen. Denn der Auftraggeber ist der Bund. Die Beltquerung schafft damit viele Ansiedlungsmöglichkeiten für Unternehmen. Das ist eine Chance für neue Arbeitsplätze, für Wachstum und mehr Wohlstand in der Region. Wir sind ein strukturschwacher Kreis und wir müssen dafür sorgen, dass junge Leute hier eine Chance haben und nicht nach dem Abitur einfach gen Süden weggehen müssen.

LN: Das war erst ein Stichwort ...

Buchholz: Ich könnte jetzt auch noch die A20 nennen, aber auch das Thema Datenautobahn ist bei der Infrastruktur genauso wichtig. Für mich, der in Hamburg so direkt auf dem Internetverteiler gesessen hat, war es schon eine erstaunliche Erkenntnis, wie groß das Problem hier noch ist. Kein ordentliches Unternehmen kann heute mehr existieren, ohne auch schnell ans Internet angebunden zu sein.

LN: Für viele Telekommunikationsunternehmen lohnen sich derartige Investitionen auf dem Lande angeblich nicht. Wie viel Liberalismus verträgt denn der ländliche Raum?

Buchholz: Der verträgt schon eine Menge Liberalismus. Natürlich ist es immer die Frage für ein Unternehmen, ob es sich rechnet. Aber auf der anderen Seite muss man dann auch von der regionalen, der kommunalen, aber auch von der Landesseite sich fragen, gehört heute eine vernünftige Infrastruktur in diesen Bereichen nicht auch zur Daseinsvorsorge. Wenn man heute ein Gewerbegebiet erschließt, reicht es eben nicht mehr, nur die Regenwasserabflüsse zu bauen.

LN: Ihr Slogan lautet „Wohlstand kommt nicht. Wohlstand schafft man.“ Wie kann denn in einer einkommensschwachen Region wie Ostholstein Wohlstand geschaffen werden?

Buchholz: Wenn all die Dinge, die tatsächlich in der Lage wären, neue Beschäftigung und damit mehr Wohlstand zu schaffen, von einigen permanent abgelehnt werden, müssen wir uns nicht wundern, wenn hier nichts stattfindet. Der Staat schafft keinen Wohlstand. Kleine, mittlere und große Unternehmen mit ihren Mitarbeitern schaffen Wohlstand. Es bedarf einer zukunftsfähigen Ansiedlungspolitik, um vielleicht einen Technologieführer in diese sensationell schöne Region zu holen. Auch Unternehmen aus den Bereichen Internet oder Gesundheitswirtschaft wären denkbar. Aber all diese Unternehmen brauchen eine vernünftige Infrastruktur. Wer die Beltquerung ablehnt, eigentlich keine Gewerbegebiete ausweisen will und sogar Baugebiete ablehnt, ist verantwortlich dafür, dass hier keine Unternehmensansiedlungen stattfinden. Rund um die Metropolregion Hamburg ist zu sehen was es ausmacht, wenn man gute Verkehrswege hat und an den Autobahnausfahrten nicht nur Verbraucherzentren ansiedelt, sondern auch produzierendes Gewerbe. Wer sich dagegenstemmt, muss aufpassen, dass er nicht immer gegen das ist, was am Ende Wohlstand schafft.

LN: Ein Bereich, der in den vergangenen Jahren für Wachstum im Kreis gesorgt hat, ist die Windkraft. Aber da ist jede Menge Sand im Getriebe.

Buchholz: Bei der Energiewende ist Sand im Getriebe, weil mit dem Energieeinspeisegesetz Planwirtschaft statt Marktwirtschaft stattfindet. Es setzen sich nicht die produktivsten und effizientesten Energieträger durch, sondern alle bekommen feste Einspeisevergütungen für 20 Jahre fix. Das muss ganz neu geregelt werden. Gerade in der Region hier oben in Ostholstein, wo man Windenergie nun einmal höchst effizient ernten kann, wäre es ein sensationeller Vorteil, wenn wir dieses gesamte System einmal auf marktwirtschaftliche Füße stellen würden. Das heißt, innerhalb der regenerativen Energien muss es wenigstens Konkurrenzkampf geben. Wer die notwendige Energiewende will, kann auch nicht bei einer notwendigen 380-kV-Trasse auf der Bremse stehen.

