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Ostholstein Kabelschaden bei Großenbrode: Fehmarns Windräder stehen still
Lokales Ostholstein Kabelschaden bei Großenbrode: Fehmarns Windräder stehen still
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22:03 18.02.2016
Fast gespenstisch: Nur wenige Windmühlen drehen sich — die meisten Windräder auf Fehmarn stehen seit Wochen still. Quelle: Fotos: Schwennsen

Großer Frust bei Fehmarns Windmüllern: Nach einem verhängnisvollen Kabelschaden bei Großenbrode stehen die meisten Windmühlen auf der Insel weiterhin still. Der Grund: Der dort produzierte Windstrom kann von Fehmarn aus nicht mehr aufs Festland bis nach Göhl abgeführt werden. Bereits jetzt liegt der dadurch entstandene Verlust nach LN-Informationen im hohen sechsstelligen Bereich. Jeder zusätzliche Tag Stillstand kostet sehr viel Geld.

Der „Blackout“ ausgerechnet zu einer Jahreszeit mit kräftigen Windstunden währt schon seit Ende Januar, so Detlef Scheel, Geschäftsführer von Fehmarn-Netz. Nach mehrtägiger Suche im Erdkabelnetz konnte die Ursache aber inzwischen gefunden und behoben werden. In dieser Woche lief noch eine weitere Prüfung in Höhe Heringsdorf/Gaarzerfelde. Scheel: „Dort war aber alles in Ordnung.“

Wenn jetzt alles gut geht, hofft er, dass der Kabelbetrieb ab heute stufenweise wieder angefahren werden kann und Fehmarns Windmühlen zum Wochenende wieder komplett Strom produzieren. Betroffen sind 53 der rund 75 Windkraftanlagen auf der Insel, die an der 110-kV-Erdkabel-Verbindung (Hochspannungsleitung) hängen.

Die anderen sind dagegen unverändert in Betrieb. Der von ihnen produzierte Windstrom wird weiterhin über das öffentliche 30-kV-Versorgungsnetz (Mittelspannungsleitung) abgeführt. Sie nutzen die Umspannwerke in Petersdorf und Bannesdorf.

Jeder Tag während der voraussichtlich dreiwöchigen Zwangsabschaltung kostet nicht nur die Windmüller viel Geld. Geschmälert werden dadurch auch die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Fehmarn, für die die Windpark-Betreiber seit Jahren schon die stärksten Steuerzahler darstellen.

Doch es ist ein Ende in Sicht. Gestern prüfte SH-Netz durch Kabelmessungen, ob die 110-kV-Hochspannungsleitung wieder steht. „Ab Freitag soll alles langsam wieder angefahren werden“, so Scheel: „Aber das geht nicht einfach per Kopfdruck.“

Begleitet wird dieser ganze Vorgang durch den Enercon-Dienst, der unter anderem prüfen muss, ob sich in den drei Wochen in den empfindlichen technischen Anlagen Feuchtigkeit gesammelt hat. Das sei wie im Privathaushalt, wenn jemand wochenlang seinen PC in die Garage stelle — und vorm Neustart ebenfalls klären müsse, ob sich zum Beispiel Kondenswasser gebildet habe. Extrem wichtig sei der sogenannte Umrichter, der eventuell vorgeheizt werden müsse.

Dennoch: Die Windmüller sind guter Hoffnung, endlich aufatmen zu können. Spannend wird‘s trotzdem, ob ab heute die Windmühlen nach und nach wieder ans Netz gehen können und damit der dreiwöchige Stillstand beendet wird.

Die eigentliche Ursachenforschung steht aber noch aus. Ein etwa sechs Meter langes Erdkabelstück, das in Großenbrode ersetzt wurde, soll von Gutachtern geöffnet und untersucht werden. Scheel: „Es geht dabei nicht nur darum, wer den Schaden trägt. Sondern auch darum, ob und wie ein solcher Kabelbruch in Zukunft verhindert werden kann.“

Gerd-J. Schwennsen

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