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Ostholstein Jürgen Marcus und der Rosenkranz
Lokales Ostholstein Jürgen Marcus und der Rosenkranz
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20:10 02.06.2018
Eine fröhliche Runde feierte vor 15 Jahren den gelungenen Auftritt in Timmendorfer Strand: Sänger Jürgen Marcus (M.) mit (v. l.) Radiomoderator Jens-Peter Beiersdorf, Christine Gebauer, Musiker Peter Strothmann, Felix Evers und Guido Eschholz (Direktor Vitalia-Seehotel). Quelle: Foto: Privat
Timmendorfer Strand/Eutin

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. Ein Ohrwurm. Einer der beliebtesten deutschen Schlager überhaupt. Ich wurde 1971 geboren und wuchs mit der ZDF-Hitparade auf (sogar mit einer Kreidetafel, auf der ich die gesungenen Lieder je nach Platzierung eintragen konnte) – Jürgen Marcus war gefühlt immer dabei. Als Kaplan in Eutin durfte ich ihn dann persönlich erleben. Die katholische Künstleragentin Christine Gebauer aus Timmendorfer Strand veranstaltete im dortigen Maritim-Clubhotel Konzertabende. Vor 15 Jahren hörte ich erstmals das Lied aus Kindertagen live: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.“ Der Sänger, der mit mir am Künstlertisch saß, war kein alter Mann; neben mir entdeckte ich einen junggebliebenen, bescheidenen, charismatischen Katholiken aus München. Der Ohrwurm aus dem Jahr 1972 ist Jürgen Marcus’ Lebensthema geworden: Bekennend homosexuell, war er seit 1995 mit seinem Partner und Manager Nikolaus Fischer liiert. Nikolaus Fischer saß mit an unserem Tisch und kümmerte sich rührend um den Star des Abends.

In Dienstkleidung als Geistlicher erkennbar, sprach mich Jürgen Marcus auf seinen geistlichen Hunger nach der Kommunion an, der aus vielerlei Gründen jahrelang nicht gestillt werden konnte. Spontan versprach ich, am nächsten Sonntagmorgen den Leib Christi ins Hotel zu bringen, so dass wir in seinem Appartement mit einigen Freunden und Bekannten das Abendmahl feierten. Selten habe ich eine solche ehrlich empfundene Rührung und Dankbarkeit einer Eucharistiegemeinschaft erfahren wie an diesem Sonntag vor 15 Jahren.

Beim anschließenden Mittagessen mit Christine Gebauer, Hoteldirektor Guido Eschholz und dem Teufelsgeiger Peter Strothmann widmeten wir uns den Fragen, die der Refrain des Schlagers „Eine neue Liebe“

aufwirft: Steht die Kirche tröstend an der Seite derer, die in ihren Lebensentwürfen scheitern, oder brechen wir moralisch den Stab über „alternative Lebens- und Liebesentwürfe“? Nikolaus Fischer erinnerte an die Ehebrecherin und Jesus: Auch heute gibt es doch mehr wurfbereite Selbstgerechte als schützende Erlöser. Ist die kirchliche Morallehre im Sinne Jesu? Mit einem homosexuellen Liebespaar, das sich die Treue bis zum Tod halten sollte und authentisch mit seiner katholischen Kirche gerungen hat, bewegten wir existenzielle Fragen.

Als Christine Gebauer später feststellte, dass Jürgen Marcus seinen Rosenkranz in Timmendorf vergessen hatte, schrieb sie ihm und bot an, ein Päckchen zu schicken; seine Antwort war: „Bitte behalt ihn und bete für mich!“ Er liegt seit damals auf ihrem Nachttisch. Sie wird am 6. Juni, seinem 70. Geburtstag, den er nicht mehr erleben durfte, besonders an ihn denken.

Es gibt Begegnungen und Erfahrungen, die uns nachhaltig prägen, Jürgen Marcus gehört für mich dazu. Ich lege meine alte Tonkassette ein – vor 40 Jahren mit dem Kassettenrekorder vom Fernseher aufgenommen – und höre „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“. Ich bete ganz bewusst für alle, die sich neu verliebt haben.

Pfarrer Felix Evers

LN

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