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Ostholstein Integrationshotel statt Haus des Gastes
Lokales Ostholstein Integrationshotel statt Haus des Gastes
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10:38 21.03.2017
Die Eutiner Stadtbucht soll nach dem Willen von „Die Ostholsteiner“ ein schöner Arbeitsplatz für Behinderte werden. Quelle: Foto: Ulrike Benthien
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Eutin

Ein solches Integrationshotel möchte das gemeinnützige Unternehmen „Die Ostholsteiner“ an der Eutiner Stadtbucht bauen und betreiben. Vorausgesetzt, die Eutiner stimmen am 7. Mai nicht mehrheitlich für den Erhalt des Hauses des Gastes.

Neue Idee für die Stadtbucht – „Die Ostholsteiner“ als Investor und Betreiber.

Gestern Abend gingen Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) und „Die-Ostholsteiner“-Geschäftsführer Reinhard Sohns mit der Idee an die Öffentlichkeit. Zuvor hatten sie die Fraktionsvorsitzenden der Eutiner Stadtverordnetenversammlung informiert. „Wir haben eine gute Alternative, die dürfen wir den Eutinern nicht vorenthalten“, begründete Behnk, warum er und Sohns gerade jetzt mit der Nachricht herauskamen. Damit, so der Bürgermeister, werde die Diskussion um das Haus des Gastes um eine weitere Facette erweitert. „Das ist eine relativ konkrete Alternative, die alle Zielrichtungen miteinander verbindet. Das ist das Tolle daran.“

Ursprünglich hatte ein Investor die Idee mit dem Integrationshotel, brauchte allerdings einen Betreiber, den er in „Die Ostholsteiner“ hätte finden können. Doch der Kontakt kam nicht zustande, und Sohns klopfte ab, ob sein Unternehmen nicht selbst Investor und Betreiber sein könnte. Das könne funktionieren, fand er heraus. Denn anders als nicht-integrative Unternehmen bekommen „Die Ostholsteiner“ außer den üblichen Zuschüssen noch eine zusätzliche Förderung vom Integrationsamt des Landes pro integrativem Arbeitsplatz. Dessen Töpfe speisen sich aus der Ausgleichsabgabe, die Betriebe zahlen müssen, die nicht genug Behinderte einstellen.

Es ist nicht das erste Projekt, das die frühere Ostholsteiner Behindertenhilfe gGmbH stemmt. „Wenn eine Kommune ein Thema hat, überlegen wir, ob wir mitmachen können“, sagt Sohns, dem es darum geht, für Menschen mit Behinderung außerhalb von speziellen Werkstätten ganz normale Arbeitsplätze zu schaffen. So betreibt das Unternehmen seit zwölf Jahren ein Kino und seit acht Jahren ein Café in Oldenburg, außerdem eine Wäscherei und ein Reinigungsunternehmen in Eutin, wo auch die Verwaltung sitzt. Da kommt wieder die Hotelidee ins Spiel. Nicht nur, so Sohns, dass dafür benötigte Dienstleistungen bereits in der Nähe vorhanden sind, das alles muss auch nicht im Hotelbau untergebracht werden. Der müsse zudem nicht so viele Zimmer haben wie ein nicht speziell gefördertes Hotel ohne integrativen Anspruch.

Für die Stadtbucht denkt Sohns an ein Drei-Sterne-Hotel mit maximal 45 Zimmern, einem kleinen Wellnessbereich mit Sauna und einer schlanken Gastronomie mit Außenterrasse, die auch den Eutinern offen stehen soll. „Wir möchten für Menschen mit und ohne Behinderung gute Arbeitsplätze an einem besonders schönen Ort schaffen“, sagte Sohns. Zudem wolle er bestehenden Angeboten keine Konkurrenz machen.

Deshalb bekomme das Hotel kein Schwimmbad, das liege gleich um die Ecke, und keinen Tagungsbereich. Den biete das Schlosstheater.

Zunächst will Sohns den Bürgerentscheid abwarten. Sollten die Eutiner entscheiden, dass das Haus des Gastes abgerissen werden kann, werde er sofort einen Architektenwettbewerb ausloben, mit klaren Vorgaben: kein Klotz, der Landschaft angepasster Baukörper, viel Transparenz zum See hin.

Behnk verspricht sich vom Bürgerentscheid „ein Signal, ob die Eutiner das wollen“. Stimmen die gegen den Erhalt des Hauses des Gastes, ist die Politik gefragt. Der Grundsatzbeschluss für eine Hotelansiedlung ist zwar gefasst, das Baurecht muss aber noch geschaffen werden.

„Die Ostholsteiner“ beschäftigen 930 Mitarbeiter, davon 550 mit Behinderungen. Gesellschafter sind die Lebenshilfe und der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Podiumsdiskussion zum Haus des Gastes

Gegner und Befürworter des Hauses des Gastes sollen vor dem Bürgerentscheid noch einmal ausgiebig zu Wort kommen. Deshalb veranstalten die Lübecker Nachrichten und der Ostholsteiner Anzeiger gemeinsam eine Podiumsdiskussion, bei der beide Seiten ihre Positionen darlegen und Fragen der Eutiner beantworten.

Diskutiert wird am Dienstag, 25. April, um 19.30 Uhr in den Schlossterrassen. Eingeladen werden Vertreter der Bürgerinitiative „Erhaltung und Sanierung Haus des Gastes“, der Politik, die den Abriss befürwortet, aber auch Redner, die keiner der beiden Gruppen zugerechnet werden können.

 Susanne Peyronnet

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