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Ostholstein Kapitäne klagen gegen Angelverbot
Lokales Ostholstein Kapitäne klagen gegen Angelverbot
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22:25 06.02.2018
Montagvormittag im Kommunalhafen. Die meisten Kutter der Berufsfischer und der Freizeitangler liegen im Hafen vor Anker. Quelle: Peter Mantik
Heiligenhafen/Fehmarn

Montagmorgen in Heiligenhafen. Nur einer von sechs Kutterbetreibern ist draußen. Thomas Deutsch hat zwölf Freizeitangler auf seiner MS „Einigkeit“ zu Gast. Gewinnbringend sei das zwar nicht, aber er wolle damit ein Zeichen setzen. Deutsch: „Es sind schlechte Zeiten, aber wir sind für unsere Stammkunden dennoch da.“ Wie er betont: „Bis zum letzten Tropfen.“ Normalerweise habe er in dieser Jahreszeit immer 20 bis 25 Angler an Bord gehabt. Nicht nur er. Auf zwölf Gäste komme er nur, weil seine Kollegen auf Ausfahrten in der Woche verzichteten. An Wochenenden sehe es etwas positiver aus.

Ende September 2017 ist das Gesetz mit der Freizeitangel-Verbotszone in Kraft getreten. Doch der Widerstand in Heiligenhafen und auf Fehmarn ist ungebrochen. Noch diese Woche soll eine Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht werden.

Zwei Fische pro Angeltour

Noch zwei Monate lang heiße es durchhalten. „Denn zur Zeit darf jeder Angler nur zwei Fische pro Tour fangen“, erläutert Deutsch. Danach seien es wieder fünf pro Tag. Bag Limit heißt das Neudeutsch. Neben dem Angelverbot im Belt sei dies eine weitere Maßnahme, die Existenzen bedrohe, sagt Deutsch. Die Lage sei dramatisch.

Daher wurde Rechtsanwalt Prof. Dr. Holger Schwemer aus Hamburg eingeschaltet. Der Jurist sei ein ausgewiesener Experte. Er soll laut Lars Wernicke, dem Cheforganisator des Widerstands, noch diese Woche das fertige Klageschreiben einreichen – gegen die Bundesrepublik Deutschland. Das Ganze wird privat von den Kutterbetreibern finanziert. Die Klage richtet sich gegen das von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zwei Tage vor der Bundestagswahl unterzeichnete Gesetz, wonach in einem Bereich des Fehmarnbelts nicht mehr geangelt werden darf (die LN berichteten). Die Schutzzone ist exakt das Gebiet, in dem sich die Dorschgründe befinden.

Schutzgebiet nicht nur für den Dorsch

Laut Lars Wernicke ist der Dorsch der Brotfisch der Kutterbetreiber, hat dieser Fisch die größte Tradition. Die Klage sei notwendig, um zu verhindern, dass der Mensch künftig pauschal aus der Natur ausgesperrt werde. Wernicke hebt dabei hervor: „Die Gäste, die zu uns kommen, sind nach wie vor zufrieden, haben Freude am Angelausflug.“ Aber es würden immer weniger.

Nach wie vor stoße auf Fehmarn und in Heiligenhafen bitter auf, dass – so die Ansicht von Kutterbetrieben und Angelfachgeschäften – eine nachvollziehbare und wissenschaftliche Begründung für die Verbotszone fehle. Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb im neuen Schutzgebiet der Fang aller Fischarten verboten sei, wo sich doch die Diskussion vorab fast ausschließlich mit den stark rückläufigen Dorschbeständen beschäftigt habe. Wernicke: „Wir werden weiter für das Meeresangeln und die betroffenen Familien kämpfen.“ Er sei momentan verhalten zuversichtlich.

Egoh-Kampagne „Erlebnis Meer“ soll helfen

Mit im Boot sitzen auch die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh) sowie die Tourismusleiter Manfred Wohnrade (Heiligenhafen) und Oliver Behncke (Fehmarn). Die Egoh hat das Projekt „Erlebnis Meer“ initiiert, inklusive Imagefilm und Foto-Sessions mit Kapitänen. Jens Meyer von der Egoh: „Wir wollen die Betriebe retten. Daher treten wir mit positiven Aktionen in die Öffentlichkeit.“

 Von Peter Mantik

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