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Ostholstein Illegaler Dauerwohnsitz im Ferienhaus
Lokales Ostholstein Illegaler Dauerwohnsitz im Ferienhaus
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01:09 20.03.2016
Das Schreiben des Kreises besagt, dass dauerhaftes Wohnen im Ferienhausgebiet „Furthkoppel“ verboten ist. Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter, Peyronnet, Lothert*
Bliesdorf

Umrahmt von Ostseestrand, Feldern und Campingplätzen liegt das Wochenendhausgebiet „Furthkoppel“ in der Gemeinde Schashagen unweit von Neustadt. 129 Wohneinheiten gibt es hier im Ortsteil Bliesdorf Strand. 29 von ihnen haben in den vergangenen Wochen ein Schreiben vom Kreis erhalten, in dem sie aufgefordert werden „die ungenehmigte Nutzung“ als Dauerwohnsitz innerhalb von zwei Monaten einzustellen. Wenn nicht, wird ein Zwangsgeld von 1000 Euro angedroht.

In Bliesdorf haben 29 Bürger ihre Ferienhäuser als Erstwohnsitz angemeldet — Kreis droht mit Zwangsgeld — Betroffene fühlen sich schlecht informiert — Problematisch sind auch Vermietungen und Anbauten.

Die Verunsicherung ist groß. In der jüngsten Gemeindevertretersitzung meldeten sich einige der Betroffenen zu Wort. Sie empörten sich, dass sie ihren Erstwohnsitz vor Jahren offiziell angemeldet hätten und sie nie jemand seitens der Gemeinde oder des Amtes Ostholstein-Mitte auf ihr illegales Handeln hingewiesen hätte.

Dass die Situationen in dem Gebiet eskaliert ist, führt Bürgermeister Rainer Holtz (CDU) auf einige wenige Bewohner zurück. Die hätten sich massiv darüber beschwert, dass einige der Häuser vermietet würden — das ist ebenfalls verboten — und Hunde der Urlauber überall ihre Haufen hinterließen. „Wir haben daraufhin den Kreis gebeten, die baurechtliche Legalität zu überprüfen. Das ist nicht unsere Aufgabe“, so Burkard Busch, Leitender Verwaltungsbeamter. Anschließend verschickte der Kreis im Frühjahr 2015 einen Anhörungsbogen an alle 129 Wohneinheiten.

Das Vorgehen bestätigt Kreisbaudirektor Bernd Straßburger. Außer diesen Schreiben gab es Ortstermine. Dabei sei deutlich geworden, dass viele der Bungalows und Einfamilienhäuser wohl dauerhaft bewohnt werden. „Wir haben auch größere Anbauten aufgedeckt. Wenn die nicht genehmigt wurden, ist eine Rückbauaufforderung möglich“, betont Straßburger. Schließlich sei lediglich eine bebaute Fläche von 80 Quadratmeter zulässig. Anfang 2016 folgte das eingangs geschilderte Schreiben.

Manche der Empfänger haben laut LN-Informationen bereits einen Anwalt eingeschaltet. So weit ist Marianne Tölle noch nicht. Sie hat lediglich einen Widerspruch beim Kreis eingelegt und setzt auf klärende Gespräche mit der Gemeinde, macht aber zugleich deutlich, dass sie in der „Furthkoppel“ wohnen bleiben möchte. Bereits 2005 habe sie ihren Erstwohnsitz angemeldet. Im Jahr darauf wurde ihr ein Bauantrag genehmigt. Ein Einfamilienhaus entstand. „Die meisten der 29 Angeschriebenen wohnen seit Jahrzehnten hier. Darunter sind viele Ältere, die teilweise erkrankt sind und gar nicht innerhalb von zwei Monaten umziehen könnten“, berichtet sie. Hinzu komme, dass dies nicht für jeden finanziell möglich sei.

Marianne Tölle versteht nicht, warum sich nie jemand an dauerhaftem Wohnen gestört habe. Auch versteht sie nicht, weshalb zuletzt noch zwei Doppelhaushälften gebaut werden durften. „Wieso erteilt die Gemeinde da eine Baugenehmigung. Wenn der Eigentümer ebenfalls hier wohnt, ist doch klar, dass er die Häuser nicht als Wochenendhaus benutzen wird.“ Schließlich werde er kaum ein paar Meter von seinem Zuhause entfernt Urlaub machen und Vermietung sei ja ebenfalls nicht erlaubt.

Bernd Straßburger hält es für vorstellbar, dass der Bereich in ein Ferien- und Wochenendhausgebiet umgewidmet wird. Die Vermietung wäre dann legal. Nur ist es keine Lösung für die Dauerbewohner. Eine andere Variante brachten Holtz und Busch ins Spiel: eine Umwidmung in ein allgemeines Wohngebiet. Dies könnte aber nur geprüft werden, wenn sich sämtliche Hausbesitzer, Eigentümer und Erbbauberechtigten mit Unterschrift zur Umwidmung einverstanden erklären. Wobei eine solche Umwidmung zahlreiche Konsequenzen nach sich ziehen dürfte.

Für Marianne Tölle sei das ein kaum umsetzbarer Ansatz. „Viele Häuser stehen leer und wir kommen nicht an die Adressen.“ Sie hofft, dass die Gemeinde alle anschreibt. Parallel kündigte Busch an, den Kreis Ostholstein über die Initiative zu informieren. Dies könnte die Vollstreckung des angedrohten Zwangsgeldes eventuell aufschieben.

Straßburger hingegen plant nach Ablauf der zwei Monate eine Baubesichtigung. Anschließend könne die Drohgebärde verdoppelt und verdreifacht werden.

Von Sebastian Rosenkötter und Gunter Lothert

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