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Karriere-Wechsel: Strandkörbe statt Bundeswehr

Timmendorfer Strand Karriere-Wechsel: Strandkörbe statt Bundeswehr

Marcus Bade hat es bis zum Oberstleutnant gebracht — und ist dann ausgestiegen. Jetzt arbeitet er am Timmendorfer Strand.

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Morgens hängt jetzt schon ein bisschen Nebel über der Seebrücke und dem Strand. Marcus Bade schaut noch einmal nach dem Rechten, bevor die ersten Gäste kommen.

Quelle: Fotos: S. Latzel

Timmendorfer Strand. Ein schmuckes Holzhäuschen am Strand, gleich neben der Timmendorfer Seebrücke, weiße Strandkörbe im weichen Sand, Meeresrauschen, das Glitzern der Sonne auf der Ostsee: Es gibt schlimmere Arbeitsplätze als den eines Strandkorbvermieters. Das sieht Marcus Bade auch so. Er durchlebt in diesem Jahr seine erste Saison in diesem Metier — und hat dafür eine beachtliche Karriere bei der Bundeswehr aufgegeben.

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„Ich fühle mich einfach besser, weil ich mit meinem Leben zufrieden bin.“ Strandkorbvermieter Marcus Bade

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„Verstehen Sie das nicht falsch“, stellt der 40-Jährige gleich klar: „Ich war sehr gern bei der Bundeswehr, das waren tolle 19 Jahre.“ Nach dem Abitur in Lübeck verpflichtete sich Marcus Bade für zwölf Jahre, studierte über diesen Weg Maschinenbau und wurde parallel militärisch ausgebildet, „im Bereich Logistik“.

Im Anschluss wurde er Berufssoldat, „das hätte ich normalerweise bis zur Pensionierung machen können“. Teilweise sei er als Kompaniechef für 200 Soldaten verantwortlich gewesen, „es gab immer neue Tätigkeiten, die Arbeit war sehr abwechslungsreich und hat Spaß gemacht“. An der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg wurde Marcus Bade zum Generalstabsoffizier ausgebildet.

„Damit war ich im Jahr 2009 fertig“, erzählt er, lehnt sich im Stuhl vor dem Vermieterhäuschen zurück und guckt auf die Ostsee, über der am Morgen noch ein wenig Nebel wabert. Eine Früh-Baderin kommt aus dem Wasser und den Strand hoch. „Das Wasser ist ja noch warm“, sagt sie. „Ja, 18 Grad, immerhin“, meint Marcus Bade und zeigt auf die Kreidetafel, auf der die Temperatur schon sorgfältig notiert ist.

„Ich wollte immer mit meiner Familie ins Ausland“, berichtet er, „das war mein größter Traum.“ Der sich erfüllte, mit dem Wechsel ins Auswärtige Amt, in den Diplomatischen Dienst — Anzug statt Uniform. Marcus Bade wurde nach Brüssel versetzt, ins Nato-Hauptquartier. „Dort bin ich in eine neue Welt eingetaucht“, sagt er begeistert, „in diese multikulturelle Metropole — und ich dachte, dass ich beruflich alles erreicht hätte.“

Warum dann aber der Wechsel? „Meine sogenannte Life-Balance war nicht mehr in der Waage“, meint Marcus Bade. „Das Verhältnis von Beruf, Familie und Freizeit stimmte nicht mehr.“ Gerade für die Kinder — heute acht und zweieinhalb Jahre alt — habe Zeit gefehlt. „Oft war ich nur am Wochenende zu Hause.“ Und das wäre kaum besser geworden, denn die nächste „Verwendung“ für Marcus Bade wäre Bataillonskommandeur gewesen.

Jetzt trägt er weder Anzug noch Uniform, sondern Turnschuhe, karierte Shorts und ein Polohemd. „Meine Schwiegereltern haben seit zehn Jahren eine Strandkorbvermietung in Scharbeutz“, berichtet er.

„Daher kannte ich das Geschäft.“ 2012 entdeckte er dann eine Annonce in einem Anzeigenblatt: „Strandkorbvermietung zu verkaufen.“ Er habe sich sofort gemeldet — und es ging um eine große Strandkorbvermietung, 150 Körbe, im Zentrum von Timmendorfer Strand, gleich neben der Maritim-Seebrücke. Marcus Bade — zu dem Zeitpunkt Oberstleutnant im Generalstabsdienst — kündigte. „Mein vorgesetzter General konnte das durchaus nachvollziehen.“

Im April dieses Jahres hat Marcus Bade seine neue Arbeit begonnen — und gleich Glück: „Fünf Wochen Sonne am Stück in diesem Sommer.“ Wo sich sein Verdienst einpendeln wird, werde er aber vermutlich erst in einigen Jahren sagen können. „Vorher habe ich gutes Geld verdient und war vollkommen abgesichert.“

Aber mit 40 sehe man die Dinge anders, meint Marcus Bade: „Ich wollte nicht in 20 Jahren von mir selbst sagen müssen, dass ich zwar wusste, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass ich daran aber nichts geändert habe.“ Mehr Geld sei nicht zwangsläufig das, was einen Menschen am Ende glücklich mache. „Ich gestalte mein Leben jetzt so, wie ich es möchte.“ Die Familie — die Bades wohnen in Ratekau — habe auch etwas davon, nämlich mehr gemeinsame Zeit.

Im Oktober werden die letzten Strandkörbe eingelagert, dann stehen Papierkram und einige kleinere Reparaturen an den Körben an. Marcus Bade wird auch weiterhin an Wehrübungen teilnehmen, als Reservist. Wo er in zehn Jahren stehen wird, kann er nicht abschätzen. „Wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich meinen Beruf an den Nagel hängen würde, hätte ich gesagt: niemals.“ Aber nun freue er sich über mehr Lebensqualität: „Ich fühle mich einfach besser, weil ich mit meinem Leben zufrieden bin.“

Sabine Latzel

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