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Kampf gegen Gaffer: Wehren setzen auf Aufklärung

Ostholstein Kampf gegen Gaffer: Wehren setzen auf Aufklärung

Nicht nur die Polizei, auch Feuerwehren in Ostholstein machen jetzt mobil gegen Gaffer: Sierksdorfer Kameraden machen mit einer Banner-Aktion auf die Problematik aufmerksam - der Kreiswehrführer betont den Schutz der Unfallopfer.

Anstelle von Decken wollen die Feuerwehrleute aus Sierksdorf dieses Banner hochhalten, wenn Gaffer aufdringlich werden. Zudem werben sie so um neue Mitglieder, die sich ehrenamtlich engagieren möchten.

Quelle: Fotos: Arne Jappe/nyfeler, Hfr

Ostholstein. Ein Gaffer, der Ende Juli bei einem Unfall an der A-1-Auffahrt von Heiligenhafen stoppte, sein Handy zückte und Aufnahmen machte, muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen (die LN berichteten). Doch nicht nur die Polizei, auch Feuerwehren in Ostholstein machen jetzt mobil gegen Gaffer. Die Freiwillige Feuerwehr Sierksdorf hat ein großes Banner mit dem Schriftzug „Nicht gaffen! Mitglied werden!“ angeschafft. Die LN sprachen mit Gemeindewehrführer Matthias Tamm sowie Kreiswehrführer Thorsten Plath über die Unart, verletzte Menschen zu fotografieren und im schlimmsten Fall auch noch Rettungsarbeiten zu erschweren.

 

„Es geht doch um die Würde der Opfer.“ Matthias Tamm

Gesetz gegen Gaffer geplant

Niedersachsen hat bereits im Mai eine Gesetzes-Initiative im Bundesrat eingebracht, um Gaffer künftig bestrafen zu können. Geldstrafen oder Haft bis zu einem Jahr scheinen aktuell durchaus denkbar. Jedoch wurde die Umsetzung noch nicht beschlossen.

Statt klassischer Wolldecken wird die Feuerwehr Sierksdorf künftig ein bedrucktes Banner hochhalten, um Verletzte und Tote vor Gaffern mit ihren Smartphones zu schützen. Tamm erzählt, dass Fernsehberichte sowie eigene Erfahrungen bei Einsätzen zu der Anfertigung geführt hätten. „Es geht um die Würde der Opfer. Wir wollen die Blicke vom Einsatzgeschehen fernhalten“, betont Tamm. Darüber hinaus habe das Banner noch einen positiven Nebeneffekt – die Werbung von Mitgliedern. Schließlich mangele es immer wieder an engagierten Ehrenamtlern.

Einsätze ohne Schaulustige gibt es kaum noch. Besonders gefährlich wird es aber, wenn die Arbeit der Rettungskräfte gestört wird. Kreiswehrführer Thorsten Plath weiß um die Problematik und bezeichnet die Initiative der Sierksdorfer Kameraden als „cleveren Zug“ und „gute Idee“. Derzeit gebe es aber keinerlei Bestreben, sämtliche Wehren im Kreis so auszustatten. Ebenfalls nicht geplant sei die Anschaffung von großflächigen Sichtschutzzäunen, wie dies Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr getan hat. Plath betont, dass fast immer fotografiert werde. „Wenn Leute dann aber noch um die Einsatzfahrzeuge herumstehen, um zu gucken, dann behindert das natürlich. Außerdem geht es um die Persönlichkeitsrechte von Betroffenen. Die wollen wir schützen“, so der Kreiswehrführer.

Polizeisprecher Stefan Muhtz erinnert an einen Fall im Bereich Süsel. Dort waren zwei Frauen (19 und 17 Jahre alt) bei einem Unfall verstorben. Fotos des Wagens tauchten schon kurz danach im Internet auf. So erfuhren die Eltern von dem Unglück – noch bevor die Polizei klingelte. „Wir hatten keine Zeit, die Angehörigen rechtzeitig zu informieren“, bedauert Muhtz. Völlig unverständlich sei, wenn Gaffer die Polizisten und Rettungskräfte von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten würden. „Wir benötigen das Personal, um die Unfallstelle abzusichern. Wenn jemand gar nicht reagiert, sprechen wir Platzverweise aus, notfalls entfernen wir die Person zwangsweise“, so Muhtz weiter. Der Polizeisprecher erinnert nachdrücklich daran, dass die Veröffentlichung von Fotos mit Unfallopfern deren Persönlichkeitsrechte verletze. „Das kann strafrechtlich relevant sein“, sagt Muhtz. Bereits verboten sei, Drohnen über Unfallstellen fliegen zu lassen.

 Sebastian Rosenkötter

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