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Ostholstein Immenhof: Kran-Ballett zwischen Scheune und Torhaus
Lokales Ostholstein Immenhof: Kran-Ballett zwischen Scheune und Torhaus
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09:15 28.04.2016
Wo bei Dick und Dalli mitten auf dem Hof die Ponys standen, liegen heute Bündel grüner Rohre. Das Gelände ist ein Baustofflager geworden.

Gut, dass kein Pony, kein Pferd mehr auf dem Immenhof ist. Angesichts des geballten Aufgebots von Tiefladern, Kränen, Mischmaschinen und den Mengen an Röhren, Steinpaketen und Betonteilen bekäme beinahe jedes Pferd die Panik. Der Drehort der beliebten Immenhof-Filme der 1950er-Jahre, das Gut Rothensande, ist zu einer der größten Umbaustellen des Nordens geworden.

Auf Gut Rothensande wird beim Umbau zum Ferienhof alles erneuert.

Gut ein Jahr, berichtet Projektleiter Ole Marxen, läuft die Renovierung einer der bekanntesten Gutsanlagen des Nordens jetzt, und die Vollendung des Ensembles liegt in weiter Ferne. Für die Eröffnung wird das Jahr 2018 angepeilt. „Viel schneller, als wir bauen, geht es nicht“, sagt Marxen.

Wenn er aufzählt, was alles getan werden muss, kommt der Zuhörer kaum hinterher. Unterirdisch und überirdisch werden Tonnen von Stahl, Gusseisen, Beton, Steinen und Holzbalken verarbeitet. „Im Baugrund verlief ursprünglich die Schwentine“, begründet Marxen, warum der Untergrund so viele Probleme macht. So musste der Kuhstall komplett neu gegründet werden. Die neue Bohrpfahlgründung reicht 18 Meter weit in die Tiefe. Obendrein müssen alle Fußböden in fast allen Gebäuden erneuert werden. Das berühmte Herrenhaus ist völlig instabil, schon deshalb, weil der langjährige Besitzer von Gut Rothensande, der Kaffeefabrikant Artur Nörenberg, den Kellerfußboden knietief herausreißen ließ. „Da sind jetzt Tausende von Tonnen Stahl drin“, sagt Marxen über die Bodenplatte des Herrenhauses.

Parallel zu den Arbeiten im Boden wird an den Dächern gearbeitet. Viele sind bereits erneuert worden. Das Verwalterhaus hat seinen alten, auf Fotos von damals erkennbaren Giebel zum Hof mit rundem Fenster zurückerhalten. Hinzu kommt, dass in vielen Gebäuden die Decken nicht mehr tragfähig, die Balken morsch sind. Einige Gebäude mussten sogar komplett erneuert werden. Die große Scheune war so baufällig, dass sie komplett neu aufgebaut werden musste. Der rechte Flügel des Torhauses, vom Hof aus gesehen, ist 20 Zentimeter abgesackt, auch er muss abgerissen und neu gebaut werden.

Außerdem wird die in den 1960er-Jahren auf Wunsch von Nörenberg aufgebrachte weiße Farbe von allen Wänden entfernt und jeder einzelne Stein restauriert. „Es wäre einfacher gewesen, alles neu zu bauen“, entfährt es Marxen angesichts dieser noch unvollständigen Aufzählung.

Zurzeit drehten sich vier Kräne auf dem Hof. Es waren schon mal sechs, zwei kommen bald wieder hinzu für das Reithallendach, so Marxen. An Innenausbau ist noch gar nicht zu denken. Wie viel nach Fertigstellung der Rohbauarbeiten noch zu tun ist, davon kündet das Innere des Herrenhauses.

In den entkernten Räumen bewegt man sich irgendwo zwischen Brandruine und Bronx. Schief herabhängene Lamellen-Jalousien, rauchgeschwärzte Decken im runden Anbau, die von einem früheren Feuer im Herrenhaus künden, Treppen ohne Geländer und Kerben knapp unter der Decke der großen Diele, wo einst nicht tragende Zierbalken angebracht waren. Es bedarf großer Fantasie, sich in den Räumen eine stilvolle Bar, gemütliche Sitzecken und komfortable Hotelzimmer vorzustellen.

Diese Fantasie bringen viele Menschen offenbar bereits auf. Marxen berichtet, dass es etliche Anfragen für Arbeitsplätze und für Hochzeiten auf dem Immenhof gebe. Das mit den Jobs wird noch etwas dauern, und Hochzeiten kann sich der Projektentwickler allenfalls auf dem Steg vorstellen. „Ich habe hier einen Hotelbetrieb“, blickt er in die Zukunft. Große Hochzeitsfeiern störten nur.

Mitunter muss er Besuchern harsche Absagen erteilen. Der Baustellen-Tourismus sei erheblich, aber ein Betreten des Hofes zurzeit viel zu gefährlich. Und damit wirklich nichts passiert, ist ein Wachmann, ein ehemalige Weltmeister der Polizeihundeführer, regelmäßig mit vier Hunden auf dem Immenhof in Habachtstellung. Das Gelände ist jetzt und noch für lange Zeit für die Bauarbeiter reserviert.

Ein Hof mit langer und wechselvoller Geschichte

1361 ist ein „Hof namens Rodesand mit der Gremsmühle“ erstmals urkundlich erwähnt worden.

1775 wurden die Ländereien von Rothensande aufgeteilt unter den Pächtern. Johann Peter Grage erhielt den Stammhof. Danach wechselte das Gut oft den Besitzer.

1911 ging Rothensande in den Besitz des Kieler Ziegelei-Fabrikanten Franz Blessmann über. Er ließ das Herrenhaus und das Torhaus bauen. Nach 1945 dienten die Gebäude als Kinderheim, bis sie 1956 an den Kaffeefabrikanten Artur Nörenberg verkauft wurden. Von da an war das Gut für Besucher verschlossen.

2009 kaufte Franz-Josef Stolle das Gut von der Erbengemeinschaft Nörenberg. 2012 verkaufte Stolle es an Carl-Joachim Deilmann aus der Schweiz.

2015 begannen die umfassende Restaurierung des Hofes und der Umbau zu Ferienwohnungen und einem Hotel.

Von Susanne Peyronnet

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