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Ostholstein Immer mehr Strom-Tankstellen
Lokales Ostholstein Immer mehr Strom-Tankstellen
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11:18 19.01.2017
Inge Niemann fährt seit anderthalb Jahren elektrisch – und ist begeistert. An der neuen Station Sereetz lädt sie ihren Renault Zoe auf. Quelle: Arnold Petersen

Eine Million Elektrofahrzeuge will die Bundesregierung bis 2020 auf die Straße bringen, doch bislang bewegt sich der Absatz der Stromer allenfalls auf der Kriechspur. Gerade einmal 11410 reine Elektroautos wurden im vergangenen Jahr in Deutschland neu zugelassen. Neben geringer Reichweite und hohem Anschaffungspreis gilt die fehlende oder lückenhafte Ladeinfrastruktur als Absatzbremse. In Ostholstein trifft dies aber nur noch bedingt zu.

Das Netz in Ostholstein wird dichter – Aber Elektroautos haben noch Seltenheitswert.

„Etwas Besseres bin ich noch nicht gefahren." Inge Niemann Besitzerin eines E-Autos

An immerhin 21 Standorten im Kreis gibt es inzwischen Stromtankstellen, meist mit zwei, teilweise auch drei Ladestationen. Die weist jedenfalls das von Nutzern gepflegte Internetportal „GoingElectric“ aus. Im Süden des Kreises stehen etwas mehr Ladesäulen als im Norden, etwa in Stockelsdorf, Bad Schwartau, Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Eutin. Außerdem profitieren E-Mobilisten von der Nähe zu Lübeck. Im Norden gibt es in Travemünde ebenfalls zwei Ladestationen, dazu kommt noch eine im Luv-Shoppingcenter.

Zum Teil kann kostenlos Strom getankt werden, wenn kein eigenes Geschäftsmodell dahinter steht. Sonst wird nach Ladeleistung oder auch Ladezeit abgerechnet. Bis maximal 4,50 Euro kosten dann 100 Kilometer Fahrstrecke, sagen E-Fahrer an der Stromtankstelle Sereetz am Famila-Warenhauses.

Die wurde in der vergangenen Woche neu eröffnet und zählt wie die Station in Burg auf Fehmarn zum „Fast-E-Projekt“, einer von der EU geförderten Schnelllade-Infrastruktur für Elektroautos an den wichtigen europäischen Verkehrskorridoren. An diesen Routen – hier ist es die A 1 Richtung Dänemark und Skandinavien – soll es spätestens alle 70 Kilometer solche Stationen geben, an denen in rund 30 Minuten die Fahrzeugakkus wieder aufgeladen werden können. Das soll auch zügige Langstreckenfahrten mit E-Autos möglich machen.

Deshalb gibt es besondere Anforderungen an diese mit Ökostrom gefütterten Power-Stationen: Sie sollen maximal zwei Kilometer von der Autobahn oder Schnellstraße entfernt liegen, rund um die Uhr angefahren werden können und Toiletten, Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten bieten. Die Idee dahinter: Die Ladepause soll so angenehm und nützlich wie möglich ausfallen. Insgesamt 241 solcher Schnelllader entstehen in Deutschland: in Schleswig-Holstein an der A 1, ebenso an der A 7 und der A 23 an der Westküste. An der A 1 folgt von Norden kommend die nächste Tankstelle dieses Schnelllade-Netzwerks in Reinfeld. Koordiniert wird das Projekt von dem Unternehmen Allego, das auch einer der drei Investoren ist. „In Ostholstein prüfen wir im Norden noch mindestens einen weiteren Standort“, sagt Allego-Mitarbeiter Marc Kudling. Damit soll für E-Reisende die Lücke zwischen Sereetz und Burg geschlossen werden.

Ein weißer Fleck auf der Stromtankstellen-Karte ist das nördliche Ostholstein aber auch jetzt nicht. Autofahrer können neben Burg ebenso in Westermarkelsdorf auf Fehmarn, in Heiligenhafen, Weissenhäuser Strand, Grömitz und auf Gut Hasselburg einstöpseln. In Oldenburg planen zudem die Stadtwerke eine Ladestation. Schleswig-Holstein liegt nach Einschätzung von Kudling bei der Lade-Infrastruktur bundesweit im Mittelfeld. Am besten sehe es in Baden-Württemberg aus, hinten liege Mecklenburg-Vorpommern.

Aktuelle Zahlen, wie viele Elektroautos in Ostholstein zugelassen sind, kommen erst im März. Dann veröffentlicht das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg die Jahresstatistik 2016. Zum 1. Januar 2015 gab es in Ostholstein 35 reine Stromer. Der Kreis erfasst nur die Fahrzeuge, die ein E-Kennzeichen haben. Diese Nummernschilder mit dem E am Ende können aber erst seit September 2015 beantragt werden. Im Dezember waren 21 in Ostholstein ausgegeben, so dass wohl insgesamt kaum mehr als 50 reine Elektroautos im Kreis gemeldet sind.

Entsprechend gering ist noch die Tank-Nachfrage, zumal sich die Akkus auch zu Hause an der Steckdose aufladen lassen, was aber deutlich länger dauert. „Noch reden wir über Ladevorgänge, die alle zwei Tage stattfinden, wenn es gut läuft jeden Tag“, sagt Kudling. Die Stadtwerke Eutin sagen zur Nutzung nur so viel: Das Angebot werde zunehmend angenommen, besonders von Skandinaviern. Dort sind die lautlosen und abgasfreien Autos verbreiteter.

Aber auch in Ostholstein wird es Zuwachs für die E-Flotte geben. Peter Bünning, Leiter des Famila-Warenhauses Sereetz, plant 2017 von seinem Honda-Benziner auf ein Elektroauto umzusteigen. Die Tankstelle am Arbeitsplatz hat sein Interesse geweckt.

 Arnold Petersen

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