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Ostholstein Immer mehr tote Schweinswale an der Ostsee
Lokales Ostholstein Immer mehr tote Schweinswale an der Ostsee
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22:02 28.11.2016
Seehundjäger Eckhard Kasten wird immer häufiger zu toten Schweinswalen an die Strände gerufen. Quelle: Rosenkötter

Im Vorjahr waren es gerade einmal 38. Dabei handelt es sich auch um gerettete Seehunde, aber überwiegend um das Einsammeln verendeter Schweinswale an der Festlandküste von der Kieler Förde über Wagrien bis nach Travemünde.

Seehundjäger Eckhard Kasten verzeichnet steigende Einsatzzahlen.

„Nicht nur, dass es immer mehr werden, in diesem Jahr war auffällig, dass es auch deutlich größere Tiere waren als sonst“, merkt Kasten an. Waren die Schweinswale sonst zwischen 1,10 und 1,30 Meter groß, seien jetzt viele dabei, die 1,50 Meter oder gar bis zu 1,80 Meter groß seien. Die Kadaver müssten abtransportiert und später in großen Industrietruhen eingefroren werden, bevor sie vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung Büsum zu Forschungszwecken abgeholt werden. „Aber packen sie solch große Tiere erst einmal in die Transportfolien und schleppen sie über den Strand zum Auto – da weiß man hinterher, was man getan hat.“

Attacke durch Delfin

Einen besonderen Fall gab es gerade erst Ende Oktober. „Die beiden Tiere waren noch so frisch, dass die Forscher sofort kamen, um sie abzuholen.“ Dabei handelte es sich um ein Muttertier mit Nachwuchs. „Nach umfangreichen DNA-Untersuchungen hatte man Gewissheit, doch die Forscher waren sich schon vorher sicher.“ Kasten: „Ich habe es nicht für möglich gehalten, aber beide Schweinswale wurden wohl durch einen Delfin getötet. Bei einem steht es schon zu 100 Prozent fest.“ Darüber hinaus gebe es zudem weitere fünf bis sechs Verdachtsfälle.

Trio für Ostholstein

Eckhard Kasten ist seit 17 Jahren ehrenamtlicher Seehundjäger – mit Drews Höpner und Wolf-Dieter Weßlin von der Insel Fehmarn einer von drei in Ostholstein. Dabei ist der Begriff „Seehundjäger“ in zweierlei Hinsicht nicht ganz zutreffend. Kasten geht nicht auf die Jagd von Seehunden und auch nur ein geringer Teil seiner ehrenamtlichen Tätigkeit hat mit Seehunden zu tun. Dieses Jahr hat er selbst aber immerhin drei Seehunde gerettet – in Travemünde, Heiligenhafen und Weissenhäuser Strand. Ingesamt waren es an der Ostsee sechs, die zu der Seehundaufzuchtstation nach Friedrichskoog gebracht wurden. „Zwei haben leider nicht überlebt, vier konnten wieder aufgepeppelt werden und wurden vor kurzer Zeit nahe des Campingplatzes Blank-Eck bei Putlos in die Freiheit entlassen“, erzählt Kasten, der im Hauptberuf bei der Wasserschutzpolizei Puttgarden tätig ist. Es sei wichtig, dass die Tiere in ihr bekanntes Ökosystem zurückkommen. Das ist dann auch für den Seehundjäger immer ein toller Moment. Vergangenes Jahr wurde eines der Tiere sogar nach seiner Tochter benannt.

Doch wenn sein Telefon klingelt, gehe es in der Regel eigentlich immer um verendete Schweinswale. Wer so ein totes Tier oder einen hilflosen Seehund entdeckt, sollte sich zurückhalten. „Man muss immer bedenken, es handelt sich um Raubtiere. Mich hat mal ein Heuler in den Daumen gebissen, der Finger musste zehn Tage ruhig gestellt werden – und ich hatte noch Glück“, sagt Kasten und warnt bei Schweinswalen noch eindringlicher: „Sie haben eine hohe Parasitenbelastung. Die Bakterien auf der Haut können von Tier auf Mensch übertragen werden.“

Der Seehundjäger weiß wovon er spricht, immerhin sei er im Laufe der Jahre durch so manchen Einsatz selbst gezeichnet worden.

Markus Billhardt

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