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Ostholstein Finger weg vom Feldhasen-Nachwuchs
Lokales Ostholstein Finger weg vom Feldhasen-Nachwuchs
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10:36 11.02.2019
Heiko Godow (l.) und Robert von Ahlen durchstreifen regelmäßig die Stadtjagd. Sie umfasst 260 Hektar. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Sie sehen niedlich aus und erwecken den Eindruck, als hockten sie verlassen in Feld und Flur. Aber das täuscht: Die ersten Junghasen des Jahres sitzen in ihrer Kuhle und warten darauf, dass ihre Mutter zu ihnen kommt. „Finger weg!“, bitten Robert von Ahlen, Pächter der Eutiner Stadtjagd, und sein Kompagnon Heiko Godow alle Spaziergänger eindringlich.

Auf keinen Fall sollten Tierfreunde den Hasennachwuchs berühren – die Mutter würde ihn nicht mehr annehmen. Die Jungen werden von den Häsinnen in der offenen Feldlandschaft geboren und dort zurückgelassen. Jede Häsin hat mehrere Babys, sie legt die bereits bei der Geburt behaarten und sehenden Jungen in mehreren sogenannten Sassen ab, dort verharren sie regungslos und sind aufgrund ihres geringen Eigengeruches und der guten Tarnung geschützt.„Die Jungtiere drücken sich ganz flach in ihre Bodenlunke hinein und sind so gut wie nicht zu sehen, bis man fast direkt vor ihnen steht“, sagt Heiko Godow. „Zweimal am Tag kommen die Mütter, um die Jungen zu säugen. Das ist das größte Risiko, dass sie entdeckt werden. Denn der schlaue Fuchs beobachtet und wartet.“ Weitere Feinde des Feldhasen sind Raben- und Greifvögel, auch Wildschweine.

Feldhasen können nicht per Hand aufgezogen werden

Wer ein vermeintlich verwaistes Jungtier mitnimmt, um es zum Tierarzt oder ins Tierheim zu bringen, fällt dessen Todesurteil. „Das kommt leider immer wieder vor. Aber eine Handaufzucht beim Feldhasen funktioniert nicht“, sagt Robert von Ahlen. Von „falsch verstandener Fürsorge“ spricht Heiko Godow, der beklagt, dass viele Menschen ein relativ schlechtes Verhältnis zur Umwelt hätten.

Tief duckt sich der Nachwuchs des Feldhasen in seine Mulden. Das erdbraune Fell ist eine gute Tarnung. Quelle: HFR

Der Nachwuchs bei Hasen stellt sich von Januar bis Juli ein, niedrige Temperaturen und Schnee in den Wintermonaten macht den Kleinen nichts aus. Von der fünften Woche an sind Junghasen selbstständig. Die Population der Feldhasen war in früheren Jahren aufgrund von verschiedenen Krankheiten sehr dezimiert, hat sich aber erholt.

Hunde unbedingt an die Leine nehmen

Robert von Ahlen und Heiko Godow appellieren nicht nur an Spaziergänger, sich vom Nachwuchs fernzuhalten, sondern auch an alle Hundehalter, ihre Vierbeiner in Feld und Flur anzuleinen: „Wenn die Hasenmutter vergrämt wird, verhungern die Kleinen jämmerlich.“ Sie haben es bei feuchter Witterung ohnehin schon schwer. „Dann sind die Überlebenschancen gering“, sagt von Ahlen.

Der Appell der beiden Jäger an Rücksichtnahme und Zurückhaltung gilt genauso für die Zeit, wenn die Ricken ihre Kitze setzen. Ab Ende April werden die Kinderstuben der Rehe wieder besetzt sein.

Ein rasanter Sprinter

Die langen Ohren sind das Markenzeichen des Feldhasen. Er hat kräftige Hinterbeine und lange Hinterfüße. Feldhasen sind schnelle Sprinter. Über kurze Distanz sollen sie eine Geschwindigkeit von rund 70 Stundenkilometern schaffen. Sie können knapp 70 Zentimeter messen und bis zu sieben Kilo wiegen. Feldhasen haben ein langes Fell aus Wollhaaren und Deckhaaren, das gelblich-grau bis ockerbraun oder braunrot und manchmal schwarz gesprenkelt ist. Ihr Schwanz wird Blume genannt, er ist oben schwarz und unten weiß.

Die Häsin bekommt ein bis drei Junge, in Ausnahmefällen können es bis zu sechs sein. Im vierten oder fünften Lebensjahr sind die Häsinnen dreimal trächtig.

Ulrike Benthien

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