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Inklusion an der Schule: Das Land lässt alle warten

Fehmarn Inklusion an der Schule: Das Land lässt alle warten

Eltern und Schulleiter kritisieren die Kieler Informationspolitik — Unklarheit bei Schulbegleitern — Viele warten auf Arbeitsverträge.

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Lebhafte Pause auf dem Schulhof in Burg: Ab Montag werden auch hier die neuen Schulassistenten erwartet. Doch wie viele werden kommen? Bis gestern änderte sich immer wieder der Stand.

Quelle: Schwennsen

Fehmarn. Das Zauberwort heißt Inklusion. Es geht vor allem um das Miteinander von Kindern mit und ohne Handicap im Schulalltag. Multiprofessionelle Teams sollen künftig die Grundschulen im Lande erheblich stärken. Dafür werden landesweit 542 Schulische Assistenzkräfte eingesetzt — ab Montag auch in Ostholstein. Direkt vom Ministerium eingestellt werden bis April 29 Kräfte.

Doch bis zuletzt änderten sich die Informationen, die in den Schulen eintrudeln, fast täglich, auch noch gestern. Das beflügelt die kritische Diskussion über das Erfolgsmodell. Weil der ursprünglich angepeilte Start zum Schuljahresbeginn nicht klappte, konnte vorerst die bisherige Arbeit der Schulbegleiter in den ostholsteinischen Grundschule fortgesetzt werden. Doch jetzt kommt der große pädagogische Umbruch. Schulrat Manfred Meyer will die Schulleiter auf einer internen Zusammenkunft am 4. Februar umfassend informieren.

In vielen Schulen gärt es. Eltern sind beunruhigt, Schulleiter ratlos. Schulbegleiter, die seit Jahren erfolgreiche Arbeit leisten, haben erst sehr kurzfristig erfahren, ob sie ab Februar weiter tätig sein dürfen — oder nicht. Manche warten noch immer. Offen wird die schlechte Kommunikation angeprangert. Das Ministerium verweist auf Kündigungsfristen und Nachbesetzungen auf Grund von Absagen.

Kritik äußert Elke Händly. Sie betreibt das „Lernzentrum Großenbrode“ — und ist an der Grundschule Burg als Schulbegleiterin tätig. Ob auch ab Februar, weiß sie noch immer nicht zuverlässig. „Ich würde gerne an den neuen Strukturen, wenn sei tragfähig sind, mitarbeiten. Wenn die betroffenen Kinder hinten herunterfallen, haben wir sie verloren. Was wir leisten, ist extrem wichtig für die Gesellschaft.“

Doch die Realität sei für viele momentan höchst frustrierend. Händly: „Was macht eine Mutter, deren Kind bislang enorm von der Schulbegleitung profitiert hat, wenn sie drei Tage vorher eine Ablehnung bekommt und ihr Kind ab Montag keine Begleitung mehr erfährt?“

Die Burger Schulleiterin Ines Schmidt hört den Unmut täglich. Sie nennt Zahlen. In Burg war bislang für zwölf von 283 Kindern eine Schulbegleitung genehmigt — nach oft langwieriger Einzelfallprüfung. Die Förderschwerpunkte reichen von Defiziten in der geistigen Entwicklung und Wahrnehmungsstörungen bis zu hohem Aggressionspotenzial. Weitere sollen sogar auf einer Art Warteliste stehen. Und was kommt jetzt? Schmidt kritisiert vor allem die Kurzfristigkeit der Entscheidungen. Bis Mitte der Woche gab es erst für sechs der zwölf Kinder mit Schulbegleitung eine weitere Planungssicherheit. Gestern hat sich die Zahl auf neun erhöht.

Dazu gibt es ein Verwirrspiel hinter den Kulissen. Landrat Reinhard Sager (CDU) schlug dem Land im Mai eine einheitliche, verlässliche Systemumstellung erst zum Schuljahr 2016/17 vor. „Diese Anregung wurde seitens des Landes nicht aufgegriffen“, so Kreissprecherin Anja Sierks-Pfaff. Nur die Schulträger in Scharbeutz, Timmendorfer Strand, Bosau und Süsel haben die Umsetzung des neuen Konzeptes zum 1. August 2015 vollzogen, der Schulverband Oldenburg-Land plant es für den 1. August 2016.

Gerd-J. Schwennsen

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