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Jäger fordern mehr Zeit für die Damwild-Jagd

Ostholstein Jäger fordern mehr Zeit für die Damwild-Jagd

90 Tage machen den Unterschied, sagen die Jäger. Weil die Jagdzeit auf Damwild 2014 verkürzt wurde, nimmt diese Wildart zu. Zu sehr, sagen die einen. Andere sehen es teils erfreut, teils kritisch. Jäger, Landwirte und das Kieler Umweltministerium  haben ihre eigene Sicht auf das Damwild.

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Ganz entspannt liegt der Damhirsch im Malenter Wildgehege. In freier Wildbahn breitet sich diese Tierart zunehmend aus.

Quelle: Fotos: Peyronnet

Ostholstein. „Die Bestände sind relativ hoch“, sagt Jäger Otto Witt aus Gothendorf (Gemeinde Süsel), Beisitzer im Vorstand des Landesjagdverbandes. Das kann zum Problem werden. Damwild hat Hunger. Den stillt es im Wald und auf Feldern. Es muss nicht immer so kommen wie in Barkau, wo vor einigen Jahren 110 Tiere auf einen Acker einfielen und den Raps vernichteten. „Wenn die Rosette kaputt gebissen wird, kann die Pflanze keine Triebe mehr bilden“, erläutert Witt, welchen Schaden Damwild anrichtet.

 

LN-Bild

Landwirt und Jäger Frank Schumacher kann mit Damwild gut leben.

Das Problem mit zu vielen Tieren sieht er vor allem darin, dass die Jagdzeit verkürzt wurde. Durfte diese Tierart früher ab 1. Juli bejagt werden, ist sie jetzt erst ab 1. September zum Abschuss freigegeben bis zum 31. Januar. Damals war es noch bis Ende Februar. „Diese 90 Tage fehlen uns“, sagt Witt, obwohl die Abschusszahlen im Kreis Ostholstein etwa gleich geblieben seien.

Differenziert sieht Frank Schumacher, Landwirt, Jäger und gemeinsam mit seiner Frau Inhaber des Ferienhofes Radlandsichten in Malente das Damwild. Schumacher ist Vorsitzender des Hegerings Malente.

„Fakt ist, dass wir zunehmende Schalenwildbestände haben. Wir haben sehr starke Rudel und eine sehr starke Verbreitung“, sagt er, sieht aber nur teilweise ein Problem darin. „Lasst sie doch ein paar mehr sein. Es ist doch auch schön, wenn man mal ein Stück Wild in der Landschaft sieht.“ Das freue auch die Gäste.

Jan-Wilhelm Hammerschmidt ist Kreisjägermeister im Kreis Plön und gilt als Damwildpapst Schleswig-Holsteins. Er sieht in der verkürzten Jagdzeit alles andere als eine Tierschutzmaßnahme. „Der Schuss ging nach hinten los. Das hat mit Sachkompetenz nichts zu tun.“ Anstatt Ruhe für das Wild zu erreichen, sei es durch den höheren Jagddruck in kürzerer Zeit zusätzlich gestresst. In der Zahl der Tiere sieht Hammerschmidt noch keine Plage, aber „wir sind reichlich gesegnet“. Zumal das Damwild in der Holsteinischen Schweiz mit ihren ertragreichen Böden und guten Eichen- und Buchenbeständen genug Nahrung finde. „Das Damwild will hier leben, weil der Tisch gut gedeckt ist.“

Dass nicht alles optimal ist im Reich des Damwildes sieht auch Schumacher. „Die Verteilung in der Landschaft ist nicht mehr wie früher.“ Die Landwirte litten unter den Wildschäden. Schumanns Fazit: „Ein Bauer, der kein Jäger ist, sagt, jedes Damwild ist Mist. Jeder Bauer, der Jäger ist, kommt damit zurecht.“

Hammerschmidt glaubt, dass der Damwildbestand nicht sofort, aber auf lange Sicht von den Jägern wieder reguliert werden kann. Gleichzeitig fordert er vom Kieler Ministerium, die alten Jagdzeiten für Damwild wieder einzuführen. Doch damit ist nicht zu rechnen. Nach Angaben des Kieler Umweltministeriums wurde die Landesjagdzeitenverordnung gerade erst vom Oberverwaltungsgericht in Schleswig bestätigt, entsprechende Klagen abgewiesen. „Eine Änderung der Jagd- und Schonzeitenverordnung wird vor diesem Hintergrund und aufgrund der bisherigen Erfahrungen nicht verfolgt“, teilte Ministeriumssprecherin Jana Ohlhoff mit. Zumal noch genauso viel geschossen werde wie zuvor. Die neuen Jagdzeiten sollten dem Wild mehr Ruhe gönnen. Beim Damwild habe der Muttertierschutz bei der Verkürzung der Jagdzeit im Sommer zudem eine entscheidende Rolle gespielt.

 Von Susanne Peyronnet

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