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Junge Politik etabliert sich im Rathaus

Heiligenhafen Junge Politik etabliert sich im Rathaus

„Bürger für Heiligenhafen“ verteidigen vier Sitze, sind für fünf Jahre von den Bürgern wiedergewählt.

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Belagerung am Sitzungstisch: Die „Bürger für Heiligenhafen“ haben sich mit vier Sitzen im Rathaus eingenistet.

Quelle: Foto: Peter Mantik

Heiligenhafen. Am Ende zuckte dann doch noch ein schelmisches Grinsen über das Gesicht von Florian Kinnert. Es wollte wohl sagen: Wir sind noch da. Der Fraktionsvorsitzende der Bürger für Heiligenhafen (BfH) und ehemalige Kopf der Party-Fraktion-Heiligenhafen (PFH) verkörpert die Jugendlichkeit seiner Partei, die landesweit als Farbtupfer in der sonst oft tristen Politwelt anzusehen ist.

Mit vier Sitzen für weitere fünf Jahre wiedergewählt, dokumentieren er und seine 60 BfH-Mitstreiter: „Wir haben dazugelernt und etablieren uns im Rathaus.“ Mit blauem Oakley-Cap auf dem Kopf bilanziert der 32-Jährige: „Wir haben das Klassenziel erreicht.“ Wer nach der Kommunalwahl 2008 noch geglaubt hatte, es handle sich um eine Eintagsfliege der BfH oder aber um das Abstrafen der großen Volksparteien, der irrte offensichtlich. 23,1 Prozent und 1414 Stimmen bedeuten zwar einen Verlust von knapp vier Prozent, dennoch wurden die vier Sitze in der Stadtvertretung verteidigt.

Das Erfolgsrezept: Die BfH mobilisiert neben etablierten Kräften die Jugend. Der Altersdurchschnitt von 41 Jahren dürfte landesweit der jugendlichste sein. 14 Mitglieder sind zwischen 17 und 28 Jahren (davon acht junge Frauen und sechs junge Männer). Ein Vergleich mit den „Piraten“ liegt nahe, doch scheint der Mehrwert der Heiligenhafener höher zu liegen als jener der politischen Freibeuter. Kinnert, von dem die Initiative ausging, die Partei am 6. April 2008 zu gründen, sagt rückblickend: „Kommunalpolitik ist nicht so einfach, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Allerdings haben wir dazugelernt.“ Man scheint politisch erwachsen, irgendwie auch ernsthafter geworden zu sein, ohne aber die jugendliche Spritzigkeit verloren zu haben. Kinnert sagt: „Nachwuchsprobleme kennen wir nicht. Es kommen immer wieder Junge nach. Und selbst die, die Heiligenhafen verlassen, halten uns aus der Ferne die Stange.“ Sogar Timo Gaarz von der CDU muss eingestehen: „Sie bereichern das politische Umfeld in Heiligenhafen.“ Ihm und auch den anderen Parteien ist klar: Ohne die BfH wird es künftig schwierig, im Rathaus Mehrheiten zu bilden. Und die braucht es angesichts der Großprojekte wie dem Marina-Resort, das die Stadt auf den Weg gebracht hat.

Ein Paradebeispiel für die BfH liefert Janine Grönwald. Der Sonntag begann für die 21-Jährige bereits um 6.30 Uhr. Nach dem Frühstück fuhr die Wahlhelferin ins Wahllokal Autokraft. Nach 18 Uhr ging es dann an die Auszählung der Stimmen, ehe ihre dritte Tagesstation sie ins Rathaus zur Bekanntgabe des Wahlergebnisses führte. Ein langer Tag im Ehrenamt, der in geselliger Runde in der „Altdeutschen“ endete. „Ich bin seit 2010 dabei, habe mich von Familie und Freunden überzeugen lassen, dass es wichtig ist, sich politisch einzubringen.“ Mit ihrem Engagement hat sie mittlerweile auch ihre WG- Freundin Marie Menzel (20) motiviert einzusteigen. Weitere werden sicher folgen.

• Internet:

www.bfhonline.de

Die Stadtverordneten
CDU: Stephan Karschnick, Timo Gaarz, Petra Kowoll, Georg Rehse, Ekkehard Hermes, Folkert Loose

SPD: Dr. Theodor Siebel, Robert Karsten, Gerhard Poppendiecker, Monika Rübenkamp, Marion Bansemer, Monika Steuck

BfH: Simon Schulz, Jonny Grönwald, Joachim Schmidt-Uwis, Elke Teegen

Grüne: Gerd Panitzki, Rainer Rübenhofer

FDP: Dr. Karl-Uwe Baecker

 (vorläufiges Ergebnis)

Große Gesprächsbereitschaft in Heiligenhafen
Eigentlich durften sich alle Parteien in Heiligenhafen als Sieger des Kommunalwahlabends fühlen. Einziger Wermutstropfen nach Meinung aller war die Wahlbeteiligung von nur 42,4 Prozent. 3401 Wähler standen 4613 Nichtwählern gegenüber. Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) erklärte nach der Wahl: „Es sind schwerwiegende Entscheidungen für die Zukunft unserer Stadt zu treffen. Das geht nur zusammen.“

Den Willen dafür zeigten im Sitzungssaal des Rathauses alle Parteien. Timo Gaarz von der CDU sagte: „Wir freuen uns über das Ergebnis und die sechs Direktmandate, aber als Wahlsieger fühlen wir uns nicht.“ Die Christdemokraten hatten auf sieben Mandate gehofft. Nach einer CDU-internen Analyse am Donnerstag wolle man in die Gespräche einsteigen. SPD-Vorsitzender Dr. Theo Siebel, der sich ebenfalls über sechs Sitze im Stadtrat freut, erklärte optimistisch: „Ich wünsche mir Gespräche auf Augenhöhe.“ Er hoffe auf eine gute Zusammenarbeit aller Seiten.

Die Grünen (zwei Sitze) freuen sich über fast zwei Prozent Zuwachs. Die FDP, die lange als Wahlverlierer dastand, rettete einen Stadtvertreter ins Rathaus. Nun ist Kommunikation gefordert. pm

Peter Mantik

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