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Ostholstein Kapitelhof im zweiten Anlauf für 351000 Euro zwangsversteigert
Lokales Ostholstein Kapitelhof im zweiten Anlauf für 351000 Euro zwangsversteigert
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22:22 18.04.2016
Der Kapitelhof in der Stolbergstraße 16 ist über 200 Jahre alt und ein Schmuckstück, bedarf aber dringend einer Sanierung. Quelle: Benthien

Im zweiten Anlauf war Unternehmer Falk Herzog aus Stendorf erfolgreich: Bei der gestrigen erneuten Zwangsversteigerung des in der Stolbergstraße 16 gelegenen Kapitelhofs im Eutiner Amtsgericht — bereits im April 2013 hatte ein solcher Termin stattgefunden — gab Rechtsanwalt Jan Mittelstein in Herzogs Auftrag das höchste Gebot ab. Mit 351000 Euro hatte er den längsten Atem. Den Zuschlag konnte Rechtspflegerin Marianne Schnepel wegen offener Rechtsmittel allerdings noch nicht erteilen. Ein Zuschlagsverkündungstermin ist für den 9. Juni angesetzt.

Unter Denkmalschutz

Kapitel- oder Kapitelshof war früher die Bezeichnung für bedeutende Grundstücke in der Stadt. Sie lagen östlich und nördlich der Kirche und wurden von dieser an Stiftsangehörige vergeben.

Wohnhaus und Nebengebäude des Kapitelhofs in der Stolbergstraße 16 wurden im 18./19. Jahrhundert errichtet. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz.

Wie bereits bei der Zwangsversteigerung des Kapitelhofes vor drei Jahren als auch bei der der Fasaneninsel im April 2014, versuchte ein Anwalt der vormaligen Eigentümerin das Verfahren abzuwehren. Der Beginn der gestrigen Bietstunde wurde zunächst um eine halbe Stunde verschoben, weil über den eingegangenen Antrag auf Aufhebung des Versteigerungstermins zu entscheiden war. Eine Richterin habe diesen zurückgewiesen, teilte Rechtspflegerin Schnepel den potentiellen Käufern und interessierten Zuhörern in Saal C mit. Prompt kündigte dagegen der Hamburger Anwalt Matthias Schütz Beschwerde an. Er vertritt die in Hamburg lebende Giesela Wiese, in deren Namen vor drei Jahren der Makler Mirko Benz den Kapitelhof ersteigert hatte. So blieb die Immobilie in der Familie: Bis dahin war Tochter Wiese, Künstlername Zoé Roussadana, Eigentümerin. Die Fotografin und Installationskünstlerin war bis zu deren Zwangsversteigerung auch Vorbesitzerin der Fasaneninsel.

Ähnlich schwer, wie es für ihre Nachfolger war, auf das Eiland zu gelangen, dürfte es wohl auch Falk Herzog haben, wenn er nach einer Zuschlagsverkündung den Kapitelhof betreten will. So überraschend, wie im Fall der Fasaneninsel ein Pachtvertrag auftauchte, wurde jetzt auch für den Kapitelhof ein Mietvertrag präsentiert: Danach vereinbarten Anfang März diesen Jahres Giesela Wiese und Ulrich Schmermund, früherer kurzzeitiger Miteigentümer des Kapitelhofs, dass letzterer die Gebäude ab 1. April für zwölf Monate mietet. Ein Wohnrecht wurde danach ebenfalls dem Schauspieler und langjährigem Roussadana-Vertrauten Tom Pidde zugestanden.

Von einem „behaupteten Nutzungsvertrag“ sprach Marianne Schnepel. Ob dieser gültig sei, müsse gegebenenfalls prozessual geklärt werden: Das Zwangsversteigerungsverfahren sei bei Abschluss bereits in Gang gesetzt gewesen. Die Rechtspflegerin führte weiter aus, dass Giesela Wiese das Verfahren hätte abwenden können. Sie habe sie schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass nach der ersten Zwangsversteigerung von 2013 nur noch „eine kleine Summe“ zu zahlen sei. Die gesetzte Frist habe die Hamburgerin jedoch verstreichen lassen. Wie im Amtsgericht erläutert wurde, seien im November 2013 rund 455000 Euro von Wiese gezahlt worden. Für 485000 Euro war der Kapitelhof damals weggegangen.

Mit 351000 Euro ist Falk Herzog damit diesmal deutlich günstiger an den über 200 Jahre alten Kapitelhof gekommen (im Rennen war mit Manfred Ramthum aus Bad Segeberg nur ein einziger ernsthafter Mitbieter). Gezahlt werden muss weiterhin eine Leibrente von monatlich rund 700 Euro für eine 91jährige Begünstigte, die sich laut Anwalt bester Gesundheit erfreue und das Procedere interessiert verfolge.

Herzog (37) gelernter Industriekaufmann, jetzt landwirtschaftlicher Unternehmer, der das Gut Stendorf führt, hat nach eigenen Angaben „eine Leidenschaft für historische Gebäude. Der Kapitelhof hat mir schon immer gefallen.“ Er will ihn denkmalgerecht sanieren und für Wohnzwecke nutzen. Dass der Weg bis dahin lang und beschwerlich sein wird, sei ihm bewusst.

Von Ulrike Benthien

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