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Ostholstein In Bosau klappt‘s mit dem Zusammenleben
Lokales Ostholstein In Bosau klappt‘s mit dem Zusammenleben
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12:19 03.04.2016
Bosaus Dorfvorsteherin Pamela Lepeschka ist ebenso stolz auf die Kleiderkammer wie Mohsen (v. l.), Mohammad und Nader. Quelle: Fotos: Benthien
Bosau

 Die Menschen aus Syrien, Mazedonien, Afghanistan, dem Kosovo wollten sich damit für die Hilfsbereitschaft bedanken, die sie erfahren haben und die ihnen täglich weiter begegnet. Die Anzahl der Gäste, die lockeren Gespräche und fröhliche Stimmung bewiesen: Das Fest war ein voller Erfolg, die Integration in der Gemeinde Bosau klappt.

Flüchtlinge bedanken sich mit einem Kulturfest im Gemeindehaus.

„Die Flüchtlinge sind willkommen.“ Bürgermeister Schmidt

Als „völlig problemlos“ bewertet auch Bürgermeister Mario Schmidt (parteilos) das Zusammenleben. Das sei vor allem den Ehrenamtlichen zu verdanken, die zahlenmäßig identisch mit den Flüchtlingen seien. 56 Flüchtlinge gebe es in der Gemeinde Bosau, 106 im Amt, so Schmidt. Die Helfer engagierten sich in vielfältiger Weise: „Sie übernehmen Fahrdienste, begleiten bei Behördengängen und Arztbesuchen, unterstützen im Alltag und geben Sprachunterricht.“

Deutsch unterrichten zum Beispiel Dörte Neumann (78) und Klaus Hinrichsen (68), pensionierte Lehrer aus Stadtbek. „Wir finden es ungerecht, dass Menschen, die schon lange bei uns in Deutschland sind, von Sprache und Arbeit ferngehalten werden, weil sie nur geduldet sind und keine Sprachkurse besuchen dürfen“, begründet Klaus Hinrichsen ihr Engagement. Großes Lob hat er für Bleon (14) aus Hassendorf, der mit seiner Schwester (11) und den Eltern aus Mitrovica im Kosovo nach Deutschland gekommen ist. „Er versteht alles und spricht hervorragend Deutsch.“ Der junge Albaner ist mit seiner Familie seit einem Jahr hier, die Duldung läuft zunächst bis September. Er besucht die Wisser-Schule in Eutin, spielt beim Bosauer SV Fußball und möchte gern Krankenpfleger werden. Sein bester Freund ist Ali (14), sie sind Klassen- und Teamkameraden. Ali stammt aus Bamian in Afghanistan, sein Berufswunsch ist Arzt.

Das von Flüchtlingskoordinator Johannes Acker und Bosaus Dorfvorsteherin Pamela Lepeschka organisierte Fest im Gemeindehaus — mit Speisen aus vielen Ländern — gefällt beiden sehr. Auch Naseri (26) und Latifa (20) aus der Balkh Province/Afghanistan genießen die Gesellschaft. Das Ehepaar ist seit elf Monaten in Deutschland, es lebt in Hutzfeld. Naseri hat in seiner Heimat fünf Semester Politik studiert und möchte sein Studium hier fortsetzen.

„Die Flüchtlinge sind willkommen in unserer Gemeinde. Sie sollen sich hier sicher fühlen“, betont der Bürgermeister. Damit sie sich wohl fühlen, einen Treffpunkt haben und Kontakt in ihre Heimatländer pflegen können, ist in Bosau der ehemalige Laden in der Straße Achter de Mur 22 angemietet worden. Mit großem Einsatz haben dort unter anderem Nader (32), Mohammad (46) und Mohsen (16) gespachtelt, gestrichen, Regale aufgebaut. Seit gestern werden dort Bekleidung, Geschirr, Hausrat angenommen und gegen eine kleine Geldspende abgegeben. In Kürze können auch vier PC-Plätze mit Internetanschluss in Betrieb genommen werden. Noch heißt der Treffpunkt Kleiderkammer, Namensvorschläge nimmt die Gemeinde noch entgegen. Eingebracht wurden bereits „Jack‘ und Büx“ und „Miteinander“.

 ben

LN

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