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Im Heimatverband schwelt es: Schriftleiter ausgetauscht

Eutin Im Heimatverband schwelt es: Schriftleiter ausgetauscht

Vorstand beruft Klaus-Dieter Hahn ab. Klaus Langenfeld betreut jetzt das Jahrbuch.

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„Eine Verzögerung von einem halben Jahr ist nicht gut fürs Renommee.“ Frank Petzold, 1. Vorsitzender

Eutin. Der Heimatverband hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Heimatkunde vor allem im südlichen Ostholstein zu pflegen und das Interesse seiner Mitglieder auch auf das Ostholstein-Museum und andere Museen zu lenken. So steht es in den Statuten. Zurzeit ist die Aufmerksamkeit der Mitglieder und vor allem der Autoren des „Jahrbuchs für Heimatkunde Eutin“ allerdings auf Querelen innerhalb des Vereins selbst gelenkt.

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„Eine Verzögerung von einem halben Jahr ist nicht gut fürs Renommee.“ Frank Petzold, 1. Vorsitzender

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Dr. Klaus-Dieter Hahn, langjähriger 1. Vorsitzender und Schriftleiter des Jahrbuchs, teilte den Verfassern für dessen Beiträge vor wenigen Tagen in einer Rundmail mit, dass der Vorstand des Heimatverbandes ihn ab sofort von diesem Posten abberufen und einen Nachfolger bestimmt habe. Es habe nicht einmal jemand zuvor das Gespräch mit ihm gesucht, zeigt er sich gekränkt. Frank Petzold, seit Mai 1. Vorsitzender, widerspricht dieser Schilderung entschieden. Hahn habe noch das Jahrbuch 2012 herausbringen sollen, nach dessen Erscheinen habe der Vorstand entscheiden wollen, wer danach die Redaktion übernehmen solle. „Aber Herr Hahn hat einfach weitergemacht, beispielsweise Autoren verpflichtet, obwohl er kein Mandat hatte“, sagt Petzold.

Der 1. Vorsitzende ist auch verstimmt darüber, dass die Text-Sammlung, die Anfang des Jahres hätte erscheinen sollen, erst Ende Juli herausgekommen ist. „Eine Verzögerung von einem halben Jahr ist nicht gut fürs Renommee. Mitglieder haben nicht zu Unrecht moniert, dass sie ihren Jahresbeitrag bezahlt, aber noch keine Leistung erhalten haben.“

Die Autoren und auch er seien von Klaus-Dieter Hahn in Hinblick auf den Erscheinungstermin des Jahrbuchs immer wieder vertröstet worden. Wenn Hahn sich selbst parallel mehreren Aufgaben stelle — er wisse, so Petzold, dass dieser mit Enthusiasmus an einer eigenen Forschungsarbeit sitze — sei eine Ablösung als Schriftleiter ja auch eine Möglichkeit der Entlastung. Er müsse als Vorsitzender an den Verband denken, betont Petzold. Nach den wenigen Monaten im Amt habe er zudem den Eindruck, „dass es eine Vorgeschichte gibt, von der ich nichts weiß. Da stecken persönliche Dinge dahinter, bei denen einer dem anderen etwas geneidet hat“.

Klaus-Dieter Hahn nennt die Vorgänge um ihn herum „seltsam“. Er habe keine richtige Begründung für seine Abberufung genannt bekommen und sagt: „Ich bin sehr enttäuscht.“ Über Klaus Langenfeld als seinen Nachfolger als Schriftleiter des Jahrbuchs äußert er sich so: „Ich hätte abgeraten, ihn zu nehmen. Er war mal für drei Jahre Schriftleiter und hat den Posten Knall auf Fall abgelegt. Außerdem halte ich ihn nicht für geeignet.“

Die Entscheidung, Klaus Langenfeld die Aufgaben von Klaus-Dieter Hahn zu übertragen, wurde in einer Vorstandssitzung vom 1. Vorsitzenden Frank Petzold, dem 2. Vorsitzenden Harald Breede, Kassenwartin Monika Göbel und Schriftführer Klaus Langenfeld einstimmig getroffen. „Das ist mir völlig unverständlich, auch menschlich“, sagt Hahn. Er habe mit den drei Letztgenannten lange Jahre zusammengearbeitet.

