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Ostholstein Inklusive Hofgemeinschaft: Zusammen leben und arbeiten
Lokales Ostholstein Inklusive Hofgemeinschaft: Zusammen leben und arbeiten
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20:12 27.05.2016
Volker Köpke pflanzt auf den Feldern nahe Süssau unter anderem Kürbisse und Zucchini an. Hier zeigt er Maispflanzen. Quelle: Fotos: Peter Mantik (2)

Dieser Tage steht viel Feldarbeit auf dem Tagesprogramm. Es werden Kürbisse und Zucchini wie auch diverse Salate gepflanzt. Die Menschen, die auf den Flächen nahe Süssau die Arbeit von Hand verrichten, haben zusammen die Hofgemeinschaft Fargemiel gegründet. Das Besondere: Hier wird Inklusion gelebt.

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Starten voller Zuversicht in die Zukunft (v. l.): Ursula Kargoll, Timo und Nele Wiechmann mit Sohnemann Jari.

Hofgemeinschaften

12 eigenständige inklusive Hofgemeinschaften gibt es in Schleswig-Holstein. Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaften sind fördernde Lebensorte für Menschen mit und ohne Einschränkungen. Sie werden vom Kreis Ostholstein als Eingliederungsmaßnahme anerkannt.

Sie orientieren sich an dem Weltbild der Anthroposophie, also eine spirituelle und esoterische Weltanschauung.

Es ist die erste Gemeinschaft dieser Art im Kreis. 13 Bürger, darunter fünf Kinder, leben und arbeiten gemeinsam, betreiben biologisch-dynamischen Gartenbau, einen Demeter-Bioladen, sind mit ihren Waren beim Wochenmarkt vertreten und wollen zukünftig auch landwirtschaftliche Erzeugnisse wie mit Hühner- und Schweinehaltung produzieren.

Ursula und Rainer Kargoll betrieben seit 1997 die Gärtnerei in Fargemiel. Doch der Wunsch nach Veränderung wurde immer stärker. Gemeinsam mit Timo und Nele Wiechmann entstand die Idee dieser Hofgemeinschaft. Bis zu sechs Mitbewohner mit psychischen und seelischen Beeinträchtigungen werden im Alltag betreut. „Sie sind sehr selbstständig, benötigen aber etwas Hilfe, um den Alltag zu meistern oder sogar auf den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren“, erläutert Ursula Kargoll, die Krankenschwester ist und auf große Erfahrung in der Sozialtherapie und psychiatrischen Pflege zurückgreifen kann. Ihr Mann Rainer ist Gärtnermeister, begleitet die Mitbewohner bei ihrer Tätigkeit auf den Feldern. Timo und Nele Wiechmann sind beide Diplom-Agrar-Ingenieure mit Zusatzqualifikationen – sodass eine Menge Fachwissen als Startkapital vorhanden ist.

„Wir empfinden diese Art zu leben als besonders sinnhaft und fortschrittlich“, erklärt Nele Wiechmann. „Wir stellen her, was wir selbst verzehren oder verkaufen können.“ Das Motto: gemeinsam arbeiten und gemeinsam leben. Den Mitbewohnern helfen feste Strukturen, den neuen Alltag zu meistern. Sie alle leben auf engem Raum zusammen. „Wir haben unsere Familie quasi vergrößert“, sagt Wiechmann. Es gebe da stressige und glückliche Momente, wie in jeder anderen Familie. Und Ursula Kargoll ergänzt: „Aber natürlich hat jeder auch Freiraum für sich.“

Die Vorarbeiten hatten es in sich: Die Gärtnerei wurde in großen Teilen entkernt, saniert und umgebaut. Die Zimmer der Mitbewohner sind etwa 17 Quadratmeter groß, haben teilweise ein eigenes Bad oder eine Teeküche. Auch ein Gemeinschaftsraum, in dem es eine Küche, einen großen Tisch sowie Sofa und sogar ein Klavier gibt, wird von allen genutzt. Der Hof hat eine Größe von 7000 Quadratmeter, das Pachtland mit den Feldern umfasst zwei Hektar. Neben den Menschen leben zwei Ponys, ein Esel, zwei Katzen und Meerschweinchen in der ländlichen Idylle.

Der Start ist geschafft. Nun hoffen die Betreiber, die auch einen Verein gegründet haben, zusätzlich auf externe Hilfe. Denn noch ist das Projekt wirtschaftlich nicht zu 100 Prozent abgesichert.

Gäste sind jederzeit willkommen.

Peter Mantik

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