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Ostholstein Jugendherbergen trotzen Billig-Rivalen
Lokales Ostholstein Jugendherbergen trotzen Billig-Rivalen
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21:42 10.03.2016

Vier Standorte, fünf Häuser: Mit 151 000 Übernachtungen waren Ostholsteins Jugendherbergen im vergangenen Jahr erneut ein „wichtiger wirtschaftlicher und touristischer Faktor“. Helmut Reichmann, Geschäftsführer im Landesverband Nordmark, zog auf der Kreisversammlung in Burg auf Fehmarn eine positive Bilanz — trotz wachsender Konkurrenz. Alle Standorte haben sogar leicht zugelegt. Ausnahme ist Scharbeutz, wo schon 2015 ein „Renovierungsstau“ beklagt wurde. Jetzt wappnen sich die Herbergseltern in Burg, Dahme, Bad Malente sowie Scharbeutz (Strandallee und Uhlenflucht) für die neue Saison.

 

Winterpause fiel aus

In Burg und Scharbeutz ist es ein fast nahtloser Übergang: Dort fiel die Winterpause aus. Mehrere Monate lang wurden Flüchtlinge während der belegungsfreien Zeit untergebracht. Kreisvorsitzende Heike Petersen würdigte das „große Engagement“. In Burg waren es von November bis Februar teilweise über 80 Menschen. In Scharbeutz-Uhlenflucht sind sogar noch bis Mitte April knapp 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht und werden dort vom Kinderschutzbund Ostholstein rund um die Uhr betreut.

Burgs Herbergsleiter Matthias Herwig berichtete von problemlosen Tagesabläufen, einer äußerst herzlichen Atmosphäre und spontanen Klavierkonzerten durch die Bewohner. Es sei für alle Beteiligten „eine sehr schöne Zeit und wertvolle Erfahrung“ gewesen. Landesweit gab es 11 000 Übernachtungen durch Flüchtlinge, so Heiko Pannek vom Landesvorstand.

Konkurrenz durch Hostels

Wunschlos glücklich ist man aber nicht. Denn die billige Hostel-Konkurrenz oder auch der — mittlerweile wieder aufgehobene — „Boykott“ der niedersächsischen Schulen sorgen teilweise für Rückgänge. Mit 40 Prozent stellen Schulen dennoch weiter den größten Anteil bei den Jugendherbergsgästen, gefolgt von Familien (20), Einzelgästen (12), berufliche Bildung (11), Wandergruppen (9) und Freizeitgruppen (7). Es gibt aber kaum noch Buchungen für drei Wochen.

Dennoch seien die Jugendherbergen in Deutschland weiterhin „Übernachtungsmillionäre“, so Pannek. Mit Bayern und dem Rheinland liegt Schleswig-Holstein beständig unter den Top drei.

„Wir sind mehr als Bett und Brötchen“, betonte Reichmann. Eigene Programme und pädagogische Konzepte unterschieden Jugendherbergen deutlich von der Hostel- und anderer Billig-Konkurrenz. Zuschüsse gäbe es allerdings nur für den Bau von Jugendherbergen, nicht für den laufenden Betrieb. Derzeit wird für rund zehn Millionen Euro ein neues „Flaggschiff“ mit 440 Betten in Berlin gebaut.

Forderungen steigen

In vielen bestehenden Häusern versuche man, die Standards deutlich zu erhöhen. Reichmann: „Wir können in den Jugendherbergen nicht mehr der billige Jakob sein. Strohbetten, Zehn-Bett-Zimmer und roter Tee — das war einmal.“ Neue Herausforderungen seien die ökologische Nachhaltigkeit und die Inklusion. „Da fordern die Schulen deutlich mehr von uns“: Der herkömmliche Schlüssel bei der Zimmeraufteilung greife nicht mehr, wenn einzelne Schüler mit Einschränkungen auf eine eigene Begleitung angewiesen seien.

Das Jugendherbergsnetz mit derzeit 45 Häusern im Norden werde sich in den nächsten Jahren „leicht verkleinern“. Nicht überall lohne sich eine teure Modernisierung. Aktuell stünden jedoch keine Schließungen an. Einen großen Bedarf sieht Reichmann für den Standort Scharbeutz: „Ob die Unterbringung in Gruppenzelten noch eine Zukunft hat, muss sich erweisen.“ Gut davor seien Dahme und Burg — sowie vor allem Bad Malente, das 2013 umgebaut wurde.

In Eutin soll nach der Landesgartenschau wieder eine Jugendherberge entstehen. Konzept, architektonische Skizzen, sogar ein F- und B-Plan existierten bereits. „Was wir aber nicht haben, ist eine Finanzierung“, so Reichmann. Er betonte daher: „Wir sind noch nicht so weit, dass wir sagen können, sie wird in jedem Fall realisiert.“

Großes Jubiläum: 50 Jahre Jugendherberge in Burg

Die ersten Gäste kamen am 1. Juni 1966. Daher feiert die Jugendherberge Burg (Foto) 2016 ein Fest zum 50-jährigen Jubiläum. Die Planungen beginnen.

Die Hauptversammlung des Landesverbandes Nordmark findet 2016 auf Fehmarn statt. Beginn der zweitägigen Tagung ist am 11. Juni.

Übernachtungen: Burg 25 861 (2014: 24 751); Dahme 21 099 (20588); Bad Malente 24 417 (23797); Scharbeutz- Strandallee 52341 (55137);

Scharbeutz-Uhlenflucht 27 261 (27015).

Kreisvorsitzende: Heike Petersen, Stv. Hartmut Danklefsen, Geschäftsführer Gabriele Stehr-Herwig (alle Fehmarn).

Von Gerd-J. Schwennsen

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