„Es wird gute Gründe geben, wenn Menschen, die jahrzehntelang mit ihm im Vorstand waren, zu diesem Entschluss kommen“, erwidert Petzold. Zur Kritik Hahns an Langenfeld bemerkt er: „Fragen Sie mal einige Autoren, was sie von Dr. Hahns Schriftleitung gehalten haben.“ Vorsitz und Schriftleitung in Personalunion solle es künftig nicht mehr geben. „Es ist gefährlich, sich nur auf eine Person zu konzentrieren.“ Ihm erscheine es besser, die Schriftleitung wie ein Projekt künftig jährlich zu vergeben.

Vor 47 Jahren gegründet
1966 wurde der „Verband zur Pflege und Förderung der Heimatkunde im Eutinischen“, kurz Heimatverband, gegründet. Er hat zurzeit rund 460 Mitglieder.

Nach 28 Jahren als 1. Vorsitzender übergab Klaus-Dieter Hahn das Amt im Februar 2013 an den Eutiner Studienrat und Historiker Frank Petzold. Hahn, früherer Leiter des Ostholstein-Museums, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Der Bezug des Jahrbuchs ist im Jahresbeitrag — für Einzelpersonen 25 Euro, für Schüler, Auszubildende, Studenten 12,50 Euro — enthalten.

Von Webers Adelstitel, Wanderfalken und der Wurstfabrik
22 Beiträge von 18 Autorinnen und Autoren beinhaltet das vom Heimatverband Eutin herausgegebene „Jahrbuch für Heimatkunde Eutin 2012“. „Nach drei Jahren konnte auch wieder ein archäologischer Beitrag zur Erforschung des ostholsteinischen Raumes publiziert werden“, freut sich der erste Vorsitzende, Frank Petzold.

Felix Rösch aus Kiel bringt dazu eine Kurzfassung seiner Magisterarbeit zur frühdeutschen Besiedlungsgeschichte Ostholsteins ein: Erstmalig konnte in Grellenkamp bei Malente eine Siedlung aus der Zeit der deutschen Kolonisation archäologisch erforscht werden.

Beleuchtet werden im Jahrbuch unter anderem die Herkunft des vom Vater Carl Maria von Webers angenommenen Adelsprädikates, die Beziehungen Peter Friedrich Ludwigs zum russischen Zarenhaus und die Bedeutung, die diese für den Bestand des Herzogtums Oldenburg hatten. Die „Französische Einquartierung in Stadt und Amt Eutin 1808“ hat Ernst-Günther Prühs beschäftigt, diverse Facetten des Kriegsendes 1945 und der Nachkriegszeit in Eutin sind in Aufsätzen von Klaus Petzold aufgegriffen worden.

Anlässlich des 100. Todestages des Malenter Malers Hinrich Wrage hat sich die Leiterin des Ostholstein-Museums, Dr. Julia Hümme, mit dessen Leben und Werk befasst. Julia Freese, erste Vorsitzende des Vereins „Freunde des Kurparks“, gibt einen Überblick über Konzeption, Gestaltung und Restaurierung des Malenter Kurparks. Auch dem Findlingsgarten in Kreuzfeld/Malente ist ein Kapitel gewidmet, ebenso der Evers-Werft in Niendorf, der Wurstfabrik Brandenburg in Timmendorfer Strand und der Wiederansiedlung des Wanderfalkens in Holstein. Ebenfalls im Jahrbuch enthalten: die Laudatio von Jens-Uwe Dankert und die Dankesrede der ersten Vorsitzenden des „Kreises der Künste“, Helga Strübing, anlässlich der Verleihung des Kulturpreises 2012 der Stadt Eutin an den Verein.


302 Seiten umfasst das Jahrbuch 2012, erschienen im Verlag Lumpeter & Lasel, Eutin. Es ist für 25 Euro beim Heimatverband Eutin, Zum Papenmoor 19, 23701 Eutin, erhältlich.

Ulrike Be nthien

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