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Ostholstein „Im Namen des Volkes“: Als Schöffe im Gerichtssaal
Lokales Ostholstein „Im Namen des Volkes“: Als Schöffe im Gerichtssaal
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21:53 07.03.2018
Reiner Wulff (68) ist seit vier Jahren Schöffe am Amtsgericht in Oldenburg. Quelle: Fotos: Binder
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Oldenburg

Aktuell gibt es am Oldenburger Amtsgericht zehn Hauptschöffen. Einer von ihnen ist Reiner Wulff. Seit vier Jahren begleitet der heute 68-Jährige hier als Ehrenamtler Verhandlungen an der Seite der Berufsrichter. Ende des Jahres ist die aktuelle Amtszeit vorbei; zum 1. Januar 2019 werden für fünf Jahre neue Schöffen gewählt.

Das Oldenburger Amtsgericht sucht neue Schöffen. Aus dem Norden Ostholsteins sollen am Ende 33 Hilfsrichter benannt werden. Zusammen mit den Berufsrichtern begleiten sie sozusagen als „Stimme des Volkes“ Gerichtsverhandlungen und urteilen über Schuld oder Unschuld.

Jedem, der eine Bewerbung in Erwägung ziehe, könne er nur sagen: „Nur zu“, sagt Reiner Wulff. Am Amtsgericht herrsche ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen haupt- und ehrenamtlichen Richtern, erzählt er von seinen Erfahrungen. Die Schöffen würden ernst genommen und ihre Ansichten bei der Urteilsfindung berücksichtigt. „Die Berufsrichter hören uns wirklich zu“, sagt der Oldenburger, „das finde ich toll.“

Er selbst wurde 2013 aus den Reihen der Kommunalpolitik gefragt, ob er sich eine Tätigkeit als Schöffe vorstellen könnte. Die Stadtvertretung entscheidet über die Kandidatenliste, die dem Amtsgericht als Vorauswahl vorgelegt wird. Er habe sich damals „schon auch geehrt gefühlt, dass mir dieses Amt zugetraut wurde“, erinnert sich Reiner Wulff.

Während seiner Laufbahn als Schöffe hat der ehemalige Kommandant des Truppenübungsplatzes Putlos die unterschiedlichsten Verhandlungen miterlebt – von Prozessen um Diebstahl bis hin zu Kinderpornografie. „Im Gerichtssaal zeigt sich im Prinzip das Leben mit all seinen Seiten“, sagt Wulff.

So verschieden wie die Vorwürfe, so verschieden waren auch die Angeklagten. Für einige habe er geradezu Mitgefühl entwickeln können, bei anderen wiederum sei seine Toleranzgrenze niedrig gewesen – etwa bei Menschen, die Rauschgift an Minderjährige verkauft hätten. „Dafür habe ich absolut kein Verständnis“, sagt der Oldenburger.

Seine Aufgabe als Schöffe habe er immer so verstanden, dass bei der Bewertung von Delikten durchaus auch die persönliche Einschätzung eine Rolle spielen dürfe. Dass bei der Strafzumessung der gesetzliche Rahmen eingehalten werde, darauf würden die Berufsrichter achten, so Wulff. Ein Schöffe jedoch (der keinerlei juristische Vorkenntnisse mitbringen muss) könne ausschließlich „nach gesundem Menschenverstand“ richten.

Dr. Marcel Welzel, Direktor des Amtsgerichts Oldenburg, bestätigt: Genau dieses „persönliche“ Element solle mit den Schöffen in die Bewertung eingeführt werden. Die Kommunen des Nordkreises können insgesamt 110 Kandidaten vorschlagen (je nach Einwohnerzahl zwischen zwei und 16 pro Gemeinde), aus denen das Gericht am Ende 33 auswählt: zehn Haupt- und zehn Hilfsschöffen fürs Amtsgericht sowie 13 Schöffen für das Landgericht in Lübeck.

„Ich finde es gut und wichtig, dass wir Schöffen in unserem Rechtssystem haben“, sagt Reiner Wulff. Und auch persönlich hätten ihn die Erfahrungen geprägt: „Die Zeit am Gericht war auf jeden Fall sehr lehrreich.“

 Von Jennifer Binder

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