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Jochen Heumos gesteht Fehler ein: „Ich hoffe, dass das nicht hängen bleibt“

Scharbeutz Jochen Heumos gesteht Fehler ein: „Ich hoffe, dass das nicht hängen bleibt“

Nach dem Plagiatsvorwurf präsentierte der Scharbeutzer Bürgermeisterkandidat gestern eine neue Rede.

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Der Saal im Kurparkhaus war bis auf den letzten Platz gefüllt, das Interesse riesengroß.

Quelle: Fotos: Peyronnet

Scharbeutz. Jochen Heumos ging in die Offensive: Beim zweiten Vorstellungsabend der Scharbeutzer Bürgermeisterkandidaten gab der parteilose Herausforderer von Amtsinhaber Volker Owerien (parteilos) gleich zu Beginn unumwunden zu, einen Fehler gemacht zu haben. „Für die Behauptung, dass kein Meister vom Himmel gefallen ist, bin ich der beste Beweis.“ Damit bewies Heumos auch noch Witz: Genau dieser Satz mit dem Zusatz „nicht mal ein Bürgermeister“ war der auffälligste in Heumos abgekupferter Rede gewesen.

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Jochen Heumos begann den Abend mit einer persönlichen Erklärung zum Redeplagiat.

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Nach dem ersten Vorstellungsabend hatte sich herausgestellt, dass Heumos, der für die SPD und die WUB antritt, in vielen Teilen eine Rede der Timmendorfer Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) vorgetragen hatte. Weitere Teile, ergab ein LN-Vergleich, stammen aus einer Bewerbungsrede der Barmstedter Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) vom vergangenen April. Alle drei haben Thies Thiessen, den Geschäftsführer der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik in Schleswig-Holstein, als Wahlkampfberater. Gestern nun waren viele Scharbeutzer ins Bürgerhaus gekommen, um Heumos‘ Erklärung zu hören. Der redete nicht lange drumherum, gab das Abschreiben zu: „Das stimmt. Zu den Inhalten stehe ich aber.“ Er habe in kürzester Zeit eine Wahlkampagne vorbereiten müssen.

„Das hat mich veranlasst, auf eine andere, erfolgreiche Rede zurückzugreifen. Die wortwörtliche Übernahme war ein Fehler.“ Dann sagte er den Zuhörern: „Wie gewichtig der Fehler ist, müssen Sie entscheiden. Auch nach dem PR-Missgeschick: Ich möchte immer noch Bürgermeister der Gemeinde Scharbeutz werden.“ Dafür erntete Heumos Beifall, nicht nur von seinen Unterstützern. Er präsentierte sich dann mit einer ganz neuen Rede und endete: „Ich hoffe, dass nicht nur hängen bleibt: Der hat einen Fehler gemacht.“

Das Thema Plagiat war danach abgehakt, anschließend debattierten Owerien und Heumos Sachthemen. Vom Amtsinhaber kamen auf LN-Anfrage gestern nur zwei Worte zu der Angelegenheit mit der Rede: „Kein Kommentar.“ Für die CDU, die Owerien unterstützt, sagte deren Ortsverbands- und Fraktionsvorsitzender Christian Dwars vor dem gestrigen Vorstellungsabend: „Ich bin von jeder Schadenfreude weit entfernt. Was mich aber bestürzt, ist, dass die Inhalte der Rede eher auf einen Berater zurückgehen als auf den Bewerber selbst.“ Das werfe die Frage auf, wie authentisch die Aussagen von Heumos seien. „Es sagt uns, dass das offenbar austauschbare Inhalte sind. Authentische Positionen würden uns aber viel mehr interessieren.“

Die Wahlkampfrede, die Hatice Kara in Timmendorfer Strand vor gut einem Jahr hielt, diente offenbar noch einer anderen Kandidatin als Vorlage. In Heike Döpkes Bewerbungsrede um das Amt der Bürgermeisterin in Barmstedt kommen ebenfalls Passagen daraus vor. Döpke findet nichts dabei, Reden anderer Kandidaten streckenweise zu übernehmen. „Diese Reden sind meines Wissens nicht geschützt, und sie sind ja öffentlich im Internet einsehbar.“ Ihr sei nicht bekannt gewesen, wer die Rede im Ursprung geschrieben habe. Alles sei mit ihrem Wahlkampfberater Thies Thiessen abgestimmt gewesen.

Döpke, von deren Rede wiederum originäre Teile in die von Heumos eingeflossen sind, macht ihrerseits ebenso wie Kara keine Urheberrechte gegenüber Heumos geltend.

Wer schrieb von wem ab?
Aus zwei mach drei: Inzwischen ist eine weitere Bewerbungsrede um ein Bürgermeisteramt bekannt geworden, die Auszüge der Rede der Timmendorfer Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) enthält. Auch die Bürgermeisterin von Barmstedt (Kreis Pinneberg), Heike Döpke, die vor drei Wochen ihr Amt antrat, hatte in ihrer Vorstellung im vergangenen April wortgleiche Passagen wie Kara verwendet, allerdings deutlich weniger als Jochen Heumos. Kara besteht derweil darauf, dass die Rede von ihr geschrieben worden ist, und tatsächlich ist bisher keine frühere mit wortgleichen Absätzen aufgetaucht.


In Döpkes Rede heißt es unter anderem: „Gemäß der Gemeindeordnung leite ich als Bürgermeisterin die Stadtverwaltung nach den Zielen und Grundsätzen der Stadtvertretung. Aber es ist entscheidend — und das liegt dann in meinen Händen — wie die Beschlüsse der Stadtvertretung vorbereitet werden und wie sie dann umgesetzt werden. Das macht die Qualität meiner Arbeit aus, und das ist für die Entwicklung Barmstedts von besonderer Bedeutung.“ Bei Kara heißt es: „Aber entscheidend ist — und das läge dann in meinen Händen —, wie die Beschlüsse der Gemeindevertretung vorbereitet und wie sie dann umgesetzt werden. Das macht die Qualität meiner Arbeit aus, und das ist für die Entwicklung der Gemeinde von besonderer Bedeutung.“ Hinzu kommen weitere wortgleiche Sätze.


Bei Jochen Heumos fanden sich zudem neben Passagen aus Karas Rede zusätzlich auch kopierte Passagen aus der Rede von Heike Döpke. So erzählte Jochen Heumos den Scharbeutzern unter anderem: „Beeindruckt hat mich, dass Sie in den letzten Jahren viel in die Entwicklung der . . . Schulgebäude investiert haben. Das pädagogische Gesamtkonzept werde ich daher mit den Möglichkeiten des Schulträgers unterstützen— vom Krippenplatz für jedes Kind bis zum zukunftsfähigen Schulabschluss für jeden unserer Jugendlichen.“ Sätze, die Barmstedts Bürgermeisterin bereits vor einigen Wochen wortgleich vorgetragen hat. Zudem berichtete Döpke davon, „wie diskussionsfreudig und mitteilsam die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt sind“. Eine Erfahrung von der Heumos bei seiner erste Rede in gleichen Worten berichtet hatte.

Susanne Peyronnet

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