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Ostholstein Junger Syrer arbeitet als Büroassistent
Lokales Ostholstein Junger Syrer arbeitet als Büroassistent
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22:12 23.03.2016
Geschäftsführer Stefan Panke (Mitte) von „Panke Sprachreisen“ und der Auszubildende Tobias Wagner (rechts) arbeiten sehr gerne mit dem Syrer Mohammad Lattouf (19) zusammen. Quelle: Christina Düvell-Veen

„Er ist sehr intelligent“, beschreibt ihn sein Chef. Sein Kollege sagt: „Er ist ein sehr höflicher und netter Mensch.“ Stefan Panke (44), Geschäftsführer von „Panke Sprachreisen“ in Ratekau, und Tobias Wagner (18), der dort eine Ausbildung zum Tourismuskaufmann macht, arbeiten seit Anfang des Monats mit Mohammad Lattouf zusammen. Der 19-Jährige flüchtete aus Syrien und kam im Oktober 2015 nach Ratekau. Die Flüchtlingsbeauftragte Elke Mazylis brachte Panke und Lattouf zusammen.

„Wir sehen uns ein bisschen als Vorreiter.“Geschäftsführer Stefan Panke (44)

„Natürlich haben wir auch von den Bürgerkriegen und den Flüchtlingsströmen durch die Medien erfahren“, so Panke. Gemeinsam hätten sich die norddeutschen Vertreter des Deutschen Fachverbandes für Jugendreisen überlegt, welche Möglichkeiten es für sie gibt, Flüchtlingen bei der Integration zu helfen.

Panke hörte außerdem ganz genau zu, als Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die Betriebsinhaber animierte, über die Einstiegsqualifizierung die Berufsintegration voranzutreiben. „Wir sehen uns ein bisschen als Vorreiter, zumal es auf eine Beschäftigung hinzielt, die außerhalb von handwerklichen Tätigkeiten liegt“, sagt Panke mit Blick auf Mohammad Lattouf, der derzeit als Büroassistent beschäftigt ist. Das Praktikum dauert sechs Monate und soll auf eine mögliche Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement, früher Bürokaufmann genannt, vorbereiten.

Panke: „Den Flüchtlingen ist am besten gedient, wenn sie täglich Kontakt mit Deutschen haben und dadurch die Sprache lernen.“ Bei Mohammad Lattouf hat es schon prima geklappt. Als er nach Deutschland kam, konnte er natürlich Arabisch und auch Englisch. Inzwischen spricht er sehr gut Deutsch. Er lernt es zweimal wöchentlich in Sprachkursen in Pansdorf, mittwochs bei seinen Besuchen im Café

International in Pansdorf und immer wieder im Büro.

„Morgens machen wir immer ein ,warming up‘“, erzählt Tobias Wagner. Dann zeigt er auf Teller, Tassen, Tisch, Schrank und anderes mehr, und Mohammad sagt das deutsche Wort. Tobias Wagner: „Inzwischen ist das aber eigentlich zu einfach.“ Beide Jugendlichen reden auch sonst viel miteinander. Darüber, was in Deutschland passiert, über Fußball und über das, was Mohammad Lattouf früher in seinem Heimatland gemacht hat. Seine Kollegen erfuhren von seinem Studium zum Elektroniker und Kommunikationsingenieur, von seinen noch in Syrien lebenden Eltern und Geschwistern sowie von dem in Nürnberg wohnenden Bruder. Während der Arbeitszeit hilft Mohammad Lattouf dem Auszubildenden bei der Vorbereitung von Präsentationen zu bestimmten Urlaubsregionen. Er überprüft Zahlungseingänge und stellt Briefsendungen zusammen.

Am Ende des sechsmonatigen Praktikums wird Mohammad Lattouf ein Zeugnis bekommen, „Wenn die Industrie- und Handelskammer zustimmt, kann diese Zeit auf eine Ausbildung angerechnet werden“, erläutert Panke. Auf jeden Fall habe er dann eine Einstiegsqualifizierung. Vorbereitet wird auch die Berufsberatung bei der Arbeitsagentur.

Erfahrungen mit der Arbeitsagentur hat Stefan Panke zu Beginn seines Arbeitslebens als deren Mitarbeiter gesammelt. Und er weiß, „welche Fehler mit Gastarbeitern früher gemacht wurden“. Sie seien oftmals lediglich als billige Arbeitskräfte angesehen worden. Um die Integration in die Gesellschaft habe sich niemand gekümmert.

Mohammad Lattouf träumt davon, eines Tages als Ingenieur arbeiten zu können. Und Tobias Wagner wünscht ihm vor allem: „Glück und Frieden, und dass er seine Familie wiedertreffen kann.“ Für sich selber hat der Auszubildende durch den Kontakt zu dem jungen Syrer erfahren: „Uns geht es wirklich gut hier in Deutschland.“

Von Christina Düvell-Veen

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