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Ostholstein Im Winter regiert der Denkmalschutz
Lokales Ostholstein Im Winter regiert der Denkmalschutz
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23:26 22.09.2016
Der Pagodenspeicher: Das etwa 20 mal 13 Meter große Gebäude wurde einst als Kornspeicher vom späteren Ehrenbürger Jacob Lienau gebaut. 1972 wurde es zum Kulturdenkmal erklärt. Hier befindet sich heute das Eiscafé „Venezia“ samt Ponton. Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter

Der 186 Jahre alte Pagodenspeicher am Neustädter Binnenwasser ist ein beliebtes Fotomotiv und Kulturdenkmal. Was die Liebhaber alter Gebäude freut, sorgt bei Serafino Ingardia für Ärger. Er betreibt das Eiscafé „Venezia“, welches sich im Erdgeschoss befindet. Um wirtschaftlich zu arbeiten, ließ er 2011 einen Ponton errichten. Seitdem können die Gäste ihr Eis praktisch auf dem Wasser genießen. Nun aber hat die Denkmalschutzbehörde des Kreises Ostholstein Ingardia aufgefordert, die Anlage während der Wintermonate zu entfernen. Grund dafür sei, dass das Denkmal nicht verdeckt werden darf. Ebenfalls zurückbauen muss die Eigentümerin des griechischen Restaurants „Piräus“ am Kugelbrunnen im Hornschen Speicher. Auch ihr Geschäft befindet sich in einem Denkmal.

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Urteil zugunsten der freien Sicht auf historische Gebäude – Gastronomen müssen Ponton und andere Installationen abbauen – Genehmigung nur für warme Monate.

Seit Jahren gebe es lediglich eine Genehmigung für die Sommermonate, erläutert Nils Hollerbach, Leiter des Fachdienstes Bauordnung beim Kreis. Ein damit einhergehender Abbau über den Winter sei ignoriert worden. Die Vorgaben seien zudem kreisweit Standard, betont Hollerbach. So würden unter anderem etliche Betriebe auf dem Burger Marktplatz jeden Winter die Extrabauten entfernen: „Die Gebäude sind Denkmale. Es geht um den Umgebungsschutz. Sie sind freizuhalten.“ Dass das Installieren von Ponton und Aufbauen von Tischen, Stühlen, Windfängen und Sonnenschirmen im Sommer erlaubt ist, begründet der Kreisbaudirektor wie folgt: „Das Ziel ist eine wirtschaftliche Nutzung. Das wird überall im Kreis so gemacht.“

Sowohl Serafino Ingardia als auch die Piräus-Chefin wollten das laut Hollerbach nicht hinnehmen. Anwälte wurden eingeschaltet, Akten erstellt. Vor etwa zwei Monaten kam es zur Verhandlung. Das Verwaltungsgericht Schleswig setzte einen Ortstermin an und entschied zu Ungunsten der Kläger. „Das Gericht hat die Regelung anerkannt. Es muss alles weggeräumt werden, von den Herbst- bis zu den Osterferien“, so Hollerbach, dem bewusst ist, dass insbesondere das Entfernen des Pontons eine finanzielle Belastung darstellen könnte.

Serafino Ingardia wird die Entscheidung wohl akzeptieren. Er wolle keinen Ärger, sagt er den LN. „Wir werden den Ponton im Winter wegräumen. Dennoch bleibt es absurd. Er ist dann ja komplett leer und die Sicht frei“, betont Ingardia. Nun müsse er sich einen Liegeplatz für die Konstruktion suchen, dabei fielen Kosten an. „Wir hätten das Geld lieber anderweitig genutzt, zum Beispiel für einen Denkmalschutzfonds“, so der Geschäftsmann. Zudem erinnert er daran, dass der Pagodenspeicher ursprünglich einmal direkt am Wasser stand, erst um 1910 der heutige Fußgängerweg gebaut wurde.

Wie die Inhaberin des „Piräus“ vorgehen wird, bleibt indes offen. Gegenüber den LN sagte sie, dass sie von nichts wisse und nichts sagen wolle. Fakt ist: Die Denkmalbehörde ist für die Einhaltung der von ihr erteilten Auflagen zuständig. Mit Kontrollbesuchen müssen die Gastronomen also rechnen.

 Sebastian Rosenkötter

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