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Kaum noch Schilf am Großen See

Eutin Kaum noch Schilf am Großen See

Die Eutiner Fischerin Sabine Schwarten beklagt den rapiden Rückgang, den sie seit Jahren beobachtet. Als Grund hat die Fischwirtschaftsmeisterin ausgemacht: Graugänse fressen das Süßgras ab.

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Auf Bootstour mit Hündin „Lena“ im Jahr 1991: Da gab es an der nordöstlichen Spitze der Fasaneninsel noch kräftiges Schilf.

Eutin. Am Ufer des Großen Eutiner Sees gibt es nur noch Spuren von Schilf. „Im Wasser findet man nichts mehr, dabei kann es 20 Meter hineinwachsen“, sagt Sabine Schwarten (55). Die Fischwirtschaftsmeisterin beobachtet die Entwicklung seit Jahren und ist bestürzt: „Bis Anfang der 1990er-Jahre war noch alles in Ordnung, es gab einen dichten geschlossenen Schilfgürtel rund um den See.“ Dann seien in immer größerem Ausmaß Gänse aufgetaucht und hätten ihn nach und nach weggefressen.

LN-Bild

Eutiner Fischerin beklagt rapiden Rückgang – Graugänse fressen das Süßgras ab.

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Für den Rückgang von Schilf gebe es verschiedene Ursachen – beispielsweise Wellengang, Schatten durch am Ufer stehende Bäume, veränderter Wasserstand. Die Hauptverursacher am Großen Eutiner See sind Gänse. Das bestätigt auch Christian Burggraf von „Wasser Otter Mensch“, einem Verein für Ökosystemschutz und -nutzung in Eutin. „Durch den Wandel in der Landnutzung finden Gänse weniger Nahrung“, sagt Burggraf. „Ihnen fehlen Grünflächen, die vom Wasser aus fußläufig mit ihren Gösseln erreichbar sind.“

Für die Fraßschäden am Schilf verantwortlich gemacht werden in der Holsteinischen Schweiz vornehmlich Graugänse, heißt es in einer Publikation des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR), die auf einer Studie der Uni Hamburg fußt. Seit 1990 würden sich von Mitte Mai bis Ende Juni Graugänse aus einem großen europäischen Einzugsgebiet zur Mauser einfinden. In dieser Zeit seien die Tiere für vier Wochen flugunfähig und hielten sich bevorzugt auf dem Wasser und am ufernahen Grünland auf.

Mehr als 600 Gänse beobachten Sabine Schwarten und ihre Familie mittlerweile jedes Jahr. „Es sind immer mehr geworden“, sagt die Fischerin. Nach ihrer Auffassung haben die milderen Winter die Gänse nach Schleswig-Holstein geführt. Zudem habe eine Verdrängung aus dem niederländischen Raum stattgefunden, da dort große Industriebereiche entstanden seien. „Die Niederlande haben auch eine Gänseplage. Fischer, Jäger, Landwirte und andere haben sich dort zusammengetan. 2011 haben sie von 280000 Gänsen 180000 erlegt.“ 2014/ 2015 seien im Nachbarland nochmals 360000 Junggänse getötet worden, berichtet die Fischerin.

Schilf sichere die Ufer, darin lebten Mikro-Organismen („das kleine Klärwerk des Sees“). Im Schilf könnten keine Fadenalgen wachsen, es sei Heimstatt für viele Vögel wie Rohrdommeln, Rohrweihe und Drosselrohrsänger. Nicht zuletzt sei es die Kinderstube für Fische. „Jeden Herbst und Winter beobachten wir jetzt, dass Jungfische unter den Stegen unseres Betriebes Schutz suchen – belauert von Kormoranen, Gänsesägern, Haubentauchern, Reiherenten, Blesshühnern“, sagt Sabine Schwarten.

Seit Ende der 1960er-Jahre bewirtschaftet ihre Familie den Großen Eutiner See. Anhand von Aufnahmen aus dem Boot und aus der Luft könne die Schilf-Dezimierung nachvollzogen werden. Die Liebesinsel sei früher von einem 20 Meter breiten Schilfgürtel umrandet gewesen. Die Fasaneninsel habe noch 1991 an ihrer nordöstlichen Spitze weit ins Wasser wachsendes Schilf besessen, das Segler davor bewahrt habe, dort auf Grund zu laufen. Eine Studie der Universitäten Kiel und Hamburg, 2010 vorgelegt, dokumentiere den rapiden Schilfrückgang am Großen Eutiner See und anderen Seen der Region, berichtet die Fischerin. „Auch am Pönitzer und am Lanker See fängt es jetzt an.“

Sie habe sich 2013 an das Umweltministerium in Kiel gewandt. Das Gänse-Problem sei dort heruntergespielt worden. Die Tiere hätten erst ab dem Jahr 2000 Schäden verursacht, hieß es aus Kiel. Der Schilfrückgang sei auf schwankende Wasserstände und Treibholz zurückzuführen, habe man ihr geantwortet. Die Fischerin schüttelt den Kopf: „Die haben ihren eigenen Leitfaden nicht richtig gelesen.“

Ein 2014 von ihr gestellter Antrag auf Pachtreduzierung „wegen veränderter fischereilicher Qualität“ sei abgelehnt worden. Sie solle erst einmal Zahlen liefern.

Finanzielle Mittel für Schilfschutz gebe es weder vom Kreis noch vom Land. „Ich spreche das Thema aber bei jedem Treffen mit dem Umweltminister an“, sagt Sabine Schwarten, die Vorsitzende des Verbandes der Binnenfischer ist. „Da bin ich hartnäckig!“

 Ulrike Benthien

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