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Ostholstein Immer nur schlucken: Ode an den Gully
Lokales Ostholstein Immer nur schlucken: Ode an den Gully
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21:44 10.10.2017
Der wiederholte starke Regen ist für die Gullys am Eutiner Marktplatz eine Herausforderung. Quelle: Fotos: Peyronnet
Eutin

Klaglos funktionieren die Gullys an 99 Prozent aller Regentage. Unbemerkt von den Passanten verrichten sie ihren Dienst, deshalb wird lapidar über sie hinweggegangen. Wen kümmert schon, was ihm zu Füßen liegt, wenn die nicht nass werden? Nur wenn sich ein Gully verschluckt und nicht mehr aufnimmt, was auf ihn zufließt, fällt er auf und aus. Das, sagt Diplom-Ingenieur Jürgen Gödecke, Geschäftsführender Gesellschafter des Ingenieurbüros Höger und Partner GmbH in Eutin, kommt bei Regenmengen wie in der vergangenen Woche schon mal vor. Da fielen in Eutin innerhalb von 24 Stunden 48 Liter auf den Quadratmeter. Das bekommt der beste Gully nicht heruntergewürgt. Oder wie es Boris Sobotta, Leiter der Stadtentwässerung Eutin, formuliert: „So etwas führt alle Entwässerungssysteme an ihre Grenzen.“

Regen, Regen, Regen: Da verschluckt sich schon mal der Gully. Die Straßenabläufe, wie die vergitterten Dinger korrekt heißen, sind eine Wissenschaft für sich. Da geht es um das Schluckvermögen, die Schlitzbreite und den Sandeimer. Gibt es zu viel Regen, hat ein Gully schnell mal den Kanal voll.

Zumal, wenn ein Gully nicht sauber ist, ergänzt Boris Sobotta. Unrat, Laub oder auch nur eine hineingewehte Plastiktüte reichten schon aus, damit das Wasser schlecht abläuft. Nicht gereinigt, voll mit Unrat, ein voller Sandeimer und vielleicht auch noch hydraulische Engpässe, und schon staut es sich zurück. Der Teufel steckt oft unter der Oberfläche. „Oben und unten müssen passen. Es ist von vielen Faktoren abhängig“, sagt Sobotta und verweist auf das Zusammenspiel von Gully, Anschluss und Hauptkanal.

Gullys gibt es in eckiger und in runder Form. Auf dem Eutiner Marktplatz sind sie in allen vier Ecken in runder Ausführung ins Pflaster eingelassen und damit Gestaltungselement und Ablaufeinrichtung in einem. 62,5 Zentimeter im Durchmesser und mit nicht allzu kleiner Schlitzbreite schlucken sie etwas mehr als ihre eckigen Geschwister. Die Menge an Wasser, die durch den Gully in den Untergrund gurgelt, wird als Schluckvermögen bezeichnet. Und das kann durchaus unterschiedlich sein, je nach Beschaffenheit der Umgebung. Sei die ideal, sagt Ingenieur Gödecke, rechne man, dass ein Standardgully von 50 mal 50 Zentimeter Abmessung 300 bis 400 Quadratmeter Fläche entwässere. Je nach – Achtung, jetzt wird’s technisch – Querneigung und Längsgefälle sind es aber in der Realität eher 150 bis 200 Quadratmeter. Mehr, sagt Gödecke, solle ein Regelablauf nicht entsorgen. In der Regel schafft der Gully das. Die Regenfälle dieses Sommers haben sich aber nicht an diese Regel gehalten.

 Von Susanne Peyronnet

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