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Ostholstein „Jachen Flünk“ braucht neue Flügelwelle
Lokales Ostholstein „Jachen Flünk“ braucht neue Flügelwelle
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20:34 07.04.2017
Georg Hüttmann (rechts) vom Heimatverein Fehmarn zeigt auf die altersschwache Flügelwelle, die dringend ausgetauscht werden muss. Aufmerksame Zuhörer sind ganz oben in der 22 Meter hohen Mühle Karsten Wittorf, Klaus Klahn, Uwe Erich und Rudi Hagen (von links). Quelle: Fotos: Schwennsen

Die Kosten veranschlagen die Gutachter auf rund 35 000 Euro.

In die Segelwindmühle Lemkenhafen müssen rund 35 000 Euro investiert werden.

Der Heimatverein Fehmarn

Zwei Museen betreut der Heimatverein Fehmarn: das Mühlenmuseum in Lemkenhafen und das Fehmarn-Museum in Burg.

120 Jahre: Auch das Heimatmuseum hat Jubiläum. 1897 wurden in der ehemaligen Lateinschule die ersten zwei Räume eingerichtet.

Nach Ostern findet am Dienstag, 25. April, die Mitgliederversammlung in Burg statt. Beginn ist um 18 Uhr in der „Burg-Klause“.

Allein kann der Verein zur Sammlung Fehmarnscher Altertümer, kurz auch Heimatverein Fehmarn genannt, die Aufgabe nicht stemmen. Schon vor zwei Jahren wandte er sich deshalb hilfesuchend an Landeskonservator Dr. Michael Paarmann. Der signalisierte damals Gesprächsbereitschaft über eine Bezuschussung (die LN berichteten). „Inzwischen haben wir inklusive eigener Mittel 25 000 Euro zusammen“, bilanzierte diese Woche Heimatvereins-Vorsitzender Uwe Erich: „Und ein Antrag steht noch aus.“ Er hofft zudem auf weitere Initiativen der Insulaner. Denn seit Jahresbeginn ist der Verein gemeinnützig und kann Spendenbescheinigungen ausstellen.

Anlass der Zwischenbilanz war ein erfreulicher: Karsten Wittorf von der Sparkasse Holstein und Rudi Hagen von der VR Bank spendeten jeweils 1500 Euro. An diesen Tag werden sie sich wahrscheinlich noch lange erinnern. Denn sie „durften“ die engen hölzernen Treppen hinaufklettern, um in fast 22 Meter Höhe ganz oben die altersschwache Flügelwelle zu bestaunen. Mit 30 Jahren hat sie ihr normales Lebensalter von 25 Jahren bereits weit überschritten, der Vorgänger fiel 1986 einem schweren Sturm zum Opfer.

„Sie ist ein wesentlicher Teil des Antriebes“, erläuterte Georg Hüttmann. Weil sie schwächelt, dreht sich die Mühle in der Saison weniger häufig als sonst. Museumsleiter Klaus Klahn will nicht unnötig Schäden an den jeweils zwölf Meter langen Flügeln oder dem zur Zeit noch winterfesten Kammrad, die durch die Flügelwelle miteinander verbunden werden, riskieren.

Eigentlich schade: Denn im Prinzip könnte in Lemkenhafen – passend zur heutigen Nutzung als Mühlen- und Landwirtschaftsmuseum – sogar noch Getreide gemahlen werden. Klahn: „Der letzte Müllermeister hat hier 1954 Konkurs gemacht.“ Zehn Tage Vorlauf und ein versierter Müllermeister – dann könnte es hier wieder losgehen.

Hüttmann staunt über die bis heute beeindruckende Technik: „Sie läuft wie ein überdimensionales Uhrwerk.“ Dabei wird die 1787 vom Kornhändler und Schiffsreeder Joachim Rahlff (1756 bis 1830) für damals 22 000 Reichstaler gebaute Segelwindmühle 2017 bereits stolze 270 Jahre alt. In die Instandhaltung wurde laut Uwe Erich seit 1986 rund eine halbe Millionen Euro investiert.

Um 1900 herum gab es auf Fehmarn noch 22 Mühlen, davon allein vier in Burg. Heute stehen auf der Insel nur noch drei: neben Lemkenhafen noch in Dänschendorf und in Petersdorf, die beiden letzteren werden aber nur noch zu Wohnzwecken genutzt.

 Gerd-J. Schwennsen

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