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Ostholstein Karriere im Blick, Gegner im Würgegriff
Lokales Ostholstein Karriere im Blick, Gegner im Würgegriff
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14:32 15.01.2018
Michel Görner (l.) und Danjo Dilling zeigen, wie man den Gegner in die Mangel nimmt. Quelle: Fotos: Neelsen (3), Rosenkötter
Neustadt/Lübeck

Wrestling ist definitiv kein Massensport. Die Hochphase, als Hulk Hogan und der Undertaker Millionen Zuschauer – vor allem in den USA – elektrisierten, ist vorbei. Doch der nächste Hype kommt bestimmt.

Das hatte zuletzt auch Werder Bremens Ex-Torwart Tim Wiese erkannt. Michel Görner ist ebenfalls bereit. Im Ring wird er zu „Luke Taylor“. Es ist sein Kampfname.

Michel Görner kracht auf den Ringboden. Der 16-Jährige stöhnt auf, krümmt sich. Kurz darauf packt er seinen Gegner, schleudert ihn voller Wucht in die Seile. Nur Show? Ja. Jede Bewegung ist abgesprochen. Weh tut es trotzdem. Michel Görner ist Ostholsteins größte Wrestlinghoffnung.

Die LN treffen ihn an einem grauen Abend im Lübecker Eishaus. Das ehemalige Kühlhaus der Brauerei Lück ist seit Anfang Dezember die neue Heimat der Wrestlingschule „Suplex Schmiede“. 15 Kinder, Jugendliche und Erwachsene lassen sich hier abwechselnd im etwa 20 Quadratmeter großen Ring fallen. Judorolle, angetäuschter Sprung auf die Hände des Gegners, Schwitzkasten. Was brutal aussieht, erfordert viel Konzentration und Körperspannung. Michel Görner ist seit 2016 dabei. „Mit zwölf habe ich auf Youtube Wrestling geschaut. Doch da gab es keinerlei Möglichkeiten, irgendwo zu trainieren“, erinnert er sich.

Michel Görner spielt lange beim TSV Lensahn Fußball, auch höherklassig und sogar in Auswahlmannschaften. Doch die Lieblingssportart der Deutschen hat keine Chance mehr bei ihm. Als er auf Facebook von der Wrestlingschule erfährt, ist die Fußballkarriere schnell vorbei. „Nach dem ersten Training war ich der stolzeste Junge in ganz Deutschland“, versucht er das Glücksgefühl zu erklären.

Seitdem fährt er zweimal pro Woche – oft mit Bahn und Bus – zur Wrestlingschule. An vier anderen Tagen geht er schwimmen und macht Krafttraining. Wrestling ist für Michel Görner längst mehr als ein Hobby. „Es ist mein größter Traum, im Ring zu stehen. Dafür investiere ich viel. Ich will mich in Deutschland beweisen und ein Auftritt bei Wrestlemania gegen AJ Styles wäre das Größte“, sagt er, der seit August eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe macht.

Peter Piplak, Promoter und Betreiber der „Suplex Schmiede“, bescheinigt seinem Schützling den Charakter und die Einstellung eines 25-Jährigen. „Er ist ein gefestigter, bodenständiger Mensch.“ Michel sauge alles auf, wolle professionell arbeiten. Seit einem Auftritt in Dänemark habe der 16-Jährige sogar den Status eines „Profis“. Das heißt, er hat die Aufmerksamkeit von anderen Veranstaltern erregt, bekommt Fahrt- und Übernachtungskosten erstattet.

Auch Trainer Dave Davies, zweifacher Weltmeister und Wrestling-Kennern als „Demolition Davies“ bekannt, hält viel von Michel Görner. „Er war von Anfang an sehr talentiert, lernt schnell. Wenn er etwas nicht sofort schafft, dann schafft er es beim nächsten Mal“, sagt der Mann, der vor einigen Jahren Oliver Pocher durch ein RTL-Studio schleuderte. Ob Görner wirklich international durchstarte, hänge auch von seinem Privatleben ab. „Wenn keine Frau dazwischen kommt, sind seine Chancen gut“, sagt Davies.

Um zu bestehen, muss Michel Görner Muskelmasse aufbauen. „Die sind wie ein Panzer für die Knochen“, sagt sein Trainer. Das Verletzungsrisiko im Wrestling ist hoch. „Auf eine gewisse Art und Weise gefährdet man sein Leben“, sagt Görner. Er selbst habe bislang Glück gehabt. Nur einmal, da sei er unglücklich auf seinen Nacken gefallen und habe ein Schleudertrauma erlitten. Prellungen hingegen sind für ihn kaum noch eine Erwähnung wert. „Im Training tut es schon weh. Der Ringboden ist zwar etwas elastisch, aber keinesfalls gemütlich. Im Match merkt man die Schmerzen nicht. Da bin ich voller Adrenalin“, schildert er.

Dann geht das Training weiter. Danjo Dilling (30) aus Bad Oldesloe wartet bereits auf ihn. In seiner Rolle als „The Collector“ will er „Luke Taylor“ auseinandernehmen. Doch daraus wird nichts. Aber es ist ja eh nur Show, oder?

Am 17. Februar im Internet und Ring

Nächste Live-Show: Am Sonnabend, 17. Februar, steigt in Lübeck die „Eishaus Explosion“, Geniner Straße 199. Beginn ist um 17.30 Uhr. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen für 13 Euro.

Trainiert wird in der Wrestlingschule Suplex Schmiede immer mittwochs von 20 bis 22 Uhr sowie sonntags von 13 bis 15 Uhr. Es gibt kostenlose Probetrainings. Auch für Kinder und Jugendliche ist ein Einstieg möglich.

Ein Video von Michel Görner als „Luke Taylor“ im Wrestlingring gibt es auf unserer Internetseite www.LN-online.de/Neustadt.

 Sebastian Rosenkötter

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