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Ostholstein Katze gerettet: Mutige Gans vertreibt Fuchs
Lokales Ostholstein Katze gerettet: Mutige Gans vertreibt Fuchs
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10:07 06.10.2016
Da haben die Spielkameraden Glück gehabt: Das Katzenbaby wurde von der Gans gerettet.
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Ahrensbök

Zur Kinderstube ist wieder einmal das Wohnzimmer auf dem Hof Steindamm in Ahrensbök geworden. Sechs Katzenkinder tummeln sich auf dem Teppich und ihrem Katzenkörbchen, raufen miteinander, jagen Papierkugeln oder halten zusammengerollt ein Nickerchen zwischendurch. Um ein Haar wären es allerdings nur noch fünf Kätzchen gewesen – oder besser: um eine Feder. Denn offenbar hat eine mutige Gans vor einigen Tagen eine der sieben Wochen jungen Katzen vor einem räuberischen Fuchs gerettet, berichten die Gründer der Nutztier-Arche, Andrea Weber und Thorsten Heide.

Der geschickte Jäger holte sich vom Ahrensböker Hof schon 15 Enten.

„Zäune nützen nichts.“ Andrea Weber vom Hof Steindamm in Ahrensbök

„Wir hatten die Katzen in ihrer Holzkiste auf die Veranda gestellt“, berichtet Andrea Weber. Zwar sind die Wände der Kiste mehr als einen halben Meter hoch, doch anscheinend schafften es die fünf kleinen Kater und ihre Schwester dennoch hinaus und tollten im Garten umher . „Plötzlich ging der Gänse-Alarm los“, erinnert sich Thorsten Heide: „Wildes Geschnatter und Gekreische, da bin ich natürlich losgerannt.“ Er habe den Fuchs noch davonhuschen sehen. „Der wollte sich wohl eines der Kätzchen holen, aber es ist zu den Gänsen geflüchtet, dort hatte es ja Schutz.“ Eine Gans habe sich dem Fuchs entgegen gestellt, vermutet Heide. „Das war eine von den großen, weißen Dithmarscher Gänsen. Der Fuchs hat ihr in einen Flügel gebissen, die Gans war voller Blut.“

Die Verletzung habe dann aber schlimmer ausgesehen, als sie war. „Wir haben die Wunde desinfiziert, und der Gans geht es mittlerweile wieder gut“, sagt Andrea Weber.

Die Gänse seien generell recht wehrhaft, haben die Hof-Betreiber festgestellt. „Einmal hat sich ein Greifvogel auf einen unserer Hähne gestürzt“, so Andrea Weber. „Dann ist eine Gans dazwischen gegangen und hat den Greifvogel vertrieben.“ Was den jüngsten Fuchs-Besuch angeht, hat sich offenbar weder Katzen-Mutter „Peddy“ noch einer der zahlreichen Hunde des Hofes gerührt. „Die Gänse sind unterm Strich die besten Wächter hier“, meint Thorsten Heide.

Doch auch wenn das Tohuwabohu um das Katzenkind gut ausgegangen ist, macht der Fuchs der Nutztier-Arche weiterhin zu schaffen. Bereits im vergangenen Jahr hatten Andrea Weber und Thorsten Heide den Verlust von mindestens 20 Enten und vier Gänsen beklagt – und wegen der Größe des Tieres zunächst sogar auf einen Wolf getippt. Dieser Verdacht ließ sich nicht erhärten, „aber der Fuchs, den ich hier sehe, ist wirklich ungewöhnlich groß“, so Thorsten Heide. Allein in diesem Jahr habe sich das Raubtier bereits mindestens 15 Enten geholt: „Der Fuchs ist leider ein ständiger Gast bei uns.“

Als Gegenmaßnahme empfiehlt Christopher von Dollen, Vorsitzender des Arbeitskreises Niederwild beim Landesjagdverband, vor allem eine bessere Absicherung, also „Weidezäune und Stromdraht“. Außerdem könnten die Hof-Betreiber in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jagdpächter eine Lebendfalle aufstellen. Füchse dürften nur dann nicht bejagt werden, wenn sie Junge haben, so von Dollen, und das sei nur im Frühjahr, meist ab April, der Fall.

„Zäune nützen uns nichts“, meint hingegen Andrea Weber. „Nachts ist das Federvieh ja eingesperrt, dann kommt der Fuchs nicht dran.“ Das Tier sei aber so dreist, dass es tagsüber durchs Tor spaziere, „neulich einfach an einem unserer Mitarbeiter vorbei“. Eine Lebendfalle hätten sie bereits aufgestellt, „aber für die ist der Fuchs zu intelligent, darin saßen nur andere Tiere – mal eine Katze, mal eine Ente, mal eine Ratte“. Abgeschossen werden darf der Fuchs in „befriedeten Bezirken“, also auch in einer Wohngegend wie dem Steindamm, nicht, erklärt Christopher von Dollen. „Das müsste im Umfeld geschehen, aber das ist sehr schwer – es gibt nicht umsonst die Redewendung ,schlau wie ein Fuchs‘“.

Sabine Latzel

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