Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Inselinitiative gegen Plastikmüll gestartet
Lokales Ostholstein Inselinitiative gegen Plastikmüll gestartet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:56 05.06.2015
Dieser Müll stammt von der Inselküste: Die Strandpaten Fehmarn haben einen Anhänger voll gesammelt. Claus Küster (r.) präsentierte die „Fundstücke“ Bürgermeister Jörg Weber (l.) und Minister Robert Habeck.
Burg a. F

Der Auftakt gestern am „Internationalen Tag der Umwelt“ war bewusst gewählt. Und für Robert Habeck (Grüne) weit mehr als nur eine ministerielle Pflichtübung. Ganz im Gegenteil: Der schleswig-holsteinische Umweltminister gab im Burger Rathaus sehr gerne den offiziellen Startschuss für eine beispielhafte Inselinitiative gegen Plastikmüll. An seiner Seite standen Bürgermeister Jörg Weber (SPD), aber auch die vielen lokalen Akteure unter Federführung des Umweltrates Fehmarn.

„Danke, dass Sie alle diese Arbeit leisten, und danke, dass Sie damit vorangehen“, betonte Habeck. Wichtigstes Ziel der Kampagne „Fehmarn — im meer weniger plastik“ ist es, dass möglichst viele Menschen und Unternehmen freiwillig auf Einweg-Plastiktüten verzichten. Dadurch wollen die Mitstreiter einen ersten wirksamen Schritt gegen die Vermüllung der Weltmeere gehen, die auch vor der Ostsee nicht haltmacht.

Habeck unterstrich daher: „Das ist keine Alibikampagne“. Denn der Haupteintrag von Müll in Landschaft und Meere stamme aus den tourismusintensiven Küstenorten. Mit fatalen Folgen: Plastik und Mikroplastik schadet in besonderer Weise der Meeresumwelt. Seevögel verhungern, weil sie Plastik statt Nahrung im Magen haben. Fast noch gruseliger: Über unsere Nahrungskette droht Mikroplastik, über Jahrzehnte hinweg durch Sonne und Seewasser zersetzt und von den Fischen aufgenommen, ungewollt auf der Speisekarte der Menschen zu landen.

Das Besondere an der Initiative ist, dass ein breites Bündnis diese vorbildliche Kampagne trägt. Der Nabu hat Fehmarn deshalb als Pilotkommune im Rahmen des Projektes „Regionale Maßnahmen gegen Müll im Meer“ ausgewählt. Im Rathaus verlieh Margit Maaß (CDU) vom Umweltrat Fehmarn gestern bereits die ersten Urkunden an Unternehmen, die auf Plastiktüten ganz verzichten. Von vielen anderen liege, so Maaß, eine Absichtserklärung vor. Und wer gestern wollte, konnte auf dem Burger Marktplatz seinen heimischen Plastiktütenbestand ausmisten — und erhielt als Ersatz dafür einen Baumwollbeutel mit dem Logo der Initiative. Der ZVO übernahm bei der Tauschaktion die Entsorgung.

Zu den Initiatoren auf der Insel gehören neben dem Umweltrat das Wasservogelreservat Wallnau (Nabu), die Strandpaten Fehmarn, der Verein Wassersport Fehmarn, die Surfrider-Foundation und die Grünen.

Sie alle setzen, was Habeck besonders hervorhob, auf das Prinzip Freiwilligkeit und gegenseitiges Vertrauen zwischen Umwelt und Naturschutz, Tourismus und Wirtschaft. So bietet die VR Bank bis zum 31. Juli Raum für die Nabu-Ausstellung „Plastik wie Sand am Meer — alle betroffen — jeder gefordert“. Parallel läuft im Burger Rathaus die Wanderausstellung „Mensch — Müll — Meer“ der EUCC (Küsten Union Deutschland), die zum Auftakt im Meeresmuseum Stralsund weit über 100000 Besucher erreicht hat.

Fehmarn übernimmt — wie schon einmal beim Fischerei-Projekt „Fishing for Litter“ — damit erneut eine Vorreiterrolle. Nicht ohne Grund: Denn auch Fehmarn ist von Vermüllung betroffen. Bis zu 90 Müllteile finden sich bei Sammelaktionen durchschnittlich auf 100 Metern Küstenlinie. Mehr als ein Viertel davon besteht aus Plastik.

Gerd-J. Schwennsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!