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Ostholstein In der Walachei hat deutsche Bürokratie einen guten Ruf
Lokales Ostholstein In der Walachei hat deutsche Bürokratie einen guten Ruf
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23:16 16.03.2016
Besuch aus Amara im Kreishaus: Daniela Bunea (v. l.), Leiterin des dortigen Europa-Büros, Bürgermeister Victor Moraru, der frühere Kreistagsabgeordnete Volker Lohr, Larisa Mihai, büroleitende Beamtin der Stadtverwaltung Amara, und Kreispräsident Ulrich Rüder. Quelle: Petersen

Deutsche Bürokratie gilt gemeinhin als besonders dicht und umfassend. Doch im Vergleich zu Rumänien haben wir eine ausgesprochen schlanke Verwaltung, meint der frühere stellvertretende Landrat Volker Lohr. „In Rumänien werden ganze Wälder durch den Kopierer gejagt“, kommentiert der frühere Oldenburger SPD-Kommunalpolitiker die dortige Papierproduktion der Verwaltung.

Lohr berät in dem EU-Land im Rahmen des Senioren-ExpertenService (SES) Verwaltungen. Im vergangenen Herbst war er in Amara. Jetzt ist der Bürgermeister der Stadt aus der Walachei zwischen Bukarest und Konstanza zu Besuch in Ostholstein. Hier will sich Victor Moraru ein Bild der deutschen Kommunalverwaltung machen.

Nach Besuchen im Kieler Landeshaus am Montag und im Oldenburger Rathaus am Dienstag wurde Moraru gestern von Kreispräsident Ulrich Rüder (CDU) empfangen. Rüder erläuterte ihm die Verwaltung und Politik auf Kreisebene. Der Gast wird mit seiner kleinen Delegation noch den ZVO in Neustadt und das Rathaus Malente besuchen, bevor es am Wochenende zurück nach in Heimat geht.

Dort wird derzeit an einer Kommunalverfassung gearbeitet. „Rumänien steht am Anfang eines neuen Weges“, erläuterte Moraru, es gehe um die Anpassung an europäische Standards. Deshalb wolle er wissen, wie in Ostholstein Verwaltung funktioniert und welche Strukturen, wenn möglich, übernommen werden können. Den Austausch, für den er sehr dankbar sei, wolle er gern fortsetzen.

Volker Lohr war für den SES inzwischen drei Mal in Rumänien. Die Stadtverwaltung Amara nahm er auf deren Wunsch im Oktober/November 2015 unter die Lupe. In seinem Bericht machte er 13 konkrete Verbesserungsvorschläge. Der Rathausverwaltung bescheinigte er Engagement und eine Dienstleister-Mentalität, die „auch in Deutschland nicht unbedingt selbstverständlich“ sei. Aber die Verwaltungsabläufe schilderte er als aufgebläht, oft Folge rumänischer Gesetze und Vorschriften. „Jede Bearbeitung von Sachverhalten wird abgestempelt und vom Bürgermeister abgezeichnet“, schreibt Lohr in seinem Report.

Lohr zeigte trotzdem Spielraum auf. Statt 13-seitige Anträge auf Sozialhilfe von den Bedürftigen alle drei Monate vollständig neu ausfüllen zu lassen, empfahl er einen Erstantrag und, sofern sich nichts geändert hat, alle drei Monate eine quittierte Bestätigung dafür. Was Lohr in Rumänien gefällt, ist die starke Stellung des Bürgermeisters. Nicht die Selbstverwaltung, sondern der Bürgermeister bestimme zum großen Teil die Grundzüge der Stadtpolitik. Die Ratsversammlung sei so etwas wie sein Aufsichtsrat. Lohr könnte sich dieses Modell auch in Deutschland vorstellen. pet

Senior-Experten weltweit im Einsatz

Der Senior-Experten-Service (SES) ist eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. Er vermittelt Fach- und Führungskräfte im Ruhestand, damit sie ihre Erfahrungen in den Dienst der Entwicklungszusammenarbeit stellen. Schwerpunkt der Tätigkeit der ehrenamtlichen Senior-Experten ist die Lösung akuter technischer oder betriebswirtschaftlicher Probleme in kleinen und mittleren Unternehmen. Auftraggeber sind aber auch öffentliche Einrichtungen, Kommunen und gemeinnützige Träger. Die aus dem Berufsleben ausgeschiedenen Experten sollen zugleich das Personal vor Ort anleiten und qualifizieren. Seit der Gründung 1983 hat der SES fast 30 000 Einsätze in 160 Ländern ermöglicht.

LN

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