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Ostholstein Idylle in Gefahr: Aufstand in Altenteil gegen mehr Windkraft
Lokales Ostholstein Idylle in Gefahr: Aufstand in Altenteil gegen mehr Windkraft
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18:16 25.06.2016
Im Fokus: Hans-P. Thomsen (v.l., WUW), Werner Ehlers (CDU), Andreas Hansen (FWV), Jörg Weber (SPD), Bauamtsleiter Marcel Quattek.

Kaffeenachmittag draußen vorm Wohnhaus, direkt unter den Bäumen. Mit freiem Blick aufs Grüne und einige weit entfernte Windmühlen im Inselwesten. Bei manchen schwächelt die Handy-Verbindung. Idylle in Altenteil auf Fehmarn. Doch schon seit Monaten gibt es hier helle Aufregung. Die Bewohner der „Splittersiedlung“ befürchten, dass künftige Windparks bis zu 400 Meter an ihre Häuser heranrücken. Unterstützung erfährt ihr energischer Widerstand aus den Nachbardörfern.

Initiative „Windstill“ diskutiert mit Bürgermeister und Inselpolitikern – Stadtvertretung: Neun der 23 Stadtvertreter müssen wegen Befangenheit vermutlich den Saal verlassen.

Inzwischen hat der Bau- und Umweltausschuss Fehmarn neue Abstandsregelungen beschlossen. Danach bliebe auch vor Altenteil ein Mindestabstand von 1000 Meter gewahrt – wenn die Stadtvertretung nächste Woche zustimmt. Weil – so Bürgermeister Jörg Weber (SPD) – neun der 23 Stadtvertreter wegen Befangenheit den Saal wohl verlassen müssen, dürfte dieser Ausweg mehrheitsfähig sein. Die Frage ist nur:

Spielt da auch die Kieler Landesplanung mit?

Utta Mallach, Gastgeberin von der Bürgeriniative „Windstill“, kann daher noch längst nicht aufatmen. Natürlich – den jüngsten Beschluss wertet sie als „Teilerfolg“. Doch der Widerstand der Initiative hält an. Eine weitere Messlatte ist die Höhenbegrenzung auf 100 Meter. Mallach holt mächtig aus: „Die Hälfte der Bevölkerung macht nicht mehr mit. Utopische Gewinne gibt es nur für die Windmüller und Landbesitzer.“

Damit gibt es den ersten Konfliktpunkt. „Bisher hat Fehmarn ganz gut mit und von der Windkraft gelebt“, hält Bürgermeister Weber dagegen. „Zwei Millionen Euro Gewerbesteuer sind kein Pappenstiel“, nennt sein Stellvertreter Werner Ehlers (CDU) konkrete Zahlen.

Vertreter aller vier Fraktionen – nur die Grünen sind nicht dabei – verdeutlichen ihr Grundproblem: Das Land nimmt in dieser Frage den Kommunen die Planungshoheit. Gleichfalls schwer wiegt aber die politische Zoff quer durch die Reihen: So liegen die SPD auf Fehmarn und die Landes-CDU in der Abstandsfrage ziemlich nahe beieinander, an der CDU-Basis auf der Insel rumort es dagegen (LN berichteten). Hans-Peter Thomsen (WUW) rief den Auftritt des Kieler CDU-Fraktionschefs Daniel Günther in Bannesdorf in Erinnerung: „Ich habe mich gewundert, dass der bei der eigenen CDU heil rausgekommen ist.“

Doch das alles schürt bei den Widerständlern umso mehr den Aufstand. Gerald Adam Hahn begehrt auf: „Die Windräder sind Industrieanlagen, die der Profitmaximierung dienen.“ Er beschwört den Vorrang für Natur und Tourismus auf der Insel. Und nennt das Beispiel Vadersdorf: In der Aufnahme der Flüchtlingen sei man sich einig. Die Windkraft spalte jetzt das Dorf.

Klaus Langemeier nennt weitere Kritikpunkte: Schall, Schlagschatten und Infraschall gefährdeten die Gesundheit von Menschen. Betroffen seien der Tourismus oder die Immobilienpreise, die nahe von Windparks sinken. Langemeier: „Bezahlen müssen die anderen.“

Es fallen teilweise harsche Töne. Aber es gibt auch Zustimmung von Politikern, die wie Andreas Hansen (FWV) wiederholt detailliert nachfragen. „Hat Fehmarn das falsche Signal gesetzt?“ fragt Thomsen.

SPD-Fraktionssprecher Heinz Jürgen Fendt (SPD) macht der Initiative Mut: „Alles was vom Land beschlossen wird, wird beklagt. Bis dahin gilt die alte Regelung. Das kann noch ganz lange dauern.“ Die Politiker nehmen die Vorschläge der Initiative mit nach Hause.

So geht es weiter

Die Stadtvertretung Fehmarn tritt am Donnerstag, 30. Juni, bereits um 18 Uhr im „Senator-Thomsen-Haus“ in Burg zusammen. Die Tagesordnung umfasst 24 Punkte.

Unter Top 16 geht es um die Festsetzung von Vorranggebieten für Windkraft im Bereich der Stadt Fehmarn. Das Konzept und die Stellungnahme der Stadt zur Planung des Landes werden an diesem Abend verabschiedet.

Gerd-J. Schwennsen

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