Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Im Neubaugebiet droht ein Baustopp
Lokales Ostholstein Im Neubaugebiet droht ein Baustopp
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:00 11.10.2016
Noch wird im neuen Baugebiet „Östlich Ruschkamp“ gearbeitet. Am Freitag aber könnte es dort einen Baustopp geben. Quelle: Fotos: Christina Düvell-Veen

Die Firma Werretal Urbanisations GmbH in Herford wirbt mit dem Slogan „Wir erschließen Wohnträume“. Dies soll auch für die 72 Einfamilienhäuser im neuen Baugebiet „Östlich Ruschkamp“ in Pönitz gelten. Derzeit sieht vieles für die Bauwilligen aber eher nach „Albträumen“ aus. 70 Personen folgten der Einladung des Erschließungsunternehmens zu einer Informationsveranstaltung. Das, was Geschäftsführer Udo R. Helling sowie seine Mitarbeiterinnen Julia Stolze und Denise Person dort berichteten, verunsicherte sie alle. Klar und deutlich war sogar von einem möglichen Baustopp die Rede. Sollten bis Freitag, 14. Oktober, keine Einigungen mit der ZVO Energie GmbH beziehungsweise dem Anwohner aus dem Baugebiet Ruschkamp I, über dessen Grundstück die Schmutzwasserleitung verlaufen soll, erzielt werden, werde das von Werretal beauftragte Bauunternehmen die Arbeiten zunächst einmal einstellen, kündigte Helling an.

Zur Galerie
Erschließungsfirma informierte 72 Bauwillige – Bis Freitag muss es eine Einigungen für Pönitz geben.

„Sie haben sich bei diesem Bauvorhaben verkalkuliert“, vermutete daraufhin ein Zuhörer. Ein anderer: „Es sind noch so viele Fragen offen. Sie hätten sich zurückhalten müssen und hätten die Grundstücke nicht verkaufen dürfen“. Und ein Dritter: „Das, was ich hier gehört habe, war schlimmer als vermutet.“ Verwiesen wurde auch auf Internet-Recherchen, in denen beispielsweise ähnliche Vorkommnisse zwischen Gemeinde und Werretal GmbH in Pattensen offensichtlich werden. Und immer wieder kam die Frage. „Wann können wir anfangen zu bauen?“ Zuletzt war den Bauwilligen schriftlich mitgeteilt worden, die Arbeiten auf den Hausgrundstücken könnten im Oktober oder November beginnen.

Im Verlauf der mehrstündigen Veranstaltung zeichneten sich drei kritische Punkte ab: Unklarheiten gibt es über die im Bebauungsplan der Gemeinde Scharbeutz festgelegte Breite der öffentlichen Erschließungsstraße auf 7,75 Meter, über noch fehlende Möglichkeiten der Entwässerung und über die Verlegung von Versorgungsleitungen durch die ZVO Energie GmbH.

Julia Stolze berichtete von „Stolpersteinen in Scharbeutz“ und nannte die Bauleitplanung, die die Gesellschaft nicht selber habe übernehmen dürfen, als ersten Grund. Überrascht worden sei die Gesellschaft zudem von der Knickplanung und von den dazu erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen. „Ein Knick in Schleswig-Holstein ist wohl eine heilige Kuh“, vermutete sie. Außerdem habe sie noch nie einen B-Plan mit so vielen Parkplätzen gesehen. Von Schwierigkeiten vor der Unterzeichnung des Erschließungsvertrages berichtete Geschäftsführer Helling. Ständig habe es dazu neue Forderungen der Gemeinde und der ZVO-Gesellschaften gegeben.

Rüdiger Lange-Jost, Geschäftsführer der ZVO Energie GmbH, erläuterte, mit Werretal habe ein Erschließungsvertrag nicht erfolgreich abgeschlossen werden können. Daher sei im Sinne der Grundstückseigentümer nun eine Alternativmöglichkeit geprüft worden. Diese sieht vor, Versorgungsleitungen ohne Erschließungsvertrag zu verlegen. Voraussetzung sei aber eine grundbuchliche Absicherung der Leitungen durch den Erschließungsträger. In diesem Fall müssten die Grundstückseigentümer einen Baukostenzuschuss direkt an den Versorger leisten. Diesen Vorschlag unterbreitete Lange-Jost noch während der Informationsveranstaltung. Das weitere Vorgehen stieß sowohl bei Grundstückseigentümern als auch bei den Werrretal-Mitarbeitern auf positive Resonanz. Daher hat die ZVO Energie GmbH am vergangenen Montag die Vorbereitungen für eine Vereinbarung mit dem Erschließungsträger über rechtliche Rahmenbedingungen zum Leitungsbau und -betrieb im Pönitzer Baugebiet in die Wege geleitet. Sobald die rechtlichen Voraussetzungen geklärt und vereinbart seien, könne der Netzleitungsbau beginnen und Grundstückseigentümer könnten Anträge auf Netzanschluss stellen, machte ZVO-Pressesprecherin Nicole Buschermöhle deutlich.

Die Gemeinde Scharbeutz hält an der im Erschließungsvertrag festgelegten Straßenbreite von 7,75 Metern fest. Dies bekräftigte Bürgermeister Volker Owerien (parteilos), der während der Info-Veranstaltung von seinem Stellvertreter Christian Dwars (CDU) vertreten worden war. „Wir übernehmen die Straße nur mit der vertraglich zugesicherten Breite“, erklärte Owerien auf LN-Anfrage.

Derzeit ist die Straße 7,40 Meter breit, die restlichen 35 Zentimeter laufen entlang der privaten Grundstücke. Owerien nannte als ein Beispiel später eventuell auftretende Arbeiten an den Hochborden:

„Wir müssten dann vorher mit jedem der 72 Eigentümer einzeln verhandeln“.

 Christina Düvell-Veen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Jetzt auch auf Fehmarn: Der Rotary-Club Oldenburg startete gestern mit seiner Aktion „Deckel gegen Polio“ (Kinderlähmung). 500 recycelte Deckel ergeben den Gegenwert für eine Polio-Schutzimpfung in Pakistan, Afghanistan, Nigeria und Syrien, können dort also Kindern das Leben retten.

11.10.2016

Neue Adresse der Polizeistation Lensahn ist die Lübecker Straße 19. Die Telefonnummer ändert sich nicht.  Gestern war die offizielle Einweihungsfeier in den neuen Räumlichkeiten.

11.10.2016

In einem leer stehenden Wohnhaus im Scharbeutzer Ortsteil Klingberg ist es am Montag um die Mittagszeit zu einem Feuer gekommen. Die Polizei hat Hinweise auf Brandstiftung am Tatort entdeckt - und sucht dringend Zeugen.

11.10.2016
Anzeige