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Ostholstein Katharina Gralla — zu Hause bei den Nordlichtern
Lokales Ostholstein Katharina Gralla — zu Hause bei den Nordlichtern
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21:16 02.04.2016

Ostholstein Sie ist die Neue für die Region Strand — Katharina Gralla, von Mai an Tourismus-Pastorin zwischen Niendorf/Ostsee und Sierksdorf. Allerdings schlägt ihr Herz nicht nur für die Küste. Fasziniert ist die Theologin auch von den Feldsteinkirchen im Binnenland. Die Menschen von Meer und Achterland will sie einander näher bringen.

Tourismus-Pastorin in Timmendorf — das heißt doch wohl, dass Sie gern Gottesdienste am Strand halten wollen, oder?

Katharina Gralla: (lacht) Das ist auch ein Teil der Arbeit, sicher. Aber zum einen denke ich generell an Gottesdienste an besonderen Orten — Abendandachten am Meer, unterm Sternenhimmel oder in Kurparks. Zum anderen ist das konzeptionelle Standbein bei dieser Aufgabe wichtig.

Welches konzeptionelle Standbein?

Gralla: Ich möchte mit den Interessierten in den Kirchengemeinden und mit den Tourismusverbänden überlegen, in welche Richtung sich die Angebote der Kirche in der Lübecker Bucht weiterentwickeln können. Was suchen die Gäste? Außerdem kann man mit dieser Stelle vielleicht noch mehr Menschen erreichen, die ansonsten für kirchliche Angebote nicht so zu haben sind.

Interessieren sich die Menschen im Urlaub überhaupt für die Kirche?

Gralla: Menschen bringen in den Urlaub auch immer eine Sehnsucht nach Verwandlung und Neuorientierung mit. Sie suchen neue Perspektiven, damit das Leben wieder einen Schritt weitergeht.

Gleichzeitig gibt es das Bedürfnis, zur Ruhe und zu sich und auch zu Gott zu kommen. Menschen dabei zu begleiten, Zeit und Raum für das Suchen und Fragen und Nachdenken anzubieten — das finde ich spannend.

Sie werden es dabei aber nicht unbedingt mit regelmäßigen Kirchgängern zu tun haben . . .

Gralla: Ich fühle mich im Umgang mit Menschen, die keine enge Kirchenbindung haben, auch wohl. Ich feiere gern Gottesdienste mit Menschen, die das nur kasual brauchen, also beispielsweise anlässlich von Taufen oder Trauungen.

Wie gut kennen Sie die Lübecker Bucht?

Gralla: Ich habe seit Jahren eine Zweitwohnung in Haffkrug und beobachte das Treiben in der Lübecker Bucht mit viel Sympathie. Es gibt hier so eine spezielle Mischung aus klassischen Urlaubern, Wellness-Kurzurlaubern, Zweitwohnungsbesitzern und der Camping-Szene, noch dazu ist die Bucht sozusagen der Stadtstrand von Hamburg. Es ist interessant, so viele verschiedene Menschen auf einem überschaubaren Raum zu finden.

Timmendorfer Strand baut einen Hochzeitshügel, stellt einen weiteren Standesbeamten ein und möchte so Hochzeits-Hochburg werden. Gehören Sie zu diesem neuen Angebot?

Gralla: Nicht alle trauwilligen Menschen wollen ja auch kirchlich heiraten. Aber gewiss erhöht das alles im Zweifelsfall auch das Aufkommen der kirchlichen Hochzeiten, und der Wunsch nach besonderen Orten dafür, wie eben dem Strand, steigt. Gott wohnt ja nicht nur in der Kirche, von daher sind Trauungen und Taufen überall möglich.

Sind Sie see- und wasserfest?

Gralla: Ich schwimme sehr gern. Ich kann aber weder surfen noch segeln. Dazu würde ich aber vermutlich ohnehin kaum kommen, weil ich ja im Sommer viel arbeiten werde.

Was wollen Sie als Tourismus-Pastorin unbedingt machen?

Gralla: Ich möchte eng mit den Kollegen vor Ort zusammenarbeiten, wobei auch die Kirchenmusiker ganz wichtige Kooperationspartner sind. Ich wünsche mir, dass die vielen Angebote, die es ja schon gibt, bekannter werden. Ansonsten habe ich so viele Ideen — ich kann mir zum Beispiel eine Art Mini-Pilgern vorstellen, also meditative Spaziergänge, bei denen man das Leben wandernd bedenkt. Mein größtes Glück wäre es, Angebote zu finden, die wirklich ankommen.

Konzentrieren sich diese Planungen auf die Küste?

Gralla: Nein, es stellt sich natürlich auch die Frage, wie man das Binnenland besser erschließen kann. Süsel und Gleschendorf etwa haben so schöne Feldsteinkirchen. Vielleicht können wir neue Wege finden, den Menschen, die am Meer sind, auch das Binnenland näher zu bringen.

Hören Sie jetzt von Bekannten oft den Satz „Du hast es gut“?

Gralla: Ja, das sagen viele — und das finde ich auch, sonst würde ich es ja nicht machen. Wobei gerade die Arbeit am Strand auch eine Herausforderung sein kann. Der Wind weht, das Meer rauscht. Das ist schön, aber wenn Sie gegen diese Geräuschkulisse ankommen wollen, müssen Sie auch gut bei Stimme sein.

Interview: Sabine Latzel

Zur Person

Katharina Gralla, Jahrgang 1965, kam in Bayern zur Welt, lebt aber seit über 30 Jahren in Hamburg. Sie hat eine Ausbildung an der Journalistenschule in München absolviert und danach Theologie studiert. Zu ihren Aufgaben gehörte die Konfirmanden-Projektarbeit, außerdem war sie Gemeindepastorin mit Schwerpunkt Altenheim-Seelsorge und Pressesprecherin der Bischofskanzlei in Hamburg. Seit über acht Jahren ist sie Schulpastorin in der Wichern-Schule in Hamburg.

Als Tourismus-Pastorin mit einer halben Stelle wird sie von Mitte Mai bis Mitte September in Vollzeit in der Region Strand tätig sein, also in fünf Kirchengemeinden von Niendorf bis Sierksdorf sowie im Binnenland in Süsel und Gleschendorf. Katharina Gralla ist verheiratet und Mutter von drei Söhnen.

LN

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