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Ostholstein „Jemand muss ja aktiv werden“: Junger Neustädter sammelt für Hospiz
Lokales Ostholstein „Jemand muss ja aktiv werden“: Junger Neustädter sammelt für Hospiz
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20:23 15.10.2016

Wer ins Hospiz kommt, der stirbt. Das klingt hart, ist jedoch fast immer Realität. Sascha Herz aus Neustadt weiß um die Bedeutung solcher Einrichtungen. Seine Mutter ist an Krebs erkrankt. Ihr Körper ist zerstört. Vor zwei Monaten schließlich bricht die 48-Jährige zusammen und kommt auf die Palliativstation des Eutiner Elisabeth-Krankenhauses. 14 Tage später wird ein Platz im Kieler Hospiz frei. „Das ist die letzte Etappe meiner Mutter“, sagt Herz. Er ist 27 Jahre alt, Abschied nehmen gehört für ihn zum Alltag.

Will er seine Mutter sehen, muss er mindestens eine Stunde Autofahrt einplanen. Die Zahl der Hospize ist gering. In Schleswig-Holstein gibt es gerade einmal sechs. Die Plätze sind begehrt, Wartelisten keine Seltenheit. Sascha Herz will das ändern.

Er möchte eine Stiftung ins Leben rufen, Geld sammeln. „Vom Gebäude bis zum Bett soll alles finanziert sein. Ich weiß, dass das nicht einfach wird. Deshalb suche ich Mitstreiter“, so Herz. Dass der 27-Jährige nicht bloß redet, sondern die Dinge anpackt, ist vielen bekannt. Sein vielfältiges Engagement, wie zum Beispiel für die Leichtathletikabteilung des TSV Neustadt sowie den Europalauf, ist bemerkenswert. „Jeder kann an so einen Punkt kommen, an dem er ein Hospiz benötigt. Ich will für andere Menschen etwas Gutes tun und nicht nur auf dem Sofa sitzen“, erläutert er.

„Für Ältere gibt es Pflegeeinrichtungen. Aber als junger Mensch will man da nicht unbedingt hin. Ich habe meine Mutter ein Jahr lang gepflegt. Ich kann das machen, aber es ist schwer zu bewerkstelligen“, sagt Herz. Die medizinische Versorgung, die Unterstützung bei der körperlichen Hygiene – „daran kann eine Familie zerbrechen“, erzählt er. Ein Hospiz könne entlasten. „Ich stelle mir ein großes Haus vor, mit Betten, die man auf eine Terrasse schieben kann. Es soll den Sterbenden und ihren Angehörigen so leicht und schön wie möglich gemacht werden“, so der Neustädter.

Die Idee von einem Hospiz mitten im Kreis Ostholstein kommt auch bei Annette Schmitz an. Die Ärztin ist 1. Vorsitzende des Neustädter Hospizvereins „Beistand am Lebensende“. Dieser bildet unter anderem Ehrenamtler aus, die sterbende Menschen besuchen und auf ihrem letzten Weg begleiten. Sie kündigt an, Sascha Herz bei Bedarf unterstützen zu wollen. Zugleich warnt sie vor möglichen Rückschlägen und hohen Hürden. „Ein Gebäude zu bekommen, ist nicht das Problem. Die Frage ist doch: Wer übernimmt die Kosten für den Betrieb? Insbesondere die Personalkosten sind hoch, man braucht qualifizierte und engagierte Kräfte“, so Schmitz. Hinzu komme, dass die Krankenkassen nicht allzu interessiert an einer Finanzierung sein dürften. „Es heißt, dass es pro eine Million Einwohner etwa 50 Palliativbetten geben soll. Meist fallen die Hospizplätze da mit rein“, erläutert Schmitz. In Ostholstein wären also zehn Betten notwendig. Eine Zahl, die erreicht wird.

Zudem betont Schmitz, dass die meisten Menschen in ihrer Wohnung sterben wollen würden. „Ein Hospiz ist nur für eine kleinere Gruppe erforderlich.“ Zudem sei es wesentlich günstiger, Fachkräfte in Familien zu schicken. Jedoch gebe es Personen, die nicht zu Hause bleiben könnten oder wollen. Diese fallen durch das Raster. „In Süddeutschland gibt es Tageshospize. Das hat sich hier aber nicht durchgesetzt“, so Schmitz weiter. Generell gelte, dass der Aufbau eines Hospizes viel Zeit, Gespräche mit Offiziellen und Durchhaltevermögen benötige.

Sascha Herz indes macht sich nichts vor. „Das wird schwer. Aber irgendjemand muss ja aktiv werden.“ Er weiß, dass es einerseits um mehrere Millionen Euro geht. Andererseits würden die Krankenkassen den laufenden Betrieb zu einem Großteil finanzieren – wenn sie die Einrichtung anerkennen. Hinzu kämen Spenden und der Einsatz von Ehrenamtlern. „Medizinisches Personal und Pflegekräfte sind in einem Hospiz immer vor Ort, was eine ungemeine Unterstützung ist. Das ist nicht so, wenn Sterbende in ihrem Zuhause versorgt werden“, so Herz.

Der 27-Jährige, hofft, dass sich Ostholsteiner Politiker des Themas annehmen, sich Unterstützer finden – zum Beispiel für den Anfang Menschen, die beim Gründen einer Stiftung helfen.

• Kontakt per Mail an saschaherz89@web.de.

Sebastian Rosenkötter

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