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Ostholstein Ingo Gädechens für Ostholstein in Berlin
Lokales Ostholstein Ingo Gädechens für Ostholstein in Berlin
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16:02 09.03.2019
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf Wahlkampfbesuch bei Ingo Gädechens in Eutin. Quelle: EUT
Berlin/Burg

Vielleicht lernt man aus Niederlagen mehr als aus Siegen. Für Ingo Gädechens begann der Weg in den Bundestag 2005 jedenfalls mit einer bitteren Niederlage. Nur wenige hundert Erststimmen fehlten dem CDU-Kandidaten für das Direktmandat. Nicht er, sondern Bettina Hagedorn (SPD), löste vor 14 Jahren das Direktticket nach Berlin. Heute gesteht Gädechens, damals Leiter der Marineortungsstelle Staberhuk, nach der knappen Wahlniederlage sei er „in ein tiefes Loch gefallen“. Er dachte darüber nach, die große Politik sausen zu lassen.

Viele Gespräche führten zur zweiten Chance

Zumal er sich in der Kommunalpolitik stets sehr wohl gefühlt hat. So war er viele Jahre CDU-Fraktionschef, erster Stadtrat und als Kreistagsabgeordneter stellvertretender Landrat. Und man sieht die Ergebnisse dieser ehrenamtlichen Arbeit vor Ort viel unmittelbarer als dies im langwierigen Berliner Politikbetrieb möglich ist. Doch Gespräche mit seiner Ehefrau und Parteifreunden, etwa mit seinem politischen Ziehvater Richard Henneberg und dem Landtagsabgeordneten Klaus Klinckhamer, führten zu einer anderen Entscheidung. „Wenn man sich anstrengt, bekommt man eine zweite Chance“, sagt der heute 58-Jährige. Vier Jahre später kandidiert er erneut und holt das Direktmandat für die CDU, das er bei den letzten beiden Wahlen verteidigen konnte.

Glückliche Kindheit direkt am Meer

Der junge Ingo wuchs in Niendorf an der Ostsee auf, erzogen vor allem von einer „strengen Großtante“, die das Postamt leitete. Die Sehnsucht nach dem Meer, nach der Ferne, die den Jungen damals überkam, begleitet ihn bis heute. Neue Nahrung erhielt der Wunsch, zur See zu fahren, als er bei einem Fischer hin und wieder auf einem Gäste-Segelboot mitfahren durfte. Selbst mal die Pinne oder das Steuerrad halten, sich fast schon wie ein Kapitän fühlen, das war`s. In den Ferien jobbte er auf Fahrgastschiffen, die seinerzeit zu Butterfahrten mit zollfreiem Einkauf lockten. Doch dann wieder so ein Tiefschlag.

Ab 1986 Berufssoldat auf der der Insel Fehmarn

Die Mittlere Reife und den seemännischen Ausbildungsvertrag bei einer Reederei in der Tasche, wurde eine Rot-grün-Farbschwäche festgestellt. Der Traum vom Kapitänspatent war ausgeträumt. Doch Gädechens wollte unbedingt zur See. Diese Chance bot ihm die Marine. Somit heuerte er zunächst als Zeitsoldat an und diente ab 1984 als Berufssoldat. 1986 – im Jahr seiner Hochzeit – wurde das junge Ehepaar auf der Insel Fehmarn sesshaft, weil die Bundeswehr für ihn Verwendungen auf den Radarstationen Westermarkelsdorf und Staberhuk vorgesehen hatte. Das war noch in der Zeit des Kalten Krieges, als jede Schiffsbewegung des Gegners aus dem Ostblock peinlich genau verfolgt wurde.

Kürzungen des Wehretats bis heute spürbar

Noch heute habe er „den Finger am Puls der Truppe und spüre das Band der Kameradschaft“, sagt Gädechens in seinem Bundestagsbüro in der Wilhelmstraße im ehemaligen Ostteil Berlins. Dass die Bundeswehr nach der Wiedervereinigung zum „Sparschwein der Nation“ degradiert wurde, ärgert den Verteidigungspolitiker bis heute. „Entsetzt und mit offenem Mund“ habe er vor Jahren die Ankündigung des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) aufgenommen, der mal eben acht Milliarden Euro zur Haushaltskonsolidierung aus dem Wehretat abgeben wollte. Aufgrund der weltweit angespannten Sicherheitslage und der gefährlichen Auslandseinsätze müsse sich hier spürbar etwas ändern. Die Bundeswehr bekomme inzwischen zwar wieder mehr Geld, doch die Auswirkungen der jahrelangen Kürzungen seien bis heute spürbar.

