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Kampf gegen die Stromtrasse: Tennet soll an der Küste bauen

Eutin Kampf gegen die Stromtrasse: Tennet soll an der Küste bauen

Die Gemeinde Süsel macht sich zusammen mit dem Kreis für eine Verlegung der Ostküstenleitung stark — Im Binnenland keine Erdverkabelung absehbar.

Eutin. Lange Gesichter in Süsel und Umgebung: Die geplante 380-kV-Ostküstenleitung wird auf dem Abschnitt zwischen Roge im Norden und Wulfsdorf im Süden absehbar an keiner Stelle unter der Erde verschwinden. Die Hoffnung darauf war groß, nachdem die neue Stromautobahn im Januar zur Pilotstrecke für eine Teil-Erdverkabelung erklärt worden war. Die Kriterien werden aber im Raum Süsel nicht erfüllt, machten jetzt die Planer vom künftigen Betreiber Tennet auf einem Bürgerdialog in Süsel deutlich. Zu der Veranstaltung im TSV Sportlerheim hatte das Kieler Energiewende-Ministerium eingeladen, um frühzeitig Anregungen und Bedenken zur Trassenplanung einzuholen.

 

LN-Bild

Noch einen Dämpfer brachte der Abend für Süsel: Die von der Gemeinde mit Unterstützung vom Kreis Ostholstein vehement vorgetragene Forderung, die Stromtrasse aus dem Binnenland an die Autobahn 1 zu verschwenken, hat kaum Aussicht auf Erfolg. Diese Seebädervariante war von den Tennet-Planern im Vergleich zur Binnenroute als weniger geeignet eingestuft worden. Bei dieser Einschätzung blieben sie auch.

Eine Entlastung zeichnet sich für Bujendorf ab. Weil ein Grundeigentümer notwendige Flächen zur Verfügung stellt, kann die Leitung wohl südlich um den Ort herumgeführt werden. Geprüft wird auch, ob die hier schon verlaufende 110-kV-Leitung mit der künftigen 380-kV-Leitung verbunden werden kann. Strommasten könnten dann abgebaut werden. „Wir sind da dran, aber es sind noch Gespräche zu führen“, sagte Till Klages, Tennet-Projektleiter für die Ostküstenleitung.

Die 110-kV-Leitung zur regionalen Stromversorgung gehört der Schleswig-Holstein Netz AG. Die von Tennet geplante 380-kV-Leitung soll Windstrom aus dem Norden nach Süddeutschland ableiten. Süsels Bürgermeister Holger Reinholdt (FWS) machte massiv Front gegen die Trassenpläne im Gebiet der Gemeinde. „Wir in Süsel können das absolut nicht akzeptieren und werden alles tun, um die völlige Durchquerung zu verhindern.“ Die Gemeinde sei schon jetzt stark betroffen. In Kesdorf stehe ein Windpark mit 17 Anlagen, bei Gothendorf/Barkau sehe die Landesplanung weitere Eignungsflächen vor. Nun komme noch die Ostküstenleitung hinzu.

Für den Kreis stimmte Bau-Fachbereichsleiter Bernd Straßburger in die Kritik mit ein. Er sprach von einer „gewissen Umzingelung“ Süsels. Ein wichtiger Landschaftsraum werde „durch sichtbare industrialisierte Strukturen“ zugestellt. Straßburger räumte ein, dass beim Prüfen der Trassenvarianten Systematik erkennbar sei. Dennoch sollte aus Sicht des Kreises die Bädervariante entlang der Autobahn noch einmal geprüft werden.

Johannes Grützner, Abteilungsleiter Energie im Kieler Ministerium, konterte deutlich. Straßburger sei lange genug im Geschäft, um die rechtlichen Grenzen zu kennen. „Dass wir mal Augen-zu- und-durch machen, eine solche Aussage können Sie von mir nicht erwarten“, erklärte Grützner. Eine unsaubere Planung werde vor den Gerichten scheitern. Auch Tennet-Planer Uwe Herrmann erklärte unter Hinweis auf das geschützte Pönitzer Seengebiet: „Die Bäder-Trasse hat das große Risiko, dass sie am Ende nicht funktioniert.“ Volker Weidemann (CDU), Bürgermeister in Sierksdorf, warnte vor einem Schwarze-Peter-Spiel, bei dem einer versuche, die Belastung auf den anderen abzuwälzen. Auf die Küstenorte käme bereits durch die Hinterlandanbindung des Belttunnels eine hohe zusätzliche Belastung zu.

Die Stimmung im Sportlerheim war dennoch klar pro Bädertrasse. Diese sei nie ernsthaft geprüft worden. „Wir im Hinterland fühlen uns total verschaukelt“, meinte ein Wulfsdorfer. Eine „Scheinprüfung mit dem Ziel, es geht nicht“ warf ein Süseler den Planern vor. Die erklärten, bei der Umweltverträglichkeit lägen beide Trassen und noch eine weitere gleichauf. Doch es seien ebenfalls Aspekte der Raumordnung, Eigentumsfragen und technisch-wirtschaftliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Unter dem Strich sei der Binnenkorridor „der besser geeignete“. pet

Der Weg zum Erdkabel

Erdverkabelung ist nur eine Ausnahme, keine Regel. Gesetzlich vorgegeben ist die Freileitung. Ein Erdkabel muss mindestens drei Kilometer lang sein, sonst machen die großen Übergangsanlagen keinen Sinn. Auf diesen drei Kilometern müssen mindestens zur Hälfte Häuser nahe an der Leitung stehen. Dabei gilt: Außerhalb von Ortschaften muss der Abstand kleiner als 200 Meter sein, bei Wohnsiedlungen kleiner als 400 Meter. Nur dann kommt Erdverkabelung in Frage. Verstöße gegen den Naturschutz sind ein weiteres Kriterium, um unter die Erde gehen zu können. Maximal sind zehn Kilometer möglich.

Naturschützer halten Planungen für nicht überzeugend

Der Nabu Eutin sieht bei der Planung der Ostküstenleitung Naturschutzaspekte „eklatant vernachlässigt“. Untersuchungen zur Betroffenheit des internationalen Vogelzuges und der Brutvorkommen streng geschützter Arten wie Seeadler und Kranich erfolgten nur auf Sparflamme, rügen die Naturschützer in einer Pressemitteilung. Sie bezweifeln, dass die Vorzugstrasse, die trotz der hochwertigen Landschaftsausstattung und der Vorkommen bedrohter Vogelarten in ihrem südlichen Abschnitt keine Erdverkabelung vorsieht, tatsächlich ergebnisoffen erfolgte. Für den Nabu führt kein Weg daran vorbei, im südlichen Kreisgebiet die Leitung mit bestehenden Infrastruktureinrichtungen entlang der A1 zu bündeln und eine Erdverkabelung im Bereich des EU-Vogelschutzgebietes Neustädter Binnenwasser vorzunehmen. Landesregierung und Tennet müssten nun endlich eine überzeugende naturverträgliche Planung vorlegen.

LN

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