LN: War das früher anders, war das Anfang der 90er einfacher?

Buchholz: Ich kann nicht beurteilen, ob es früher einfacher war. Ich habe mich nur extrem erschrocken, dass Dinge, die zu der Zeit, als ich zwischen 1992 und 1996 im Landtag saß, diskutiert wurden, heute noch diskutiert werden. Das ist ein Zeichen dafür, dass hier von der Politik selbst Sand im Getriebe ist. Ein Beispiel ist die A 20. Damals haben wir über die westliche Elbquerung gesprochen. Ich komme nach 17 Jahren wieder und das einzige Stück, das gebaut ist, ist zwischen Lübeck und Bad Segeberg. Es gibt politische Akteure bei den Grünen, die sagen, mit ihnen werde es die westliche Querung bei Hamburg niemals geben. Da versündigt man sich an dem, was wirklich Wohlstand in der Region schaffen kann.

LN: Im Wahlkampf sind Sie sogar als kleiner Bruder von Wolfgang Kubicki bezeichnet worden. Nervt Sie das oder schmeichelt es Ihnen eher?

Buchholz: Nerven tut das nicht. Wolfgang Kubicki ist einer, bei dem der Slogan „Die Freiheit in Person“ wirklich Programm ist. Seine Unabhängigkeit, seine manchmal auch Frechheit, eine Geradeheraus-Art finden die Leute ja nicht nur interessant, sondern höchst sympathisch und für die Politik auch gut. Wenn man mich in sofern mit Kubicki vergleicht, dann finde ich das sehr schmeichelhaft.

LN: Sie wohnen in Ahrensburg. Wie oft werden die Wähler Sie nach der Wahl hier oben sehen?

Buchholz: Man wird mich genauso häufig sehen, wie in der Vergangenheit auch. Es ist zu erwarten, dass Bernd Buchholz über die Landesliste der FDP in den Bundestag einzieht. Dann werde ich mich natürlich im ganzen Land bewegen müssen. Aber ich nehme das schon sehr ernst, dass das hier oben mein Wahlkreis ist und dass man für die Region hier auch Besonderes tun kann und sollte.

Ostholstein hat noch nie in der Geschichte der Republik einen liberalen Bundestagsabgeordneten gehabt und das wollen wir jetzt ändern.

LN: Was wäre Ihnen noch wichtig?

Buchholz: Derzeit läuft die Diskussion, wie viele EU-Fördermittel im Tourismusbereich nach 2014 noch fließen werden. Wir müssen uns bemühen, dass an der Förderung festgehalten wird. Ein gutes Beispiel ist Scharbeutz. Dort ist erheblich Modernität eingezogen. Das ist kein verschlafender Tourismus der 60er Jahre mehr. Es kommen ganz viele Leute am Samstagabend aus Hamburg hier her, weil es hier einfach auch cool ist. So stelle ich mir Tourismus an der Ostsee vor, natürlich auch für Familien. Große Bedeutung hat auch die Gesundheitswirtschaft.

Diese Region ist doch prädestiniert dafür, Menschen zu ermöglichen, in Würde altern zu dürfen. Das bedeutet aber auch, dass wir Menschen brauchen, die in der medizinischen Versorgung, in der Pflege und in vielen anderen Bereichen tätig sind. Daher ist der Gesundheitsbereich eine tolle Chance für Ostholstein, an einer demografischen Entwicklung positiv zu partizipieren.

Interview: Holger Marohn

Bernd Buchholz ist Bundestagskandidat für die FDP im Wahlkreis Ostholstein. Da er auf Listenplatz zwei in Schleswig-Holstein steht, gilt es als sehr wahrscheinlich, dass er in den Bundestag einzieht, wenn die FDP nicht an der 5-Prozent-Hürde scheitert.

Der Manager war von 2009 bis 2012 Vorstandsvorsitzender des Verlages Gruner + Jahr, bei dem unter anderem der „Stern“ erscheint. Buchholz war jedoch auch schon politisch aktiv, von 1992 bis 1996 saß er für die FDP im schleswig-holsteinischen Landtag.

Manager kehrt zurück in die Politik


Kandidaten für den Bundestag

LN

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