Der CDU-Abgeordnete setzt sich seit zehn Jahren im Bundestag für Ostholstein ein.

Kampf um die Instandsetzung der „Gorch Fock

Deutlich werde das an immer neuen Negativschlagzeilen zur „Gorch Fock“, defekten U-Booten und anderen nicht einsatzbereiten Schiffen, Flugzeugen, Panzern. Zum Segelschulschiff, das der „Spiegel“ verächtlich zum „Narrenschiff“ deklarierte, hat Gädechens eine klare Meinung. Die Marine brauche ein solches Schiff. Wer auf engstem Raum über Wochen hinweg auf See die Gewalten von Wind und Wellen kennen gelernt habe, der sei auch in der Lage, auf hochmodernen Fregatten und Korvetten Dienst zu leisten. Neudeutsch heiße so etwas „Teambuilding“. Die „Gorch Fock“ müsse weiter instand gesetzt und rasch schwimmfähig gemacht werden, fordert Gädechens. „Das ist kein Schrott, sondern hoffentlich bald ein runderneuertes Segelschulschiff, um das uns viele Nationen beneiden werden“, blickt er in die Zukunft.

Nächtliche Telefonate für das Aufklärungsbataillon 6 in Eutin

Heftige Kämpfe auszufechten gab es auch in der Zeit, als viele Bundeswehrstandorte geschlossen wurden. Eigentlich, so die Pläne aus Berlin, sollte auch der Standort Eutin mit dem Aufklärungsbataillon 6 dran glauben. Es bedurfte vieler Anstrengungen und nächtlicher Telefonate mit dem Minister, bis diese Einheit – die letzte des Heeres im Norden – vor der Schließung gerettet werden konnte, erzählt Gädechens stolz. Außerdem ist er seit 2018 als einziger schleswig-holsteinischer Abgeordneter ordentliches Mitglied im Haushaltsausschuss, dem Königsausschuss, da maßgeblich hier das Geld verteilt wird.

Denkmäler, Lärmschutz – Zukunftspläne für seine Heimat

Für seinen Wahlkreis wie für ganz Schleswig-Holstein habe er so „einiges auf dem Zettel“. Viele denkmalgeschützte Kirchen und Gebäude konnten aus dem Sonderprogramm für Denkmalschutz profitieren, etwa das Schloss Eutin, die Kirchen in Landkirchen, Grube und Süsel. Vier Millionen Euro gibt es für die Erneuerung des Umwelthauses in Pelzerhaken bei Neustadt. Ein „ganz dickes Brett“, an dem Gädechens derzeit bohrt, ist der Lärmschutz über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus, der an der Schienenhinterlandanbindung des künftigen Fehmarnbelt-Tunnels installiert werden soll. Die Bahn – und damit der Bund – stehe in der Pflicht, die Beeinträchtigungen durch den künftigen Verkehr so gering wie möglich zu halten, meint der CDU-Abgeordnete.

Idee eines Fehmarnbelt-Dialogforums gab es schon vor Jahren

Er hatte erst kürzlich Betroffene aus Ostholstein in Berlin zu Gast, um die weiteren Schritte im entscheidenden Jahr 2019 zu besprechen. Als Gädechens vor knapp zehn Jahren die Idee vorbrachte, dem Planfeststellungsverfahren ein Raumordnungsverfahren mit breiter Bürgerbeteiligung und dem heutigen Dialogforum vorzuschalten, meinte der damalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen nur knapp: „Denn maakt wi dat.“ Eine Antwort, die Gädechens gefiel. Er hat als einer von wenigen Abgeordneten eine Rede in Plattdeutsch im Bundestag gehalten.

Reinhard Zweigler

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