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Ostholstein Immer mehr Bürgerinitiativen engagieren sich in Ostholstein
Lokales Ostholstein Immer mehr Bürgerinitiativen engagieren sich in Ostholstein
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20:43 14.10.2016
„Einzelpersonen werden nicht wahrgenommen.“Hendrick Kerlen

Ob „WiR“ in Riepsdorf, „Bürger für ein besseres Müllkonzept in Ostholstein“ in Neustadt, „Initiative Bürgerpark“ in Heiligenhafen oder „Bürgerinitiative zur Rettung der Geburtshilfe“ in Oldenburg – immer mehr Menschen organisieren sich, um wichtige Themen in den aus ihrer Sicht richtigen Blickwinkel zu rücken. Und alle eint ein Fakt: ihr politischer Unmut.

Bürger mischen sich aktiv in die Politik vor Ort ein – Ein Überblick.

Allein gegen das geplante Jahrhundertprojekt in Ostholstein, die feste Fehmarnbeltquerung inklusive der Schienanbindung zwischen Lübeck und Puttgarden, arbeiten etliche Menschen in diversen Bürgerinitiativen. Sie sind so etwas wie die Gallier, die versuchen, die Römer, verkörpert durch Landes- und Bundesregierung, zu einem Umdenken zu bewegen – allerdings ohne Zaubertrank.

Es gibt viele unterschiedliche Motive für Menschen, sich zu engagieren. In Riepsdorf geht es der „WiR“ darum, die verschlafene Entwicklung im Ort zu beenden, während in Heiligenhafen eine kleine Initiative den parkähnlichen Friedhof, der an Mercedes verkauft wurde, doch noch als grünes Idyll zu erhalten und eine Servicestation an gleicher Stelle zu verhindern.

Die „Demokratische Sammlung gegen Rechts“ dagegen wollte in Heiligenhafen erwirken, dass drei nach Nazischriftstellern benannte Straßen umbenannt werden. Da sich dieser Prozess, der 2011 begann, weiter in die Länge zieht, gab das Bündnis jetzt auf.

Weiter südlich in Oldenburg kämpfte eine Initiative vergeblich gegen die Schließung der Geburtshilfe. Extrem ist die Lage auf Fehmarn. Denn die Sonneninsel ist nicht allein von der festen Belt- und neuen Sundquerung betroffen. Hier spalten auch andere Themen die Gesellschaft wie eine geplante Schweinemastanlage oder bestehende Windkraftparks.

Die Süddeutsche Zeitung titelte beim Thema Bürgerinitiativen mit „Lobbyisten des Vorgartens“. Weit mehr als 70000 solcher Gruppen mit etwa zwei Millionen Mitgliedern dürfte es inzwischen in Deutschland geben.

Kritiker von Bürgerinitiativen betrachten sie als Verhinderungsallianzen, die häufig auf egoistischen Anrainerinteressen beziehungsweise Partikularinteressen beruhen würden und das Wirtschaftswachstum behinderten. Dieses Verhalten wird dann auch als „Sankt- Florians-Prinzip“ beschrieben.

Das sehen viele Menschen in Ostholstein ganz anders. Sie wollen die Dinge mit ihrem Engagement zum Guten wenden.

Hartmut Specht von „Fehmarn Beltverkehr“ sagt: „Die Parteien sind oft unbeweglich, verharren in strikten Mustern.“ Bürgerinitiativen seien wichtig, dies aufzubrechen.

Überblick über die Bürgerinitiativen im Nordkreis

Allianz gegen eine feste Fehmarnbeltquerung: Susanne Brelowski, Hof Altona, Sierksdorf, Tel. 04563/78 74, www.allianz-beltquerung.info

HOB e.V.: Susanne Brelowski (s.o.), www.bi-hob.de

Pro Lensahn – Kontra Bahnlärm: Annette und Hans Wulf-Zander, Lensahn, hzwulfzander1312@gmail.com

AKBO: Arbeitskreis Bahntrasse Oldenburg, Wolfgang Schröter, Rathaus-Sekr. Bürgermeisterei, Oldenburg, AKBO@ bellabox.de, www.bellabox.de

Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung: Hendrick Kerlen, Westermarkelsdorf 12a, Fehmarn,

Tel. 043 72/12 55, h.kerlen@web. de, www.beltquerung.info, www.festebeltquerung.de/

Alternative Bahntrasse Großenbrode: Doreen Reise, Teichstraße 59, Großenbrode

BI Neukirchen, Hajo Nötzel, Neukirchen, Tel. 043 65/97 94 10, bi-neukirchen@web.de, www.bellabox.de

Bewahrt Fehmarn: Mirko Kaminski, Rerhen 4h, Marieneuchte, info@bewahrt-fehmarn.de

IG Lebenswertes Fehmarn: Andre Brockstedt, ig-lebenswertes-fehmarn@ gmx.de

IG Pro Fehmarn: Claus Küster, Drosselweg 1, Fehmarn, Tel. 043 71/99 93, E-Mail: info@profehmarn.de

BI Fehmarn-Beltverkehr: Hartmut Specht, Bisdorf a. F., 043 71/47 43

Initiative Windstill: Utta Mallach, Altenteil a. F., 043 72/80 61 22

Bürger für ein besseres Müllkonzept in Ostholstein e. V.: Arbeit war erfolgreich, ist seit 2014 inaktiv.

Ähnliches Bild im Südkreis Ostholsteins, wo noch einmal so viele Initiativen beheimatet sind.

Peter Mantik

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