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„Ich will mit einem Lächeln gehen“

Großenbrode „Ich will mit einem Lächeln gehen“

Eveline Skazel hat nur noch wenig Zeit zu leben und wollte noch einmal ans Meer — In Großenbrode gewährte die ehemalige Sterbebegleiterin den LN einen Einblick in ihre Auseinandersetzung mit dem Tod.

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Eveline Skazel hat angefangen, ein Tagebuch zu schreiben, in dem sie ihre Erfahrungen festhält.

Großenbrode. Über Jahre hat sie andere Menschen beim Sterben begleitet. Jetzt hat sie selbst den Tod vor Augen. Eveline Skazel will noch etwas mit den Menschen um sich herum teilen. Mit den LN sprach sie über ihre Wünsche, ihren Glauben, das Sterben und den Tod — vor dem sie keine Angst hat.

Thomas Klatt (49) über

das Tabu-Thema „Tod“

Die Diagnose — Lymphdrüsenkrebs — kam am 1. Oktober vergangenen Jahres. Vielleicht ein paar Monate, vielleicht nur Wochen, lautete die Prognose der Ärzte. „Diese Zeit will ich nutzen“, sagte sich Eveline Skazel, nachdem der erste Schock verdaut war. Ihre tiefe Liebe zum Meer gab der 54-Jährigen den Impuls, noch einmal an die Ostsee zu kommen, dorthin, wo sie früher ihren Urlaub verbracht hat.

Ein Pflegeplatz in der Großenbroder Seniorenresidenz — gleich hinter der Strandpromenade — und der Krankentransport von ihrer Heimatstadt Göppingen in das Ostseebad wurden kurzerhand organisiert.

Mit sich selbst, ihrem Mann und den ihr nahestehenden Menschen will sie klären, was es noch zu klären gibt. Mit sich ins Reine kommen — „Frühjahrsputz“ nennt sie es mit einem verschmitzten Augenzwinkern und hofft, „dass ich die richtigen Reinigungsmittel und Putzlappen dafür zur Hand habe“. Frei will sie sein, wenn sie geht. „Und ich will mit einem Lächeln gehen“, fügt sie mit einem entwaffnenden Strahlen in ihren Augen hinzu. Eine Lebensfreude und Lebendigkeit, über die vielleicht manch gesunder Mensch nur staunen kann.

Von ihren Erfahrungen als Sterbebegleiterin profitiere sie jetzt. Doch die einzelnen Stadien — von der Verleugnung, über Wut und Trauer bis hin zur Akzeptanz — müsse auch sie durchlaufen. „Ich weiß aber aufgrund meiner Erfahrung, dass es in Ordnung ist, wenn ich traurig oder wütend bin.“

Da ist keine Beklommenheit, keine Verzagtheit, wenn sie über den Tod spricht. Das Sprechen kostet sie sichtlich Kraft, doch ihre Stimme klingt fest und ausgeglichen. Ohnehin ist es für sie nicht die erste Auseinandersetzung mit dem Tod. Aufgrund einer Vorerkrankung habe ihr Leben schon einige Male auf Messers Schneide gestanden, berichtet sie. Einmal habe sie sogar eine Nahtod-Erfahrung gemacht, sei aus ihrem Körper gegangen und habe sich selbst dort liegen gesehen.

Der Tod macht ihre keine Angst. Gespannt und neugierig sei sie auf das, was sie erwarte. Sorgen macht ihr noch ein bisschen das „Wie“. „Bei meiner Krankheit kann es auch ein Erstickungstod sein.

Davor habe ich schon ein bisschen Angst“, gesteht sie.

Dafür, dass diese Angst nicht unausgesprochen bleibt, ist Birgitt Rathke an ihrer Seite. „Die Chemie zwischen uns hat sofort gestimmt. Es war so, als würden wir uns schon ewig kennen“, sagt die Sterbebegleiterin des Vereins „Dasein e.V.“ und tauscht einen liebevollen Blick mit Eveline Skazel. Dies sei Voraussetzung, „sonst nützt die beste Sterbebegleitung nichts“.

Über die Unterstützung von Birgitt Rathke, aber auch vom Pflegepersonal, den Palliativ-Ärzten, von Menschen, die sie hier kennengelernt hat, ist sie schier baff: „Ich habe damit gerechnet, dass diese Menschen hier ihren Job machen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie es mit einem derartigen Engagement tun. So viele schöne Menschen.“

Überwältigt habe sie auch der Zuspruch von Mitgliedern der Facebook-Gruppe „Non-Hodgkin- Lymphom“, einer Seite, auf der Personen mit einer bösartigen Erkrankung des Lymphatischen Systems ihre Erfahrungen austauschen. „Diese Menschen dort sind alle selber schwer krank und ich bekomme trotzdem so viel Zuspruch, Anteilnahme und Ermutigung.“

Der Glaube hat in Eveline Skazels Leben immer eine wichtige Rolle gespielt. Jetzt tritt er noch stärker in den Vordergrund. „Ich glaube sehr an Gott, aber ich glaube nicht so sehr an das Bodenpersonal“, gesteht die Katholikin mit einem Lächeln. Für sie ist Kirche überall.

Humor und Tod — für Eveline Skazel sind das keine Gegensätze. Die Sterbende und ihre Begleiterin sind beileibe kein Kind von Traurigkeit. Eine Schraube an der Halterung, die sie vor einem Herausfallen aus ihrem Bett schützt, hat sich gelöst. „Mein sechster Ausbruchversuch“, sagt Eveline Skazel mit einem schelmischen Grinsen. Und man nimmt es ihr sofort ab, wenn sie sagt: „Ich lache gerne.“

Der Tod hat für sie seinen Schrecken verloren. In ihrer Zeit als Sterbebegleiterin hat es sie oftmals erschüttert, wie Angehörige das Unabwendbare bis zum Schluss leugnen wollten. „Der Tod gehört jetzt zu meinem Leben dazu“, sagt sie mit Nachruck.

Zu geben hat Eveline Skazel auch unmittelbar vor ihrem Tod noch viel. Das Geben sei wichtig im Leben und sie wolle so viel wie möglich davon noch mit anderen teilen. Das Geben beinhalte immer auch ein Nehmen. „Irgendwann kommt es ins Fließen“, hat das Leben sie gelehrt. Man ahnt es: Der Tod kann dieser Frau nichts nehmen.

Plädoyer für einen würdevollen Tod

Eveline Skazel hat noch eine Botschaft — sie ist eher nonverbal. In Gegenwart dieser Frau verlieren Tod und Sterben jede Bedrohlichkeit. So kann man sterben, wenn man das Leben „richtig“ gelebt hat, geht einem durch den Kopf, wenn man sie erzählen hört.

Was veranlasst eine Sterbende, am Ende ihres Lebens Journalisten Einblicke in ihre Auseinandersetzung mit dem Tod zu geben. Sie will mit anderen Menschen ihre Erfahrungen teilen, den Tod aus der dunklen Ecke des Verdrängens und der Anonymisierung herausholen. Unsere Angst vor dem Tod — sie schafft es immer noch, das Sterben zu tabuisieren.

Hospizvereine und Sterbebegleiter leisten in dieser Hinsicht unschätzbar wertvolle Aufklärungsarbeit. Allzu oft wird die Verantwortung für Sterbende noch an Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen abgegeben. Eveline Skazel lebt es einem vor: Man sollte sich rechtzeitig mit dem Tod auseinandersetzen — bevor es zu spät ist.

Thomas Klatt

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