Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Kauf einer Drehleiter? Stadt kontra Feuerwehr
Lokales Ostholstein Kauf einer Drehleiter? Stadt kontra Feuerwehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:35 11.12.2015
Oldenburgs Wehrführer Marco Kleinschmidt plädiert dafür, 2016 eine neue Drehleiter zu kaufen. Quelle: Binder

Behalten oder ersetzen? Die Stadt Oldenburg diskutiert den Kauf einer neuen Drehleiter für die Feuerwehr. Das jetzige Einsatzfahrzeug wird im kommenden Jahr 20 Jahre alt; die Wehrführung empfiehlt, es auszutauschen. Die Stadtverwaltung hingegen plädiert dafür, noch einmal in das aktuelle Fahrzeug zu investieren und mit einer Neuanschaffung noch zu warten. In der Politik gingen die Meinungen in der jüngsten Sitzung auseinander; in der kommenden Woche will sich der Hauptausschuss erneut mit dem Thema befassen (15. Dezember, 19 Uhr, Bildungs- und Kulturzentrum).

Momentan sei die jetzige Drehleiter noch in einem guten Zustand, sagt Oldenburgs Wehrführer Marco Kleinschmidt. Angesichts ihres Alters sei jedoch „nicht abzusehen, wie lange das so bleibt“. Die Drehleiter sei unerlässlich für die Arbeit der Feuerwehr: Bei jedem Einsatz rücke sie mit aus, im vergangenen Jahr 2014 seien mit ihr mehr als 15 Menschen aus brennenden Gebäuden gerettet worden.

Nach Angaben der Stadtverwaltung stünde derzeit ein Fahrzeug für 580000 Euro zum Verkauf — ein Vorführmodell von einer Messe, das „deutlich günstiger“ sei als ein Neufahrzeug. 30 Prozent der Kosten würden zudem vom Kreis zugeschossen, sodass für die Stadt ein Preis von 406000 Euro bliebe.

Aus Sicht der Verwaltung jedoch sei „eine Neuanschaffung aktuell nicht erforderlich“, so Bürgermeister Martin Voigt (parteilos). Eine Routine-Prüfung Anfang des Monats habe bestätigt, dass der jetzige Leiterwagen „betriebssicher und einsatzbereit“ sei. Das Förderprogramm des Kreises laufe zudem bis 2018 und auch danach „ist mit einer Bezuschussung zu rechnen“.

Karsten Marzian (CDU) bezeichnete diese Argumentation als „schlüssig“. Er sprach sich ebenfalls dafür aus, mit dem Kauf noch zu warten. Anders die Einschätzung von Henning Andrees (FDP): „Die Reparaturen werden im Laufe der Jahre erfahrungsgemäß nicht weniger “, hielt er dagegen. Er forderte: „Wir sollten ernsthaft über eine Neuanschaffung nachdenken — schließlich riskieren die Feuerwehrleute freiwillig ihr Leben für andere Menschen.“

Dass die Feuerwehr gut ausgerüstet sein müsse, stehe außer Frage, betonte auch Helga Poppe (SPD). Angesichts der Kosten müsse die Entscheidung jedoch wohl überlegt sein. Sie plädierte dafür, Experten prüfen zu lassen, ob es sich noch lohne, in die alte Drehleiter zu investieren. Ein entsprechendes Gutachten soll voraussichtlich in der nächsten Sitzung vorgelegt werden.

Fest steht, dass das Fahrzeug aufgrund seines Alters 2016 generalüberholt werden müsste. Nach derzeitigem Stand werden dafür Kosten von etwa 15000 Euro prognostiziert. Genau wissen könne das im Vorfeld jedoch niemand, warnt Wehrführer Kleinschmidt, die Kollegen auf Rügen hätten zum Beispiel mit 20000 Euro gerechnet und am Ende seien es 80000 Euro gewesen.

Er gehe davon aus, „dass wir die Drehleiter 2016 für ein weiteres Jahr fit kriegen“, so Kleinschmidt. Aus wirtschaftlicher Sicht halte er es jedoch für sinnvoller, sie zu ersetzen. Mit ihren 20

Jahren hat das Fahrzeug übrigens das Alter erreicht, in dem laut sogenanntem Feuerwehrbedarfsplan Löschfahrzeuge ausgetauscht werden sollten. Für die Drehleiter gibt es keine solche Empfehlung;

festgelegt ist nur, dass es eine geben muss.

Jennifer Binder

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige