Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Jugendherberge wird verkauft
Lokales Ostholstein Jugendherberge wird verkauft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:47 29.06.2017
Die Türen der Jugendherberge an der Uhlenflucht in Klingberg sind für immer geschlossen. Quelle: Fotos: Düvell-Veen (2), Grombein, Dpa

Es ist sehr ruhig an der Uhlenflucht 30. Kein Kinderlachen, keine Jugendlichen an der Tischtennisplatte, kein Geschirrklappern im großen Speisesaal. Stattdessen verschlossene Eingangstüren, sauber aufgeräumte Gebäude, geschnittene Hecken und gemähte Rasenflächen. Das 87000 Quadratmeter große Areal mit den Gebäuden steht zum Verkauf. In der Jugendherberge gab es zuletzt 250 Betten und 27 000 Übernachtungen. Die fünf fest angestellten Mitarbeiter haben nach Angaben des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) andere Arbeitsstellen gefunden. Zwei sind in Fehmarn, andere in der Scharbeutzer Jugendherberge an der Strandallee tätig.

Einrichtung in Klingberg ist geschlossen – Standort in Scharbeutz soll erweitert werden.

Bereits im September 2016 hatte sich der Vorstand des DJH-Landesverbandes Nordmark für die Schließung der Einrichtung entschieden, die noch 2012 ihr 85-jähriges Bestehen feierte. Als Grund wurden erforderliche fünf Millionen Euro für notwendige Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen genannt. „Nicht nur für uns ist die Aufgabe der zweiten Scharbeutzer Jugendherberge sehr schmerzlich“, sagte der DJH- Geschäftsführer Helmut Reichmann. „Aber der notwendige Investitionsbedarf ist für den DJH-Landesverband wirtschaftlich im Verhältnis zu den zu erwartenden Ergebnissen nicht darstellbar.“

 In Scharbeutz, so Reichmann, sei bereits mit den Planungen für eine Erweiterung begonnen worden. Schon mit dem Erwerb der Herberge an der Scharbeutzer Strandallee im Jahre 2005 sei absehbar gewesen, dass der Standort „Uhlenflucht“ in Klingberg in einigen Jahren auslaufen würde. „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Das besondere naturnahe Gelände und die erlebnispädagogische Programmatik der traditionsreichen Jugendherberge begeisterten über Jahrzehnte insbesondere die Teilnehmer von Kinder- und Jugendfreizeiten mit ihren Möglichkeiten. Deshalb wurden auch lange vielfältige Anstrengungen unternommen, damit die Jugendherberge nicht vorzeitig aufgegeben werden musste“, sagte der Geschäftsführer.

Wenig Verständnis für die Schließung zeigt Bürgemeister Volker Owerien (parteilos): „Soweit ich informiert bin, warf die Jugendherberge doch Gewinn ab.“ Gerade die „Dreifaltigkeit“ mit der Uhlenflucht, der Herberge an der Strandallee und dem Jugendcamp dort habe viele Gäste auch aus der weiteren Umgebung angezogen. Owerien bezweifelt, dass der Scharbeutzer Standort mit seinen jährlich etwa 60000 Übernachtungen den Wegfall aus Klingberg auffangen könne. Er hofft, dass das im Landschaftschutzgebiet liegende Gelände an der Uhlenflucht auch weiterhin touristisch genutzt wird, beispielsweise für eine Mutter- Kind-Einrichtung. Der Verwaltungschef: „Nicht vorstellen möchte ich mir, dass die Gebäude abgerissen werden, um einer Wohnbebauung Platz zu machen.“

Bedauern herrscht auch beim Klingberger Dorfvorsteher Dierk Dürbrook: „Durch die Besucher der Jugendherberge war der Ort immer belebt.“ Von der Schließung habe er erst aus dem Internet erfahren.

Dürbrook: „Der Informationsfluss von Jugendherbergswerk und Gemeinde zu uns hätten besser sein können.“

 Christina Düvell-Veen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige