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Ostholstein „Irgendetwas muht hier immer“
Lokales Ostholstein „Irgendetwas muht hier immer“
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12:31 03.01.2016
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Neustadt

Die Kuhkucksuhr schlägt zwölf. Toaster und Wasserkocher muhen. Eine Holzkuh mit rosa Schnauze empfängt Besucher mit einem Schild, auf dem Kuht‘n Tag steht. Wer die Wohnung der Neustädterin Renate Axnick betritt, ist leicht überfordert. Die Augen finden kaum einen Fixpunkt. Dicht an dicht stehen, hängen und liegen meist schwarz-weiße Kühe. Ob Tassen, Gläser, Klopapierhalter, Kissen, Bettdecke, Tischuntersetzer oder Handyhülle, die Vierbeiner zieren so ziemlich jeden Gegenstand. Es ist ein (K)U(h)niversum. „Irgendetwas muht hier immer“, sagt Axnick.

Angefangen hat alles mit einer rotbraunen Porzellankuh aus England. Sie ist ein Präsent von Elisabeth Gräfin zu Stolberg-Stolberg. Die frühere Eigentümerin von Gut Hasselburg schenkte sie Renate Axnick vor etwa 40 Jahren. „Damals haben wir noch auf Hasselburg gewohnt. Mein Mann ist dort aufgewachsen, und ich habe bei den Kühen geholfen“, erinnert sie sich. Renate Axnick erzählt, dass die Kuh eine Art Inspiration gewesen sei und sie fortan immer mehr Kühe um sich herum hatte. „Ich bin da konsequent“, sagt sie überzeugend.

Die Liebe zu Rindern scheint grenzenlos. „Ich weiß kein Tier, welches nützlicher ist. Dieser modelhafte Gang, und nie ist mir eine Kuh böse“, schwärmt sie. Doch damit nicht genug: Renate Axnick trinkt nur Milch und Kaffee. Und — wen wundert es — sie isst kein Rindfleisch. Was ungewöhnlich klingt und auf den einen oder anderen so wirken mag, erscheint nach wenigen Minuten in der Stube der Neustädterin äußerst liebenswert. „Ich sammle nicht, ich lebe damit“, betont sie. Und davon abgesehen, sei ein Leben ohne Kühe gar nicht mehr möglich. „Dann müsste ich ja meinen kompletten Hausstand neu kaufen. Dafür habe ich gar kein Geld“, sagt sie.

Doch woher kommen all die Figuren und mit Kuhmotiven bedruckten Kissen, Töpfe, Seifenspender, Wärmflasche und Kalender? „Die meisten Sachen habe ich auf dem Flohmarkt entdeckt“, sagt Renate Axnick.

Außerdem hat sich ihre Leidenschaft längst rumgesprochen. Viele Neustädter Geschäftsleute haben ihr schon Kuhutensilien geschenkt und auch die vier Kinder, sieben Enkel und drei Urenkel sorgen für Nachschub. Und weil die Familie nicht nur fleißig ist, sondern von Renate Axnick auch innig geliebt wird, hängen Dutzende Bilder von ihnen im Wohnzimmer. „Das muss sein“, betont sie und zeigt sehr deutlich, dass nicht nur Kühe ihr Herz berühren. Und dann ist da ja auch noch ihr Mann Helmut, der, wie sie versichert, nichts gegen ihre Herde habe. „Er hilft mir beim Putzen und er entstaubt die Figuren mit einem Pinsel“, erklärt sie.

Ach ja, und wer nun glaubt, mit Kühen könne man kein Weihnachten feiern, der irrt gewaltig. Renate Axnick hatte einen schwarz-weißen Stern im Fenster hängen, und an der Wand prangte ein Kalender mit der Aufschrift „Ihr Rinderlein kommet“. Den Tannenbaum zierten Kuhkugeln, die Kerzen wurden natürlich mit einem Feuerzeug angezündet, das aussieht wie eine Kuh mit Teufelshörnern. Unklar ist nur, ob Renate Axnick ihrem Mann einen „Kuhten“ Rutsch ins neue Jahr wünschte.

Sebastian Rosenkötter

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